Tiermedizin
Leishmaniose - unheilvolles ReiseandenkenWelcher Tierfreund lässt seinen Vierbeiner gerne alleine zuhause, wenn er selbst auf Reisen geht? Doch Urlaube mit Hund bergen Risiken für das Tier. Im gesamten Mittelmeerraum lauern Infektionskrankheiten, die schwer bis unmöglich therapierbar sind. Dazu gehört auch die Leishmaniose. Den Erreger dieser von Tierärzten gefürchteten Erkrankung nennt man Leishmanie. Er gelangt über den Speichel von Stechmücken in den Blutkreislauf des Vierbeiners. Einen Impfschutz gibt es bisher nicht. Reisen in den Süden mit Hund sollten daher wohl überlegt sein.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher, Tierärztin bei aktion tier
Vor allem im Hochsommer ist in den Ländern Italien, Frankreich, Griechenland und Portugal mit einer erhöhten Aktivität der Sandmücke zu rechnen. In Spanien können die Insekten sogar ganzjährig aktiv sein. Je eifriger die Lästlinge beim Stechen sind, umso größer die Gefahr einer Übertragung für den Hund. Kurz nach der Dämmerung schwärmen die Mücken aus und suchen sich ihre Opfer. Sticht das Insekt zunächst einen infizierten und danach einen gesunden Hund, kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Übertragung. In den genannten Nationen sind 30- 40 % aller wild lebenden Hunde mit Leishmanien infiziert. Das Risiko, dass der eigene Familienhund in Südeuropa angesteckt wird, ist also hoch. Die Symptome einer Leishmaniose können extrem unterschiedlich sein und erst Wochen oder gar Jahre nach der Ansteckung auftreten. Durchfall, Lahmheiten und Gewichtsverlust sind mögliche erste Krankheitsanzeichen. Typische Verläufe zeichnen sich im fortgeschrittenen Stadium durch Hautveränderungen aus. Kleine Risse an den Ohren, Haarausfall an Kopf und Rumpf und schlecht heilende Wunden am ganzen Körper sind charakteristische Merkmale für den Ausbruch einer Leishmaniose-Erkrankung. Häufig zu sehen ist auch die so genannte „Brillenbildung“ rund um die Augen. Damit sind haarlose, verkrustete Areale im Augenbereich in Form einer Brille gemeint. In vielen Fällen ist zudem übermäßiges Krallenwachstum zu erkennen.
Eine Blutuntersuchung durch einen Tierarzt kann den Verdacht auf eine Leishmaniose erhärten. In der Folge stehen dann weiterführende Untersuchungen an, um die Infektionskrankheit zweifelsfrei zu diagnostizieren. Abhängig von der Region, in der der Hund sich angesteckt hat, wird nun ein Therapieversuch eingeleitet. Die Medikamente müssen meist lebenslang verabreicht werden. Je größer der Hund ist, umso teurer wird die Therapie. Die Kosten können sich im Bereich von mehreren Hundert Euro pro Monat bewegen!
Die beste Vorbeugung, damit ein Tier sich nicht ansteckt, ist, die genannten Länder nicht mit ihm zu bereisen. Muss es unbedingt sein, gibt es einige Vorsorgemaßnahmen, die der Besitzer unbedingt ergreifen sollte, um seinen Hund zu schützen: Zum einen muss er dafür Sorge tragen, dass jeder Aufenthalt des Hundes nach der Dämmerung im Freien untersagt bleibt. Zum anderen gibt es Präparate, die die Insekten einigermaßen zuverlässig abhalten. Zwei Darreichungsformen sind auf dem deutschen Markt erhältlich: Es gibt so genannte Spot on-Präparate. Sie werden auf die Haut geträufelt und darüber in den Körper aufgenommen. Damit wird ein etwa 14- tägiger Schutz vor den Mücken erzielt. Außerdem sind über den Tierarzt Halsbänder erhältlich, die kontinuierlich einen Abwehrstoff gegen die gefährlichen Insekten abgeben. Eine Garantie, dass der Hund nicht infiziert wird, gibt es jedoch bei keiner der beiden Varianten.
Von Mittelmeerreisen mit Hund in den Sommermonaten kann aus tierärztlicher Sicht also nur abgeraten werden. Sowohl zum Schutz des eigenen Hundes als auch zum Schutz aller Hunde in Deutschland. Die Sandmücke, die die Leishmaniose überträgt, ist in Deutschland bereits heimisch geworden. Kommen nun noch viele Hunde hierzulande hinzu, die bereits an Leishmaniose erkrankt sind, wird sich diese gefürchtete Krankheit auch bei uns ausbreiten und alle Hunde bedrohen. Katzen scheinen sich auch infizieren zu können, wenngleich sie nicht so oft wie Hunde erkranken. An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei der Leishmaniose um eine Zoonose handelt. Sie kann also theoretisch auch vom Tier auf den Menschen übertragen werden. In Deutschland ist allerdings noch kein Fall bekannt, in dem ein Hund seinen Halter angesteckt hätte.
Hautveränderungen oder Fellverlust sind deutliche Anzeichen einer Leischmaniose
Auch wenn alles versucht wird, um einem erkrankten Hund zu helfen, ist ein Heilungsversuch häufig nicht dauerhaft von Erfolg gekrönt. Obwohl manche Besitzer bereit sind, viel Geld für die Behandlung ihres Tieres auszugeben, kann Leishmaniose oft nur eingedämmt, nicht aber ausgemerzt werden.
mensch & tier 2/2011
Akuelle Informationen zu diesem Thema finden sie im der Rubrik Hunde.