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Ist vegan die Lösung?

von: Jan Peifer

Zur Zahl der Veganer (und Vegetarier) in Deutschland finden sich unterschiedliche Angaben. Eine Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab, dass sich rund 6 Millionen Menschen in Deutschland als Vegetarier bezeichnen, also kein Fleisch zu sich nehmen. Vegetarier-Organisationen nennen höhere Zahlen von bis zu 8 Millionen Menschen. Die Zahl der Veganer bewegt sich je nach Quelle zwischen 900.000 und 1,3 Millionen Menschen. Diese Menschen nehmen überhaupt keine tierischen Produkte zu sich, also kein Fleisch und Fisch, aber auch keine Eier, Milch und Käse. Auch kaufen sie keine Leder- oder Daunenprodukte.

Sicher ist, dass die Zahlen seit Jahren steigen. Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch und Fisch oder sogar gänzlich auf tierische Produkte. Die Gründe für eine Ernährungsumstellung sind vielfältig. Viele Menschen möchten nicht, dass ihretwegen Tieren Schaden zugefügt wird oder Tiere sterben müssen.

Mit einer rein vegetarischen Ernährungsweise wäre die Menschheit in der Lage, fast 12 Milliarden Erdenbewohner zu versorgen und vor Hunger zu schützen.

Stattdessen aber verbraucht die Produktion eines Kilogramms Fleisch bis zu 20 Kilogramm Pflanzenmasse und Tausende Liter Wasser, die an anderer Stelle fehlen. Dieser Ressourcenverschwendung sind durch die natürliche Verfügbarkeit Grenzen gesetzt, und doch gibt es heute annähernd so viele übergewichtige wie hungernde Menschen. Auch die eigene Gesundheit ist für viele ein Grund, auf tierische Produkte zu verzichten. Schon lange ist bekannt, dass zu viel Fleisch und tierische Produkte ungesund sind. Rotes Fleisch und Wurst wurden von der WHO gar als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

Gesundheitliche Aspekte, ausgewogene Ernährung

Nicht nur wer aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichtet, macht sich Gedanken um seine Ernährung. Und das ist auch gut so und eine wichtige Voraussetzung für eine ausgewogene, gesunde pflanzliche Ernährungsweise. Nahezu alle vom Körper verwertbaren Bestandteile in Nahrung tierischen Ursprungs finden sich auch in pflanzlicher Form, teilweise sogar um ein Vielfaches höher dosiert.

So bringen Erdnüsse etwa mehr Proteine auf den Teller als ein Steak, haben aber genauso viele Kalorien. Wertvolle Eiweiße liefern außerdem zum Beispiel Kürbiskerne, Erbsen, Bohnen, Linsen, Haferflocken oder Quinoa. Besonders gut können sie vom Körper aufgenommen werden, wenn Hülsenfrüchte mit Getreide kombiniert werden. Wenn dann noch ein Glas Orangensaft (oder ein anderer Vitaminlieferant) dazu getrunken wird, kann auch das enthaltene Eisen vom Körper gut aufgeschlossen werden – ein perfekter Energielieferant. Orangen liefern außerdem wichtiges Kalzium. Weitere gute Quellen für diesen wichtigen Mineralstoff sind Brokkoli, Grünkohl, Datteln oder Süßkartoffeln.

Für eine gute und ausgewogene pflanzliche Ernährung spielen außerdem Öle eine herausragende Rolle. Besonders Leinöl, aber auch Öle aus Walnuss, Raps, Hanf oder Oliven sind zuverlässige Lieferanten der ungesättigten Fettsäure Omega 3. Den empfohlenen Bedarf der Deutschen Gesellschaft für Ernährung deckt schon ein Esslöffel Leinsamen täglich. Wertvolle Fette stecken darüber hinaus auch in Nüssen. Experten empfehlen nicht nur deshalb, täglich eine Handvoll Nüsse zu knabbern. Nüsse sind kleine Kraftpakete, voller Ballaststoffe, Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und Eiweiße. So machen sie außerdem lange satt und schützen vor Heißhunger-Attacken.

Der einzig kritische Nährstoff in der überwiegenden oder rein pflanzlichen Ernährung ist Vitamin B-12, welches eine wichtige Rolle in der Versorgung unseres zentralen Nervensystems spielt.

B-12 wird von Mikroorganismen gebildet, im Verdauungstrakt von Tieren und Menschen, aber auch im Erdreich. In sehr geringen Konzentrationen ist der Nährstoff daher auch z.B. in Pilzen enthalten. Vitamin B-12, was in unserem Darm gebildet wird, wird ungenutzt ausgeschieden. Daher muss der Nährstoff, der auch Cobalamin heißt, ersetzt werden. Aus diesem Grund sind viele pflanzliche Drinks wie Mandel- oder Sojamilch mit B-12 angereichert. Seit einiger Zeit gibt es auch mit Vitamin B-12 angereicherte Zahnpasta, außerdem zahlreiche Anbieter von B-12 in Tablettenform. Vegan in jedem Lebensalter? Wer sich ein wenig mit Inhaltsstoffen und ihren Wirkungen beschäftigt, kann von einer pflanzlichen Ernährung in jedem Lebensalter profitieren. Auch heute noch gibt es Vorbehalte gegen eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft, Stillzeit und vor allem auch gegen eine vegane Ernährung von Kleinkindern. Doch wird eine solche mittlerweile von der weltgrößten Ernährungsorganisation, der US-amerikanischen Academy of Nutrition and Dietetics, für alle Lebenssituationen vom Kleinkindbis zum Seniorenalter empfohlen, da sie – das nötige Wissen vorausgesetzt – gesünder und nachhaltiger ist, weniger Ressourcen verbraucht und weniger Umweltschäden verursacht. Vegane Alternativen Viele Anhänger pflanzlicher Ernährung freuen sich, wenn sie auf Aufschnitt, Burger oder Grillwurst nicht verzichten müssen. Der Umsatz mit veganen Ersatzprodukten steigt daher kontinuierlich an, heute findet man sie in fast jedem Supermarkt und Discounter. Im Jahr 2019 betrug der Umsatz mit als vegan oder vegetarisch deklarierten Produkten in Deutschland rund 1,2 Milliarden Euro. Auch große Anbieter von Fleisch- und Wurstwaren haben diesen Trend längst erkannt und pflanzliche Alternativen in ihr Angebot aufgenommen. Teilweise ist der Anteil fleischfreier Produkte bereits verkaufsstärker als das eigentliche Kernsortiment. Weltweit wird bis 2040 ein Umsatz mit veganen Fleischalternativen in Höhe von 450 Milliarden US-Dollar prognostiziert.

Alternativen zu Fleisch und Käse lassen sich jedoch auch einfach selbst herstellen bzw. leicht austauschen. Avocado oder Banane etwa übernehmen oft die Bindefähigkeit von Eiern und liefern die Cremigkeit von Sahne in Nachtischen, Cremes oder Pasten. Veganer Käse kann leicht aus Cashewnüssen und Pflanzenmilch selbst hergestellt werden. Und aus Weizeneiweiß entsteht in der heimischen Küche Seitan, der aufgrund seiner fleischähnlichen Konsistenz beispielsweise gebraten, geräuchert oder gegrillt werden kann (und im asiatischen Raum übrigens eine sehr lange Tradition hat).

Noch mehr Alternativen

Ein wichtiges Thema für viele Veganer ist auch die Bekleidung. Denn wer aus ethischen Gründen keine Tiere isst, der möchte sie auch nicht als Lederschuhe oder Daunenjacke tragen. Gerade Leder und Daunen sind meist leicht zu erkennen, allerdings fehlt häufig der Hinweis auf „nichttextile Bestandteile tierischen Ursprungs“ auf den Etiketten und Auszeichnungen in den Geschäften. Leder ist in der Mode- und Textilindustrie beliebt, denn es ist äußerst vielseitig, langlebig und robust, gleichzeitig angenehm weich und hautfreundlich. Doch gibt es auch hier viele spannende Entwicklungen und Alternativen. Eben diese Eigenschaften konnten Entwickler mittlerweile mit Geweben aus Pflanzenfasern erzielen. Zu den vielversprechendsten Rohstoffen für veganes Leder gehören bisher Fasern aus Hanf, Kork, Ananas oder Pilzen. Aus diesen lassen sich pflanzliche Pendants zu tierischem Leder herstellen, die über nahezu die gleichen Eigenschaften verfügen, ganz ohne Tierleid. Ob Schuhe, Bekleidung oder Autoausstattung und Möbel – nicht nur Veganer sehen für diese Produkte eine große Zukunft voraus.

Vegane Vorbilder

Wer sich für eine pflanzliche Lebensweise entscheidet, befindet sich in guter Gesellschaft. Jeden Tag entscheiden sich geschätzt 2000 Menschen für eine vegetarische, 200 für eine vegane Ernährung. Auch Stars und Sternchen aus allen Bereichen gehen mit gutem Beispiel voran. Vegane Berühmtheiten sind Sportler wie die Tennis-Schwestern Serena und Venus Williams, Boxlegende Mike Tyson, Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, die Schauspieler Alicia Silverstone, Joaquin Phoenix, Johnny Depp und Natalie Portman, die Musiker Alanis Morissette und Moby sowie zahlreiche weitere.

Fazit

Es gibt viele Beweggründe, den Weg einer pflanzlichen Ernährung und Lebensweise einzuschlagen. Ob es ethische, gesundheitliche oder auch ganz andere Gründe sind, ist am Ende gleich. Der Entschluss setzt eine sehr gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema voraus. Ein bewusster Umgang insbesondere mit Nähr- und Inhaltsstoffen ist wichtig, denn eine pflanzliche Ernährung sollte sich keinesfalls nur über Weglassen von Nahrung tierischen Ursprungs verstehen, sondern vielmehr ein Neuentdecken schon bekannter und auch unbekannter Elemente sein. Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema gehören daher unbedingt auch Austausch und ganz viel Neugier.