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10. April 2017

Illegale Giftschlangenhaltung in Berlin beendet

Bis vor einigen Tagen hielt ein 44- jähriger Mann insgesamt 22 Giftschlangen sowie eine fünf Meter lange Würgeschlange und einen Giftskorpion in seiner Wohnung in Berlin.

Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung reagierten die Behörden sofort und baten Marko Hafenberg, Experte für Gifttiere und Leiter des Reptilienschutzzentrums `aktion tier Brandenburg`, um Hilfe. Wie sich bei der gemeinsamen Kontrolle herausstellte, lebten in der Wohnung einige der giftigsten und gefährlichsten Schlangen der Welt. Zum Beispiel Giftnattern mit hochwirksamen Nervengiften wie die Ägyptische Kobra (Naja haje) und die Monokelkobra (Naja kaouthia). Außerdem Vipern mit gewebe- oder nervenzerstörenden Giften wie die Westliche Gabunviper (Bitis gabonica rhinoceros) oder die Schauer-Klapperschlange (Crotalus durissus collineatus). Auch das Gift des Dickschwanzskorpions (Parabuthus schlechteri) kann dem Menschen gefährlich werden.

Die meisten der in zwei Zimmern übereinander gestapelten Terrarien waren nicht ausbruchsicher, da entsprechende Schließvorrichtungen fehlten. Nicht auszudenken was hätte passieren können, wenn sich eines der Reptilien in dem Mehrfamilienhaus auf Entdeckungstour begeben hätte.

Die Haltung gefährlicher Wildtiere ist in Berlin in einer speziellen Verordnung geregelt. Teil A der Anlage zu dieser Verordnung beinhaltet Tiere wie beispielsweise Menschenaffen, Bären, große Raubkatzen, Panzerechsen, giftige Spinnen, Skorpione und Schlangen, die nicht von Privatpersonen gehalten werden dürfen. Dieses Verbot gilt ohne Ausnahme – Sondererlaubnisse werden nicht erteilt. In Teil B sind dann gefährliche Tiere aufgelistet, die nur mit einer Ausnahmegenehmigung der zuständigen Behörde von Privatpersonen gehalten werden dürfen. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Vogelspinnen, Warane über 50 cm Körperlänge, Riesenschlangen über 2m und alle Affenarten außer Menschenaffen.

Alle 22 in der Wohnung vorgefundenen Giftschlangen sowie der Skorpion stehen auf der Verbotsliste. Ihre Haltung war folglich illegal. Für den großen Netzpython war die erforderliche Ausnahmegenehmigung nicht vorhanden, so dass auch dessen Haltung nicht gesetzeskonform war.

Die anwesende Amtstierärztin ordnete sofort die Wegnahme der Tiere an. Selbst unser erfahrener Giftschlangenexperte Marko Hafenberg geriet beim Einfangen der gefährlichen Reptilien ins Schwitzen, zumal auch die sehr beengten räumlichen Verhältnisse das Hantieren mit den Schlangenhaken erschwerten. Bei dem großen Netzpython (Python reticulatus) waren fünf Personen erforderlich, um die beeindruckende aber auch sehr wehrhafte Würgeschlange in eine Transportbox zu verfrachten.

Nach etwa 4 Stunden waren dann alle Tiere in mehrfach gesicherten Behältnissen verstaut und Marko Hafenberg machte sich auf den Weg in das Reptilienschutzzentrum `aktion tier Brandenburg`. Hier werden die Schlangen und der Skorpion erst einmal in Quarantäne gehalten. Eine Vermittlung an Privatpersonen ist ausgeschlossen.

Gegen den Halter wird nun ein Bußgeldverfahren eröffnet und er wird auch die Kosten des Einsatzes tragen müssen. Angesichts dieses neuerlichen Falles von illegaler Gifttierhaltung weist aktion tier wieder einmal auf die dringende Notwendigkeit einer bundesweiten Gefahrtierverordnung hin. Bisher regeln dies die Länder immer noch nach eigenem Gusto. Es ist zwar lobenswert, dass in Berlin eine klare gesetzliche Regelung besteht. Mehrere Bundesländer, darunter Brandenburg, haben jedoch keine entsprechende Verordnung. Dort kann jeder Giftschlangen halten, ohne eine entsprechende Sachkunde oder die Sicherheit der Unterbringungen nachweisen zu müssen. Dabei stellen Haltungen wie die gerade beendete nicht nur eine Gefahr für den Tierbesitzer, sondern auch noch mindestens für die anderen Bewohner des Hauses dar. Niemand hat das Recht, andere Menschen zu beunruhigen oder einer potentiellen Gefahr auszusetzen.

Medienvertreter können kostenloses Bildmaterial zu dem Fall über unsere Berliner Geschäftsstelle anfordern. Weitere Informationen zum Reptilienschutzzentrum `aktion tier Brandenburg` finden Sie unter www.aktiontier-brandenburg.org.