Von Eisbären und mehr
Jetzt kommt Knut – ohne Furcht und mit viel Mut. Genau zur richtigen Zeit erscheint im Kino die Geschichte von Knut, dem Eisbären aus Berlin. Nämlich dann, wenn im Nürnberger Tiergarten das Eisbärenmädchen „Flocke“ von den Pflegern im Tierpark hochgepäppelt wird. „Knut und seine Freunde“ heißt der Film, der die Lebensräume und den Überlebenskampf von fünf Bärenkindern in wunderschönen, teils sehr bewegenden Bildern zeigt.
Ein Bericht von Judith Brettmeister, aktion tier-Geschäftsstelle München

Wenn man genau hinsieht, erkennt man und erlebt richtig wie riesig und wie aufregend die Welt der Eisbären in der Arktis ist. Riesig alleine schon deshalb, wenn man mit bekommt, welche Strecken diese kleinen Zwerge zum einen allein oder gemeinsam mit der Mutter zurücklegen. Ein Drittel ihrer Zeit verwenden die Geschwister mit dem Wandern, wobei davon nur etwa fünf Prozent für die Jagd aufgebracht werden. Den Rest verschlafen sie. Das Jagdrevier eines Eisbären erstreckt sich über einen Radius von rund 150 Kilometern. Da ist das Gehege des kleinen Knut schon entsetzlich klein und man kann sich vorstellen, was es für einen Eisbären bedeutet, in Gefangenschaft zu leben. Aber auch den in Freiheit lebenden Eisbären droht die akute Verkleinerung ihres Lebensraums, da ihnen dieser aufgrund des Klimawandels buchstäblich unter ihren Tatzen wegschmilzt.
Den Braunbärenkindern schmilzt zwar nicht der Lebensraum weg, aber ihr Leben ist durch intensive Bejagung bedroht, die auch durch den Jagdtourismus zugenommen hat, durch Industrialisierung und dem immensen Ausbau der Infrastruktur. Die Zukunft, sollte es eine für Masha, Pasha, Lasse und Linn geben, wird schwer werden, weil der Mensch wenig oder keine Rücksicht auf die Lebenssituation der Tiere nimmt. Die Lebenssituation von Knut stelle aber sicher keine Alternative zu dem Leben der beiden Geschwisterbärchen dar, die im Film gezeigt werden. Knut, der so zum Knuddeln aussieht, ist einem Leben in Enge und Monotonie ausgesetzt und er wird, von einem Bein auf das andere stampfend, am Rande seines Schwimmbassins stehen und den fotografierenden Zoobesuchern bei ihren Verrenkungen zusehen. Es ist nur gut, dass Knut den Film selbst nicht sehen kann, denn dann hätte er bestimmt Sehnsucht nach der Weite der Antarktis, die uns in diesem Film in so wunderschönen Bildern nahe gebracht wird.
Kleine Eisbären. Von Thorsten Milse. Kleine Eisbären in der Wildnis der kanadischen Arktis. Tierfotograf Thorsten Milse hat die jungen Bären bei ihren ersten Schritten nach Verlassen der Geburtshöhle fotografisch begleitet. Ein Bildband, der das Familienleben der Eisbären zeigt.
176 Seiten mit 142 Fotos. Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, C.J. Bucher Verlag 2006 in deutscher und englischer Sprache
„Kleine Eisbären“, ISBN 3-7658-1576-4
„Little Polar Bears“, ISBN 3-7658- 1586-1
www.wildlifephotography.de
Der Eisbär
Eisbären leben ausschließlich rund um den Nordpol. Viele der Polarbären halten sich das ganze Jahr über an den Küsten oder auf den Eisschollen auf, um dort Robben zu jagen. Wissenschaftler schätzen, dass es derzeit noch 20 000 bis 25 000 wild lebende Eisbären gibt. Eisbären können 25-30 Jahre alt werden, in Gefangenschaft sogar 45 Jahre. Mittlerweile gehören die großen Landraubtiere zu den bedrohten Tierarten. Einerseits sind sie durch die Eisschmelze im Polarmeer gefährdet. Das Eis ist nicht mehr dick genug und viele Tiere ertrinken. Andererseits wird in den arktischen Regionen durch verstärkte Erdöl- und Erdgasförderung der Lebensraum der Eisbären dramatisch eingeschränkt. Besonders in jenen Gebieten, in denen sich die Weibchen üblicherweise zur Geburt zurück ziehen. Zudem belegt eine Liste des Bundesamtes für Naturschutz ein massenhaftes Sterben der weißen Giganten durch Abschuss. So importiert Deutschland problemlos aus Grönland, Kanada und den Vereinigten Staaten Eisbär Trophäen. Zooeisbären werden die wild lebenden Artgenossen aber kaum ersetzen können, den „Promi-Eisbären“ wie Knut und Flocke sind so menschenfixiert, dass sie wahrscheinlich niemals eine Paarungsbereitschaft zeigen dürften. Und Knut. Der gerade ein Jahr alt ist, zeigt bereits die ersten Verhaltensstörungen.
Der Braunbär
Braunbären sind vielerorts ausgerottet. In West- und Mitteleuropa gibt es ihn nur noch in winzig kleinen Populationen. Manchmal wandern im Alpenraum vereinzelte Exemplare umher, die aber wie der „Problembär Bruno“ wenig Überlebenschancen haben. Ursprünglich lebten Braunbären in weiten Teilen Nordamerikas, Eurasien und Nordafrika (Atlasgebirge). Der letzte in Deutschland lebende Braunbär wurde in Ruhpolding 1835 getötet. Braunbären werden in freier Natur 20-30 Jahre alt, in Gefangenschaft bis zu 47 Jahre. Die gesamte weltweite Population wird auf ca. 185 000 bis 200 000 Tiere geschätzt. Braunbären waren vor allem im eurasischen Raum begehrte Objekte zur Unterhaltung. Äußerst beliebt waren gefangene und abgerichtete Tanzbären. Teilweise werden Braunbären auch noch in Zirkussen gehalten. Durch den Tierschutz ist diese Form der Tierattraktion aber glücklicherweise rückläufig. Was allerdings nach wie vor boomt, ist der Jagdtourismus auf Braunbären, auch organisiert von deutschen Reiseveranstaltern. Bären werden durch regelmäßiges Füttern an einen bestimmten Platz gelockt. Sobald sich der Bär blicken lässt, kann er "bequem" von Jagdtouristen abgeschossen werden. Die Frage, inwieweit sich Braunbären im bayrischen Alpengebiet ansiedeln könnten, bleibt spekulativ. Denn der Fall Bruno hat gezeigt, dass Braunbären noch immer in übertriebener Art und Weise als Nahrungskonkurrent gesehen wird. Es scheint auch so, dass viele Menschen nicht die nötige Reife besitzen, um ein Miteinander Mensch-Bär zu wagen. Aus Nordamerika ist bekannt, dass es nur dann zu Todesfällen beim Menschen kommt, wenn der Bär provoziert wurde oder das Verhalten des Menschen schlichtweg unvorsichtig war.