Die neuen Tricks der Geflügelhalter
Kommen die Hühner aus dem Käfig?
Seit Anfang des Jahres ist die Haltung von Legehennen in der sogenannten Legebatterie in Deutschland offiziell verboten. Die Frist zur Verlängerung von Ausnahmen lief zum 31.12.2009 endgültig aus. Doch auch die sogenannte Kleingruppenhaltung, die die alte Käfighaltung ablösen soll, stellt keine artgerechte Haltung für Legehennen dar. Und eine vollständige Umstellung der Betriebe gilt nicht einmal als gesichert – daher gilt auch an Ostern: Augen auf beim Eierkauf.
Ein Bericht von Jan Pfeifer
Seit Anfang des Jahres ist die Haltung von Legehennen in der sogenannten Legebatterie in Deutschland offiziell verboten. Die Frist zur Verlängerung von Ausnahmen lief zum 31.12.2009 endgültig aus. Doch auch die sogenannte Kleingruppenhaltung, die die alte Käfighaltung ablösen soll, stellt keine artgerechte Haltung für Legehennen dar. Und eine vollständige Umstellung der Betriebe gilt nicht einmal als gesichert – daher gilt auch an Ostern: Augen auf beim Eierkauf.
Ein Bericht von Jan Pfeifer
Nach langem Ringen beschloss die Europäische Union bereits 1999 die Abschaffung der Legehennenhaltung in der klassischen Legebatterie EU-weit bis zum Jahre 2012. Die damalige rot-grüne Bundesregierung konnte ein deutsches Batterieverbot schon 2007 zunächst durchsetzen, die Umsetzung wurde jedoch bis 2009 verschoben. Seit dem 01.01.09 sind die traditionellen Käfigbatterien (s. Bild links) nun offiziell und vor der EU-Verordnung rechtskräftig verboten. Dennoch durften diese in zahlreichen Ausnahmefällen noch um ein weiteres Jahr in Betrieb gehalten werden, in erster Linie, um den Eierproduzenten die für den Umbau zur Kleingruppenhaltung nötige Zeit zu gewähren. Doch seit dem 01.01.2010 ist in Deutschland nun endgültig Schluss mit der klassischen Käfighaltung von Legehennen. Doch seit Monaten sorgen sich Tierschützer um die Realisierung der vollständigen Abschaffung der Einzelkäfige. Allein aus der Tatsache, dass zu Beginn des eigentlichen Verbotes im Jahre 2009 noch knapp 60 Prozent der deutschen Legehennen in Käfigen gehalten wurden, deren Grundfläche die eines DINA4- Bogens (pro Tier) noch unterschreitet, ergeben sich Zweifel am „Ausnahmecharakter“ der weiterhin gültigen Genehmigungen für Betreiber solcher Legeanlagen. Da die zwangsweise Umstellung außerdem zu enormen wirtschaftlichen Belastungen führt, ist mit drohenden Betriebsschließungen zu rechnen, gegen die Lobby der Eierproduzenten vehement vorgehen wird.
Doch selbst die vollständige Umstellung der Eierindustrie von klassischer Käfig- zu Kleingruppenhaltung (s. Bild oben) bedeutet für die Legehennen keinen großen Gewinn. Um weniger als 100 cm² vergrößert sich der Platz, der jeder Henne zur Verfügung steht. Hinzu kommt dagegen die Gefahr der Verletzung und Selbstverletzung; in ihrer Verzweiflung neigen Hühner ebenso wie andere Nutztiere in der industriellen Massentierhaltung zu Kannibalismus und Selbstverstümmelung. Während frei lebende Hühner etwa die Hälfte des Tages mit der Futtersuche, mit Scharren und Picken verbringen, ist die vorgeschriebene kleine Gummimatte in den Kleingruppenkäfigen kein Ersatz für natürliche Bedingungen. Auf die vorgeschriebene Einstreu zumindest in einem kleinen Teil des Käfigs verzichten viele Eierproduzenten zudem aus Angst vor Verdreckung der Anlagen oder aus finanziellen Gründen; artfremdes Verhalten der Tiere wie Federpicken ist die Folge. Auch die nur für einen Teil der Kleingruppe ausreichende vorgeschriebene Sitzstange wird den arteigenen Bedürfnissen der Hennen nicht gerecht. Tierschützer sprechen in diesem Zusammenhang offen von Verbrauchertäuschung.
Um Eier aus der Kleingruppenhaltung zu vermeiden, können Verbraucher sich weiterhin nach dem Eierstempel richten: Auch die Eier aus den neuen Käfigen werden als Käfigei mit der „3“ ausgezeichnet. In großen Teilen hat der Lebensmitteleinzelhandel den Verkauf von Schaleneiern aus Käfighaltung bereits eingestellt, die meisten dieser Eier gelangen jedoch weiterhin als „versteckte Eier“ in den Umlauf. Hersteller von Teigwaren, Gebäck und Süßspeisen verwenden aus Kostengründen Käfigeier zur Fertigung ihrer Produkte; anders als einzeln verkaufte Schaleneier müssen diese dabei nicht für den Konsumenten nachvollziehbar nach ihrer Herkunft gekennzeichnet werden. Gerade zu Ostern, einer Zeit, in der der Eierkonsum erfahrungsgemäß stark ansteigt, ist die Umsicht des Verbrauchers gefordert, denn: Auch bunt gefärbte, gekochte Ostereier fallen als „verarbeitete Eierprodukte“ nicht unter die Kennzeichnungspflicht des Eierstempels und stammen meist aus tierquälerischer Käfighaltung.Glücklicherweise zeichnet sich besonders auf dem Eiermarkt derzeit die Macht des Verbrauchers deutlich ab. Losgelöst von gesetzlichen Grundlagen sind die Zahlen des Verkaufes von Eiern aus Käfighaltung seit Jahren rückläufig, die steigende Nachfrage nach Eiern aus alternativen Haltungsformen zwingt die Eierindustrie zu einem Umdenken. Zurzeit müssen bis zu 40 Prozent der in Deutschland verkauften Eier aus Bio-, Bodenund Freilandhaltung importiert werden; nach Aussagen von Experten wird der Anteil von in Käfighaltung „produzierten“ Eiern in Deutschland in absehbarer Zeit auf unter zehn Prozent sinken. Trotz zu erwartenden politischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Verbotes der klassischen Käfige ist deshalb eine positive Entwicklung wahrscheinlich.
aktion tier kämpft seit Jahren für ein vollständiges Käfighaltungsverbot von Legehennen, denn artgerecht ist nur die Freiheit. Der neue Käfig, die Kleingruppenhaltung, ist leider nur ein verzweifelter Versuch der Geflügellobby, den Verbraucher zu täuschen. aktion tier sagt NEIN zur Käfighaltung, bitte achten Sie gerade jetzt vor Ostern auf den richtigen Eierkauf. Eier mit dem Aufdruck „3“ links liegen lassen!