aktion tier-Pferdehilfe am Niederrhein e.V., NRW
Was 1969 mit zwei abgehalfterten Pferden begann, war 1973 Anlass mit sechs Pferden von Düsseldorf an den Niederrhein zu wechseln. Auf dem ersten Hof – Haverbendshof – fanden im Laufe der Zeit bis zu 28 Pferden Unterkunft. Der Trend, sich seiner unbrauchbar gewordenen Pferde zu entledigen, nahm zu. 1986 zogen wir dann um auf den Eypaschhof, auf dem die Unterbringungsgrenze bei 55 Pferden liegt.
Ein Bericht von Hans-Georg Raubach

Zum Hof gehören 16 Hektar Weideland, das ganzjährig den Tieren zu ihrer artgemäßen Bewegung verhilft. Die Weidedauer richtet sich nach den Witterungsverhältnissen. Alle Tiere werden nachts aufgestallt. Drei bis vier Mitarbeiter mit „Pferdeverstand“ kümmern sich um die Versorgung der Pferde, als da ist Boxenmisten, Füttern, Striegeln. Um die tierärztliche Versorgung sind zwei Großtierpraxen bemüht. So wichtig wie die „Viechdoktoren“ ist der Hufbeschlagsschmied (staatlich zugelassen). Unsere Veteranen zeigen bedingt durch ihr Vorleben Verschleißschäden, die durch orthopädische Beschläge so korrigiert werden, dass sie schmerzfrei laufen können. Trotz ihrer Vorbelastung werden die „nutzlos“ gewordenen ehemaligen Statussymbole (Pferd) auf dem Eypaschhof bis zu 35 Jahre alt. Die Esel schaffen sogar 40 und mehr Jahre. Für unser Kreisveterinäramt in Kleve sind wir Partner bei Beschlagnahmsaktionen.
Sozusagen als „Wollstandsmüll“ gesellten sich andere Tiere wie Ziegen, Schafe, ein Rind, Hühner, Hunde und Katzen zu den Pferden. Die anhaltend schlechte wirtschaftliche Situation veranlasst viele Privatpferdehalter dazu, sich von ihren Tieren zu trennen. Täglich rufen bei uns meist junge Mädchen an, die weinerlich berichten, da sei ein Pferd, das sie bisher als „Pflegepferd“ geputzt hätten, das jetzt zum Schlachter ginge, wenn sich niemand fände, der es zum Schlachtpreis übernähme. Selbst wenn wir hundert Pferde unterbringen könnten, wäre unsere Kapazität schnell ausgereizt. Wir kooperieren mit einem Tierschutzverein „Tierschutz Kreis Viersen“ der rund 25 Pferde im Stall hat. Für den Verein zahlen wir aus Mitteln von aktion tier die Hofpacht. Wir haben aus eben diesen Mitteln auch Tierarztkosten anderer Altpferdesammler übernommen. Ohne die tatkräftige Unterstützung durch aktion tier könnten wir nicht in diesem Umfange „Gutes“ tun. Jetzt ist angedacht eine Art Netzwerk zu schaffen, das sich um Pferde kümmert. Der erste Netzwerkpartner ist der Verein „Tierschutz Kreis Viersen e.V.“. Dabei sind wir uns im Klaren, dass beim Ausbau des Netzwerkes Wert auf Fachkenntnis in der Pferdehaltung genau so wichtig ist wie die Hinwendung zum Tierschutzgedanken. Wir denken auch an eine Seite im Internet, in die entweder Pferdebesitzer selbst Pferde einstellen können und anderseits Suchende Pferde als Beistellpferd finden können. Wir haben oft die Fälle, dass Menschen zwei Pferde (Herde) halten und nach dem Tod eines der Pferde ein Beistelltier suchen, damit wieder eine „Herde“ zustande kommt. Wir wollen da weder dem Pferdehandel noch dem Transfer von Pferden in südliche Schlachthöfe Vorschub leisten. Auch werden die „Abnehmer“ auf die Eignung zur Übernahme eines Pferdes (Pony oder Esel) zu überprüfen sein, weil Tierliebe allein nicht genügt. Da gibt es noch einiges zu tun.
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