Keine Kaninchen zu Ostern!

Viele Kinder quengeln besonders kurz vor Ostern: „Bitte, bitte, Mami, bitte Papi, kann ich ein Kaninchen haben...?“. Gemeint sind hierbei meistens Zwergkaninchen, wobei auch hier die Vielfalt sehr groß ist. Kaninchen sind ja wirklich niedliche Tiere und entsprechen mit ihrer kleinen Nase und den großen Augen voll und ganz dem „Kindchen-Schema“, was an unsere Schutzinstinkte appelliert. Doch allen Eltern sollte klar sein, dass letztlich sie es sind, die die Verantwortung für das gewünschte Haustier des Kindes haben. Wichtig bei Kaninchen: Sie sollten bitte niemals alleine gehalten werden!
Ein Bericht von Alexandra Diezemann, aktion tier-Geschäftsstelle Berlin

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Kaninchen leben in freier Wildbahn in Gruppen, das heißt, sie sind äußert gesellig. Eine Einzelhaltung grenzt daher an Tierquälerei und sollte tunlichst vermieden werden! Am besten halten Sie ein Pärchen, um Rangkämpfe zu vermeiden. Aber Vorsicht – das Männchen sollte unbedingt kastriert sein, sonst gibt es unerwünschten Nachwuchs! Um Kaninchen artgerecht unterzubringen, ist ein entsprechend großer Stall und/oder Gehege erforderlich. Soll das Kaninchen drinnen leben, empfiehlt sich ein Stall mit einer Mindestgröße von 130 x 80 x 50 cm. Eine wirkliche artgemäße Haltung ist jedoch nur in Kombination mit einem freien Auslauf möglich. Hierfür kann man im Garten, wenn vorhanden, einen Auslauf einzäunen. Soll das Kaninchen mehrere Stunden am Tag ohne Aufsicht draußen herum laufen dürfen, sollte der Auslauf zum einen in einer Tiefe von ca. 30 cm mit Maschendrahtzaun ausgelegt werden (da die fleißigen Buddler sonst schwuppdiwupp draußen sind) und zum anderen sollte auch von oben ein Gitter vor Greifvögeln und Katzen schützen. Schön ist es natürlich, wenn die Tiere die Möglichkeit erhalten zu graben. Denn Kaninchen erschaffen sich gerne ein richtiges Tunnelsystem. Sofern der Platz da ist und alles von unten und oben geschützt ist, besteht hier auch kein Problem. Falls Sie keinen Garten haben und das Kaninchen in der Wohnung seinen Auslauf erhalten soll, dürfen Sie nicht zu pingelig sein, was Ihre Möbel betrifft. Denn es kann schon einmal passieren, dass das Stuhlbein oder das Regal angenagt wird. Passen Sie unbedingt mit Kabeln auf! Manche Kaninchen laufen wie ferngesteuert zu den Kabeln und beißen sie durch. Die Gefahr eines tödlichen Stromschlags ist hierbei groß! Verstecken Sie daher Ihre Kabel in „beißsicheren“ Kabelkanälen, die es in jedem gut sortierten Baumarkt oder Elektrofachhandel gibt. Achten Sie auch darauf, dass Sie keine für Kaninchen giftigen Pflanzen oder Kakteen in der Wohnung haben, an die das Tier herankommt.

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In einem Käfig darf ein geräumiges Schlafhaus keinesfalls fehlen. Kaninchen brauchen einen Ort, an den sie sich zurückziehen können. Das Haus sollte aus Holz und nicht aus Plastik sein. Zum einen wird auch das Haus sicherlich gerne angeknabbert, was bei Plastik gesundheitsschädlich ist und zum anderen staut sich in Plastikhäusern die Luft und es wird schnell feucht und stickig. Statten Sie den Käfig außerdem mit einer Heuraufe (Metallhalterung an der Seite des Käfigs) aus, damit das Heu, das täglich frisch gereicht werden sollte, immer sauber bleibt. Für das Wasser, das ebenfalls täglich frisch angeboten werden muss, eignet sich eine Trinkflasche für Kaninchen und Meerschweinchen am besten, die es im Zoofachhandel zu kaufen gibt. Die Futterschüssel sollte im besten Fall aus Steingut sein, da diese am wenigsten schnell umfällt. Als Einstreu können Sie das handelsübliche Einstreu aus Holzspänen nehmen – Strohpellets sind natürlich besser, zwar etwas teurer, dafür aber auch haltbarer und für die Tiere noch verträglicher. Das Streu sollte mehrere Zentimeter dick im Käfig sein, damit zum einen der Urin besser aufgesaugt wird und zum anderen, damit die Kaninchen auch im Käfig ein bisschen buddeln und wühlen können. Katzenstreu hat in einem Kaninchenstall rein gar nichts verloren! Den geeigneten Standort für den Käfig finden Sie am besten in einer ruhigen Ecke und ohne direkte Sonneneinstrahlung. In einem Kinderzimmer oder in der Küche sollte der Käfig niemals stehen, da das Tier zuviel Lärm und zu vielen Gerüchen ausgesetzt wäre. Und nicht vergessen: Der Nichtraucherschutz gilt auch für Kaninchen!

Neben einer täglichen Portion Frischkost (Möhren, Gurken, gewaschener, trocken getupfter Salat, Obst, Kräuter), sollten Kaninchen täglich eine kleine Portion Körnerfutter erhalten. Knabberstangen und ähnliche Leckerlis füttern Sie bitte nur einmal die Woche, da Ihr Tier sonst schnell zu dick wird. Meiden Sie hier die Stangen, die mit Honig versetzt sind. Diese haben zu viele Kalorien und schaden langfristig auch den Zähnen. Man kann Kaninchen auch gänzlich ohne die Fertigmischungen ernähren. Die Meinungen gehen hier auseinander. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass die Kaninchen die Möglichkeit erhalten, z.B. an dicken Ästen ihre Zähne abzureiben, da diese immer weiter wachsen. Schnell kann es sonst zu schmerzhaften Zahnfehlstellungen kommen. Auch die Krallen müssen abgenutzt werden. Wenn sie zu lang sind, müssen sie mit einer Krallenschere gekürzt werden. Das kann man selbst machen (ohne die Blutgefäße zu verletzen!) oder man lässt sie regelmäßig vom Tierarzt schneiden.

Was bei aller täglichen Pflege nicht vergessen werden darf, sind die Streicheleinheiten. Auch wenn Sie zwei Kaninchen halten, sollten Sie jedem der Tiere jeden Tag ausreichend Zeit schenken. Auf diese Weise stärken Sie auch die Bindung zu den Tieren. Kaninchen sind recht intelligente Tiere, die schnell lernen. So kann man so manchem Kaninchen auch beibringen, ein Katzenklo zu benutzen, wenn das Tier in der Wohnung seinen Auslauf bekommt. Bei guter Haltung erreichen Kaninchen normalerweise eine Lebensalter von sieben bis zehn Jahren. Sollten Sie darüber nachdenken, sich ein Kaninchen für sich selbst oder für Ihr Kind anzuschaffen, dann schauen Sie bitte zuerst im Tierheim in Ihrer Region nach. Überall warten die Langohren. Vor allem nach Ostern werden viele Kaninchen in den Tierheimen abgegeben, da sich die Halter eben keine ausreichenden Gedanken gemacht haben. Seien Sie also ein Vorbild und verschenken Sie keine Kaninchen zu Ostern!

Kaninchen gehören nicht zu den Nagetieren, sondern zu den sogenannten Hasentieren, die unter den Säugetieren eine eigene Ordnung bilden.


Bilder: © IPO Bildagentur



 
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