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Naturnahe Gartengestaltung ist Tierschutz

von: Ursula Bauer

Selbst etwas zu säen und wachsen zu sehen, macht Freude. Und wenn man bei der Pflanzenwahl den heimischen Gewächsen dann noch den Vorzug gewährt, tut man Hummeln, Bienen, Igeln, Vögeln und vielen anderen Tieren etwas Gutes.

Balkonkästen oder Hausgärten sind längst wichtige Zusatzbiotope geworden und sichern vielen kleinen und größeren Tieren das Überleben. Dabei ist die Art der Gewächse für die ökologische Bedeutung unseres Gartens von größter Wichtigkeit. Im Folgenden wird öfter die Rede von "heimischen Pflanzen" sein, denen man den Vorzug geben sollte.

Vielleicht werden Sie denken: Aber die wachsen doch draußen in freier Natur, was sollen die dann auch noch in meinem Garten? Leider wird permanent Natur zerstört oder durch intensive Nutzung, verbunden mit dem Einsatz von Pestiziden, für die meisten Lebewesen wertlos. Immer mehr Tier- und Pflanzenarten sind dadurch vom Aussterben bedroht. Dieser Tendenz können wir entgegen wirken, indem wir unseren Garten in ein Stückchen Natur mit heimischen Arten verwandeln. Pflanzen stellen die Ernährungsgrundlage zahlreicher Insekten dar, die entweder Teile davon fressen, ihren Saft trinken oder ihre Blüten besuchen, um Nektar und Pollen zu sammeln. Diese Insekten wiederum dienen räuberisch lebenden Arten als Nahrung. Beide Gruppen sind lebenswichtig für zahlreiche Wirbeltiere wie Eidechsen, Vögel, Fledermäuse, Maulwürfe, Igel und Spitzmäuse, die sich vorrangig oder sogar ausschließlich von Insekten ernähren.

Dass heimische Pflanzen im Gegensatz zu fremdländischen für die hiesige Tierwelt extrem wichtig sind, zeigen die folgenden Beispiele: Über 30 Vogelarten fressen die Früchte des bei uns beheimateten Weißdorns (Crataegus spec.). Die Beeren des häufig angepflanzten, nah verwandten, aber aus Amerika stammenden Scharlach-Weißdorn (Crataegus pedicellata) finden dagegen nur zwei Vogelarten schmackhaft. Die Wacholderbeeren unseres Juniperus communis mögen sogar über 40 Vogelarten, während die Früchte des oft in Gärten verwendeten China-Wacholders (Juniperus chinensis) so gut wie keine Abnehmer finden.

Unsere Insekten mögen heimische Gewächse

Wenn Sie exotische Bäume und Sträucher einmal näher betrachten, werden Sie feststellen, dass kaum Fraßspuren zu sehen sind. Unsere Insekten sind auf heimische Gewächse „programmiert“. Teilweise geht die Spezialisierung sogar so weit, dass nur eine einzige Pflanzenart gefressen wird. Nehmen wir als Beispiel die Schmetterlinge. Die erwachsenen Falter saugen meistens Nektar, die süße Absonderung der Pflanzenblüten, wo immer sie ihn finden. Also auch bei Blüten fremdländischer Pflanzenarten. Anders verhält es sich bei den Schmetterlingsraupen. Diese benötigen einheimische Fraßpflanzen und sind häufig auf eine oder einige wenige Arten spezialisiert. Wenn wir den erwachsenen Falter in unserem Garten erleben möchten, müssen wir also seiner Raupe die entsprechende Futterpflanze zur Verfügung stellen. Rund 50 unserer heimischen Schmetterlingsarten nutzen die Brennnessel als Raupen-Fraßpflanze. Typische „Brennnessel- Schmetterlinge“ sind beispielsweise Tagpfauenauge, Landkärtchen und Kleiner Fuchs. Ihre Raupen ernähren sich ausschließlich von Brennnesseln (Urtica dioica), die Sie zumindest in einem kleinen Eckchen im Garten wachsen lassen sollten.

Auch züchterisch veränderte Pflanzen sind genauso wie Exoten wenig attraktiv für blütenbesuchende Insekten

Nicht nur Exoten, sondern auch züchterisch veränderte Pflanzen sind in der Regel für blütenbesuchende Insekten wenig attraktiv, da diese aus optischen Gesichtspunkten erfolgte Zucht immer auf Kosten des Nektar- und Pollengehaltes erfolgt. Bei gefüllten Blüten ist für Insekten dann gar nichts mehr zu holen, da diese entweder keinen Nektar und keinen Pollen mehr produzieren oder die Tiere nicht an das Innere der Blüten herankommen.