Logo Aktion-Tier

Dampf ablassen...

von: Tierschutzverein Mayen e.V.

Kennt ihr das, wenn man einfach mal Dampf ablassen muss? Wenn man seinen Frust richtig laut rausschreien möchte?

Heute überkam mich dieses Gefühl, als ich mit Laylo spazieren ging. Wir verbrachten die Mittagspause zusammen, weit oben auf den Feldern oberhalb des Tierheims. Vor uns fiel eine Eichel vom Baum auf den Boden und Laylo wäre mir am liebsten auf den Arm gesprungen, so sehr erschrak er vor dem plötzlichen Runterfallen dieses kleinen, ungefährlichen Dings. Warum ich das schreibe? Weil mir dieser Hund unglaublich leid tut und mir in diesem kurzen Moment die ganze Geschichte seiner Abgabe wieder hochkam.

28.12.2019

Da standen sie nun Mann, Frau, Tochter und Laylo. Laylo fletschte mich an. Wäre ich auch nur ein Stückchen weiter auf ihn zugegangen, so hätte er mich am liebsten zerfleischt.

Laylos ehemalige Besitzer haben wirklich alles falsch gemacht, nein, ich sage es mit mehr Nachdruck - sie haben versagt und das auf ganzer Linie. Sie nahmen den jungen, hübschen Rüden von einer rumänischen Tierschutzorga bei sich auf, in der Hoffnung, dass aus ihm mal ein vorzeigbarer Familienhund wird. Auf der Couch rumlümmelt, jeden Besucher freudig begrüßt, sich Leckerchen erschleicht, perfekt Auto fährt und einfach rundum ein unkomplizierter Hund ist. Doch es kam alles ganz anders...

Laylo kam in die Familie und zu Beginn war alles noch ganz wunderbar. Laylo war ja noch ein junger Hund, man freute sich auf ihn, auf die gemeinsamen Spaziergänge, man hatte noch richtig Lust, sich mit Laylo zu beschäftigen. Doch schleichend veränderte sich Laylo. Es war doch nicht so einfach, einen Hund zu übernehmen und zu glauben, dass alles gut wird. Der junge Rüde wurde in seiner Unsicherheit so bestärkt, dass er irgendwann zubiss, wenn er nicht mehr weiter wusste. Und das immer öfter. Statt sich Hilfe zu holen, wurden immer wieder die selben Fehler gemacht. Man dachte in seiner Naivität, dass man es wohl alleine schaffen würde oder dass die Zeit Heilung bringt, doch das Gegenteil war der Fall. Laylo wurde ein verkorkster Hund. Ja er ist ein verhaltensauffälliger Hund, weil die Menschen versagten.

Und am 28.12.2019 stand die gesamte Familie samt Hund vor unserem Büro. Man wolle ihn nicht mehr. Man zeigte mir die blauen Flecken, die von seinen Attacken herrührten. Man würde ihn sonst am Tor anbinden, sagte der Mann zu mir. Laylo merkte die Aggressivität in der Stimme des Mannes und flippte förmlich aus an der Leine. Und ich sah einen verzweifelten, um Hilfe schreienden Hund, der mir all das an Verhalten zeigte, was man nur mit ganz viel Unkenntnis erreichen konnte.

Die Tierschutzorganisation, die Laylo nach Deutschland brachte, konnte ihn nicht mehr zurücknehmen. Trotz intensiver Telefonate vor den Augen der Familie, war Laylo ab sofort heimatlos. Keiner fühlte sich mehr für ihn verantwortlich, auch nicht die, die ihm einst helfen wollten.

Und in diesem Moment zählt für uns nur das Tier. Uns ist egal, welche Worte wir an den Kopf geschmissen bekommen, uns ist egal, mit was man droht. Vor uns stand Laylo und Laylo sollte weder am Tor irgendeines Zaunes angebunden werden, noch per eBay verscherbelt oder auf andere Weise „entsorgt“ werden.

Da sich Laylo überhaupt nicht anfassen ließ, mussten ihn seine Besitzer selbst in den Zwinger bringen, unter meiner Anleitung. Tränen überströmt leinten sie ihn ab und ließen ihn zurück. Und Laylo war verloren. Glaubt mir. Laylo verlor das letzte Stückchen Sicherheit, was er noch hatte. Seine FAMILIE. Im Stich gelassen und wohl wissend, dass es für Laylo sehr, sehr schwer werden wird, überhaupt mit dem Alltag im Tierheim klarzukommen.

Und jetzt sehe ich diesen Hund, wie er mich anstrahlt. Wir sind zu einem guten Team geworden und er hat gelernt, den Menschen zu vertrauen, die ihm Gutes wollen. Zum Glück haben sich drei Menschen gefunden, die ihn ausführen können, die sich langsam an ihn rangetastet haben und seine „Macken“ kennen und wissen, wie sie in diesen Momenten mit ihm umgehen müssen.

Doch ich sehe auch den Laylo, der wahrscheinlich nie wieder unser Tierheim verlassen wird. Nie wieder Teil einer Familie sein kann. Nie wieder das erleben darf, was er hätte erleben sollen, wenn man sich frühzeitig Hilfe geholt hätte. Doch dafür ist es nun zu spät. Die Familie wollte nichts mehr versuchen, sie wollten ihn einfach nur noch loswerden. Und das mit Erfolg.

Für ihn wird es sehr schwierig werden, diesen einen Zweibeiner zu finden, der es sich zutraut, all das mit ihm aufzuarbeiten, was bisher versäumt und in negativer Weise noch verstärkt wurde.

Laylo - glaub mir, wir Tierheimmenschen werden alles dafür tun, dass es dir an nichts fehlen wird. Wir alle werden für dich kämpfen, nicht doch noch den Menschen zu finden, der auf dich wartet, auf den DU wartest. Du hast dich gut entwickelt, doch deine Unsicherheit blockiert dich weiterhin. Menschen an dich ranzulassen, die dich kennenlernen möchten, fällt dir immer noch schwer.

Wer Laylo kennenlernen und ihm in ernster Weise ein Zuhause bieten möchte, der muss viel Zeit investieren und Geduld mitbringen. Laylos Vertrauen muss erarbeitet werden. ER gibt die Zeit vor, nicht WIR und nicht DIESER EINE MENSCH, der diesen Hilferuf vielleicht, aber nur vielleicht lesen mag.

Wer mehr über Laylo erfahren möchte und „ernsthaftes“ Interesse hat, der kann sich gerne telefonisch bei uns melden.

Ansprechpartner & Kontakt

Tierschutzverein Mayen und Umgebung e.V.
Tel. 02651 77438 (außerhalb der Sprechzeiten bitte auf den AB sprechen, er wird regelmäßig abgehört)
Postadresse: Tierschutzverein Mayen und Umgebung e.V., Postfach 2010, 56710 Mayen

[mehr]
Galgo
Foto: © aktion tier e.V.

Straßenhund – Problematik im Ausland

Der Import von ausländischen Hunden birgt viele Gefahren für die betroffenen Vierbeiner. Über die grundsätzliche Sinnhaftigkeit, angesichts unserer chronisch überfüllten deutschen Tierheime, Massen von Hunden aus dem Ausland einzuführen, kann man streiten...

[mehr]