Wale und Delfine
M.E.E.R. e.V., La Gomera/ Spanien
Delfine und Wale faszinieren uns Menschen seit jeher. Kaum einer kann sich ihrer Schönheit, ihrer Eleganz und ihrem scheinbar friedlichen und fröhlichen Wesen entziehen. Mythen und Legenden ranken sich um die Meeressäuger, unzählige Bücher sind geschrieben worden, ihr Bild erscheint überall in der Werbung und den Medien. Wale und Delfine üben eine fast magische Anziehungskraft auf uns aus. Gleichzeitig sind die charismatischen Meeressäuger heute vielfach bedroht. Überfischung und Beifang kosten jedes Jahr hundert Tausenden Tieren das Leben, die Verschmutzung der Meere setzt ihrer Gesundheit zu und durch menschliche Aktivitäten – nicht zuletzt dem Tourismus – wird ihr Lebensraum zerstört. Unmengen von Müll im Meer machen ihnen das Leben schwer – z.B. kann ein Delfin leicht an einer verschluckten Plastiktüte sterben. Schiffsverkehr, seismische Untersuchungen, Bautätigkeit und militärische Manöver führen zu enormem Lärm im Meer, nicht selten mit fatalen Folgen. Außerdem kommt es immer häufiger zu Kollisionen zwischen Schiffen und Walen. Und schließlich hat auch der Klimawandel dramatische Konsequenzen, die sich heute erst ansatzweise verstehen lassen.
Ein Bericht von Fabian Ritter (Diplombiologe)

M.E.E.R. e.V. sieht seine zentrale Rolle in der Erforschung von Walen und Delfinen. Ende der Neunziger Jahre wurde das Projekt „MEER La Gomera“ auf den Kanarischen Inseln gegründet. Was als einfache Studienarbeit begann, ist mittlerweile zu einem international angesehenen Projekt geworden, welches in beispielhafter Weise Tourismus und wissenschaftliche Arbeit verbindet. Vor La Gomera, der kleinen Nachbarinsel von Teneriffa, herrscht eine außergewöhnliche Artenvielfalt. Mit 21 Wal- und Delfinarten sind hier – auf die Größe der untersuchten Fläche bezogen – mehr Arten dokumentiert worden als irgendwo anders. Es handelt sich um einen der bedeutungsvollsten Lebensräume für Wale und Delfine in Europa. Damit repräsentieren Wale und Delfine auch einen der wichtigsten Naturschätze der Kanaren. Auf dieser Vielfalt beruht auch die Entwicklung des Walbeobachtungstourismus im Kanarischen Archipel, der sich seit seiner Entstehung hier rapide entwickelt hat. Whale Watching kann einen Beitrag zur Erhöhung des Umweltbewusstseins leisten, sofern die Prinzipien der Nachhaltigkeit eingehalten werden. Denn nicht zuletzt stellt Whale Watching eine Alternative zu einem Besuch in Delfinarien und – in finanzieller Hinsicht – natürlich auch zum Walfang dar.
Aber es gibt auch negative Folgen, wenn die Tiere z.B. ständig von Booten „belagert“ werden, sie immer wieder ausweichen müssen oder der Lärm der Motoren und Schiffschrauben zu Stress führt. Im schlimmsten Fall kommt es zu Verletzungen durch Zu sammenstöße. Der Stress kann langfristig zur Abnahme von Populationen führen, weil sich die Reproduktionsrate vermindert. Auch eine Abwanderung in ruhigere Gegenden ist möglich.
Generell lauten die „goldenen Regeln“ der Walbeobachtung:

• Wir Menschen sind die Gäste im Lebensraum der Wale und wollen uns entsprechend verhalten.
• Die Meeressäuger sollen Form und Intensität des Kontaktes bestimmen.
Die Tourenanbieter, mit denen M.E.E.R. e.V. zusammen arbeitet, legen größten Wert auf die Einhaltung dieser Regeln. Deshalb sind diejenigen Touren, bei denen es zu einer Verknüpfung von Tourismus, Forschung und Aufklärungsarbeit kommt, ein Beispiel für sanftes oder nachhaltiges Whale Watching. Nicht zuletzt deshalb wurde das Projekt M.E.E.R. La Gomera 2001 mit dem internationalen Umweltpreis „Tourismus & Umwelt“ ausgezeichnet.
Auf La Gomera ist beim Walbeobachtungstourismus bisher noch kein Boom ausgebrochen wie z.B. auf Teneriffa. M.E.E.R. e.V. führt seine Forschungen seit vielen Jahren direkt von Whale Watching- Booten aus durch. Kontinuierlich wird jede Sichtung von Walen und Delfinen dokumentiert, außerdem werden verhaltensbiologische Beobachtungen realisiert und Kooperationen mit anderen Organisationen und Instituten durchgeführt. Die Erkenntnisse sollen als Handlungsgrundlage für die Entscheidungsträger in Politik und anderen Gremien dienen und so den Meeressäugerschutz vor La Gomera unterstützen und vorantreiben. Durch diese größtenteils ehrenamtliche Arbeit konnte M.E.E.R. e.V. wesentlich dazu beitragen, dass die Gewässer La Gomeras in Bezug auf Vorkommen und Verbreitung von Delfinen und Walen eines der am besten untersuchten Gebiete innerhalb der Kanaren (sowie innerhalb Europas) sind. Die Ergebnisse werden regelmäßig in wissenschaftlichen Fachjournalen publiziert oder bei nationalen und internationalen Konferenzen, Symposien und Workshops präsentiert. Der Meeresbiologe und Mitbegründer des M.E.E.R. e.V., Fabian Ritter, ist seit 2003 Mitglied der deutschen Delegation beim Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfang Kommission (IWC).

Schließlich vertritt M.E.E.R. e.V. die Ansicht, dass jeder einen Beitrag zur Rettung der Meere leisten kann – jeden Tag! Es sind nicht nur „die Politik“ oder „die Industrie“, welche Verantwortung übernehmen müssen. Wir alle tragen mit unserem Lebensstil direkt oder indirekt zu jeder der genannten Problematiken bei. In Bezug auf das Whale Watching heißt das, nur an solchen Touren teilzunehmen, die als nachhaltig bezeichnet werden können. Wenn wir alle ein Teil des Problems sind, können wir alle auch Teil der Lösung sein. Fangen wir heute damit an!
Wie erkenne ich einen sanften Whale Watching-Anbieter?
• Wie viele Boote und Touristen gibt es im selben Gebiet? Lässt sich der „Druck“ auf die Tiere abschätzen?
• Macht man sich Gedanken über mögliche Störungen der Tiere? Gibt es einen Verhaltenskodex der Betreiber?
• Kennt man die gesetzlichen Regulationen, soweit welche bestehen? Ist der Betreiber lizenziert?
• Gibt es starke Konkurrenz zwischen den Anbietern? Welche Vermarktungsstrategie wird verfolgt?
• Werden ausführliche Informationen vermittelt bzw. angeboten?
• Ist Forschung integriert?
• Unterstützt der Betreiber Umweltschutzorganisationen oder wird er unterstützt?
• Falls Sie unsensibles Verhalten oder Zuwiderhandlung gegenüber bestehenden Regulationen beobachten: Sprechen Sie mit den Verantwortlichen, teilen Sie Ihre Missbilligung mit, und informieren Sie auch uns darüber.
Kontakt:
M.E.E.R. e.V.,
Fabian Ritter
Tel.: 030-85 07 87 55
info@m-e-e-r.de