Animal Hoarding

Manche Menschen sammeln krankhaft Gegenstände, andere Tiere. Animal Hoarder – zu deutsch Tierhorter oder Tiersammler, konzentrieren ihre zwanghafte Leidenschaft vorzugsweise auf Katzen und Hunde. Immer mehr Tiere werden aufgenommen und unter katastrophalen Bedingungen häufig in Wohnungen und Häusern gehalten. Sie vermehren sich unkontrolliert, eine tierärztliche Betreuung findet in der Regel nicht statt, das ganze Leben gerät aus den Fugen. Aus Tierliebe wird Tierquälerei.

8_2624_a.hoard.jpgIn den USA schon längst erkannt und beschrieben, ist Animal Hoarding als Krankheitsbild in Deutschland nach wie vor weitgehend unbekannt. Einer US- amerikanischen Studie zu Folge mutieren vorrangig allein stehende, sozial isolierte Menschen über 50 Jahre zu Animal Hoardern.

Auch in Deutschland nehmen die Fälle krankhaften Tiersammelns dramatisch zu. Die zuständigen Ordnungs- und Veterinärämter sind allerdings häufig mit den Massen von angesammelten Tieren überfordert. 
Wir informieren über die Hintergründe und unterschiedlichen Ausprägungen des Animal Hoarding anhand konkreter Fälle, mit denen aktion tier in den letzten Jahren zu tun hatte. Wir beleuchten die Rechtsgrundlagen, die Stellung der zuständigen Behörden und - neben dem Tierschutzaspekt - auch die menschlichen Tragödien, die hinter jedem Animal Hoarding- Fall stecken.

Mai 2006: in Liebenwalde bei Berlin werden 231 verwahrloste Hunde beschlagnahmt. Das Gelände ist komplett vermüllt, es stinkt nach Kot und Urin. Ein typischer Fall von „Animal Hoarding“, dem Sammeln von Tieren. Manche Menschen sammeln krankhaft Gegenstände, andere Tiere. „Animal Hoarder“, zu deutsch Tierhorter oder Tiersammler, konzentrieren ihre zwanghafte Leidenschaft vorzugsweise auf Katzen und Hunde. Immer mehr Tiere werden aufgenommen und unter katastrophalen Bedingungen häufig in Wohnungen und Häusern gehalten. Sie vermehren sich unkontrolliert, eine tierärztliche Betreuung findet nicht statt.
Ein Bericht von Ursula Bauer, aktion tier-Geschäftsstelle Berlin

8_2627_liebw.1.jpgDiese Krankheit kann in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Mal handelt es sich um echte Tierfreunde, die zuerst aus Mitleid Tiere aufnehmen und häufig nicht „nein“ sagen können. Aus ihrer Unfähigkeit heraus, rechtzeitig die Bremse zu ziehen, wächst ihnen die Tierhaltung schließlich über den Kopf. Sie lassen den Dingen ihren Lauf und drücken sich nicht selten vor der Verantwortung, indem sie schließlich einfach verschwinden und die Tiere sich selbst überlassen. Daneben gibt es auch den aktiven Sammler, der von der zwanghaften Überzeugung geleitet wird, dass er Tiere retten muss, da sie es nur bei ihm gut haben. Schließlich können jedoch auch Züchter, die Tiere aus kommerziellen Gründen vermehren, zu Animal Hoardern werden. Kommt es beispielsweise zu länger andauernden Absatzschwierigkeiten der „Ware Hund“, kann auch hier bei entsprechender Veranlagung die Krankheit ausbrechen und die Tierhaltung in kurzer Zeit ausufern.

Eine Mitschuld tragen immer auch Menschen, die dankbar sind, in den Animal Hoardern jemanden gefunden zu haben, der ohne zu fragen und ohne Limit Tiere bei sich aufnimmt. Seien es Amtstierärzte, die Fundtiere unterbringen wollen, Privatpersonen, die ihre Tiere loswerden möchten oder Tierschützer, die die gefundene „Pflegestelle“ regelmäßig mit „Notfällen“ beliefern. Aus Unkenntnis, Desinteresse oder purem Egoismus werden so die kranken Tiersammler gedeckt oder gar noch in ihrem suchtähnlichen Handeln unterstützt.

8_2628_liebw.2.jpgDer Übergang vom Tierfreund zum krankhaften Tiersammler vollzieht sich meist schleichend und für Außenstehende oft unbemerkt. Dabei nehmen auch in Deutschland die Fälle von Animal Hoarding drastisch zu. Schon beim geringsten Anzeichen eines maßlosen Anhäufens von Tieren sollten daher Nachbarn und Mitmenschen sofort die Behörden einschalten. Veterinär-, Ordnungs- und Gesundheitsämter sind gefordert, sich über die Krankheit zu informieren und beherzt und vor allem rechtzeitig einzugreifen. Dass die Behörden in Liebenwalde seit Jahren von den Zuständen wussten und der Veterinär einige Tage vor der Räumung dem Bestand einen „guten Gesundheitszustand“ attestiert hatte, ist skandalös und sollte sich nicht wiederholen.

Das Tierschutzgesetz liefert genug Möglichkeiten, Tiersammlern das Handwerk zu legen. Die häufig praktizierte amtliche Bestandsreduzierung hat jedoch in der Regel nur vorrübergehenden Effekt, da die Kranken sofort neue Tiere sammeln, so dass die alten Zustände schnell wieder hergestellt sind. Auch ein Tierhalteverbot ist nur dann sinnvoll, wenn es mit einem Tierumgangsverbot gekoppelt ist. Im Falle Liebenwalde wurde ein Tierhalteverbot ohne Tierumgangsverbot ausgesprochen, was zur Folge hatte, dass die Hoarderin bald wieder zehn Hunde hatte, die offiziell „einer Freundin“ gehören sollen. Es scheint also absehbar, wann die nächsten 200 kranken und gestörten Hunde auf dem Gelände beschlagnahmt werden müssen.

Hinter Animal Hoarding steckt immer auch eine menschliche Tragödie und es bleibt zu hoffen, dass die Krankheit bald therapier- und heilbar ist. Animal Hoarding bedeutet jedoch auch Tierquälerei. Daher muss alles getan werden, um die Tiere vor diesen kranken Menschen zu schützen.

Bilder: ©Kai Horstmann




 
Animal Hoarding Fälle
2013
Animal Hoarding Fall Ritterdorf »

2012
Tierschutzfall in Sachsen »

Fall Vitzeroda:
Marietta P. und ihr Helfer vor Gericht »

2011
Animal Hoarding-Fall in Vitzeroda »

Illegale Kaninchen- Massenzucht  in Berlin-Lichtenberg »

Katzenschwemme in Freising, Bayern »

2010
Der Fall Zarenhof »

Die  völlig überfoderte Katzenzüchterin Gabi R. aus Neukölln »

2009
Heike B. hält 250 Tiere auf ihrem vermüllten Grundstück in der Uckermark »

2008
Gerhard A. hält ca. 1700 Wellensittiche in seiner Wohnung in Spandau »

Aus den Fugen geratene Huskyzüchterin Simone W. auf einem verdreckten Grundstück in Hohengörsdorf »

Gisela W. hält 17 Katzen in verwahrloster Wohnung in Riesa »

 
Medienberichte
MDR “exakt Reportage”
18. Juli 2012
“Gequälte Kreaturen - Wenn Tierliebe zur Sucht wird”
eine Reportage zum Thema animal hoarding



SAT.1 "24 Stunden" Reportage
24. Juli 2012
Verbotene Tierliebe - Auf den Spuren der Animal Hoarder


MDR “Dabei ab 2”
 
09. Mai 2012
Tote und verwahrloste Tiere in Messie-Wohnung



VOX, Spiegel TV
03. September 2011
Titel „Tiermessies – Wenn Tierliebe außer Kontrolle gerät“


RTL Explosiv,

25. Januar 2011
Ein Bericht über den bewegendenden Tierschutz-Fall mit dem aktion tier im Oktober 2008 zu tun hatte. Die 73-jährige Rentnerin Gisela W. aus Riesa hielt in ihrer völlig verwahrlosten und verdreckten Wohnung 18 unterernährte und teilweise kranke Katzen.



SAT.1 „FOCUS TV“ ,
15. November 2010
FOCUS TV hat die aktion tier-Mitarbeiterinnen Ursula Bauer und Dr. Tina Hölscher bei ihrer Arbeit begleitet. Dokumentation verschiedener Animal Hoarding Fälle.



SAT.1 in der Sendung "Kerner",
01. Juli 2010
Das Phänomen animal hoarding. Als Gast Ursula Bauer.   TV Beitrag


RTL2 EXKLUSIV - Die Reportage
,
04. März 2010
Tiermessis - wenn Tierliebe zur Tiersucht wird. Ein Zusammenschnitt einer 45minütigen Reportage über aktion tier - Animal Horading Fälle.


 
aktion tier Berichte zum Thema
Wahre Tierschützer?
Ein Bericht von Holger Knieling,
Vorstandsvorsitzender von aktion tier »