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Arbeiten in Krisenzeiten

von: Dr. Florian Brandes

Vermutlich sind auch Sie von den durch die Corona-Pandemie verursachten Einschränkungen in diesem Jahr mehr oder weniger stark betroffen! Im Gegensatz zu vielen Geschäften, die ihren Betrieb vorrübergehend komplett schließen mussten, ist das in einer Einrichtung, die lebende Tiere zu versorgen hat, natürlich nicht möglich.

HHier in der Wildtierstation haben wir zu Beginn der Corona-Maßnahmen versucht unsere Mitarbeiter zu schützen, indem wir auf einen Teil der Mitarbeiter, vor allem die Ehrenamtlichen und Teilnehmer des Freiwilligendienstes, verzichtet und sie vorrübergehend nach Hause geschickt haben. Auch unsere Umweltpädagogik haben wir zeitweise komplett eingestellt und keine betriebsfremden Personen auf unser Gelände gelassen. Das ging in den Monaten März und April ganz gut, denn in dieser Jahreszeit bekommen wir noch nicht so viele Findlinge am Tag. Im Mai hatte sich die Situation mit Beginn der Jungtierzeit aber schlagartig geändert. Bis zu 30 Neuzugänge am Tag sind nicht ungewöhnlich, und bis heute haben wir über 1.600 Pfleglinge aufgenommen (Stand 07.07.2020). Deswegen brauchen wir jetzt auch alle Mitarbeiter und arbeiten in mehreren Schichten von 6:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr abends, um alle Tiere ausreichend versorgen zu können.

Glücklicherweise ist bislang keiner unserer Mitarbeiter von einer Infektion mit dem Corona-Virus betroffen. Wie wir die Pflege der vorhandenen Tiere sicherstellen können, wenn einer oder mehrere Mitarbeiter aus der Tierpflege unter Quarantäne gestellt werden müssten, ist ungewiss... Leider sind bei uns inzwischen aber auch die finanziellen Einbußen spürbar, die durch fehlende Spenden von Tierfindern und Besuchern entstehen. Auch unser beliebtes Sommerfest und andere Veranstaltungen konnten in diesem Jahr nicht stattfinden.

Positive Entwicklung der Storchenpopulation

Die seit Jahren andauernde positive Bestandsentwicklung der Storchenpopulation in Niedersachsen schlägt sich auch in der Zahl der Weißstörche nieder, die in der Wildtierstation zur Pflege aufgenommen werden. Während in früheren Jahren nur einzelne verletzte Weißstörche oder aus dem Nest gefallene oder geborgene Jungstörche bei uns eingeliefert wurden, waren es im Jahr 2019 insgesamt 13 Störche und in diesem Jahr bis Ende Juni bereits 15 Störche.

Besonders ans Herz gewachsen sind uns zwei Jungstörche, die noch im Ei zu uns gekommen sind. Da eines der Elterntiere verstorben war, hätte der verbliebene Altvogel keine Chance gehabt, die Küken gleichzeitig zu hudern und Futter für sie zu suchen. Die zuständigen Storchenbetreuer haben die Eier deswegen geborgen und uns am 21.05.2020 in die Wildtierstation gebracht. Zuerst räumten wir den ungeborenen Störchen wenige Chancen ein, da wir nicht wussten, ob die Eier durchgängig bebrütet waren und auch der Schlupftermin nicht bekannt war. Trotzdem haben wir sie in eine unserer Brutmaschinen eingelegt, und tatsächlich war am 29.05.2020 ein Ei angepickt, und am 30.05.2020 hat das erste Storchenküken das Licht der Brutmaschine erblickt. Das jüngere Geschwister schlüpfte zwei Tage später am 01.06.2020. Die Kleinen entwickelten sich sehr gut und machten ihre ersten Stehversuche. Dank guter Fürsorge unserer Mitarbeiter waren sie bis zum August fit für den Abzug in das Winterquartier. Vorher konnten sie gemeinsam mit unseren anderen Jungstörchen die umliegenden Wiesen nach Mäusen und Insekten absuchen. Immer sicher, dass sie bei uns in der Wildtierstation noch eine extra Portion Futter bekommen, solange sie noch nicht voll selbstständig sind.

Schlangen im Wald ausgesetzt

Am Dienstag, den 14.07. hat ein Unbekannter zwei Kornnattern im Wald in der Nähe der Wildtierstation ausgesetzt. Kurz vorher hatte ein junger Mann versucht zwei Kornnattern in der Station abzugeben. Da wir aber bereits 23 Kornnattern in Pflege haben, konnten wir die Tiere nicht annehmen. Kurze Zeit später informierte uns ein Spaziergänger darüber, dass er in der Nähe des Stationsgeländes auf einem Forstweg eine ihm unbekannte Schlange gesehen und fotografiert hat. Stationsleiter Dr. Florian Brandes konnte an dem Ort Terrarien- Einstreu mit Resten von Schlangenhaut und Schlangenkot finden. Die gemeinsame Suche nach der Schlange blieb leider erfolglos. Ganz offensichtlich hat der junge Mann seine Schlangen kurzerhand im Wald „entsorgt“. Ein völlig verantwortungsloses Verhalten, das uns schockiert und ärgert! Wenn man sich Tiere, egal welcher Art, anschafft, muss man sich vorher darüber im Klaren sein, wie alt diese werden können. Für den Fall, dass man sie abgeben muss, trägt man auch die Verantwortung, die Tiere in gute Hände zu übergeben.

Gelungene Integration von Berberaffe Cloe

Wie Anfang des Jahres berichtet, haben wir Ende 2019 einen kleinen Berberaffen aufgenommen, der von den Behörden aus einer illegalen Privathaltung befreit wurde. Gerade noch rechtzeitig, um eine langfristige Schädigung der kleinen Affendame durch Fehlprägung und Mangelernährung zu verhindern. In dem halben Jahr, das Cloe bei uns verbracht hat, hatte sie glücklicherweise schon sozialen Kontakt zu „Sarah“, einem älteren weiblichen Rhesusaffen. Ziel war aber von Anfang an, Cloe wieder in eine Gruppe mit Artgenossen zu integrieren. Dazu musste aber erst einmal eine im Aufbau befindliche Gruppe Berberaffen gefunden werden. Dies ist uns nun im Tierpark Neumünster gelungen, der Cloe im Juni übernommen hat. Die Integration dort ist gelungen, und Cloe hat eine arteigene Adoptivmutter gefunden. Wir wünschen Cloe, die trotz ihres jugendlichen Alters schon einiges mitmachen musste, nun ein glückliches Affenleben!