Logo Aktion-Tier

Gefiederte Obdachlose in Not Stadttauben in Zeiten von Corona

Die notwendigen coronabedingten Einschränkungen wirken sich nicht nur auf unser Leben, sondern auch auf das der Stadttauben aus.

Es finden keine Straßen- und Volksfeste mehr statt, und Restaurants, Kantinen oder Imbissbuden konnten zwischen dem ersten und zweiten Lockdown zwar wieder öffnen, jedoch mit weitaus geringerer Gäste-Auslastung. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen zu Hause essen, da sie entweder im Homeoffice arbeiten oder aus Angst vor Ansteckung auf das Brötchen vom Bäcker oder den Döner vom Imbiss verzichten.

In der Konsequenz gibt es einfach weniger Abfall auf unseren Straßen und Plätzen, von dem sich die Tauben vorrangig ernähren. Denn ein paar Brotkrümel, weggeworfene Pommes, ein Stückchen Wurst oder heruntergefallenes Kaffeegebäck sind für die Vögel notgedrungen Grundnahrungsmittel.

In einer Zeit wie dieser sind Stadttauben mehr denn je auf unsere Hilfe angewiesen. Nur zu füttern, vielleicht sogar noch mit schädlichem Brot, ist jedoch wenig hilfreich. Die lokalen Taubenfreunde haben alle Mühe, regelmäßig große Mengen an artgerechtem Körnerfutter und auch sauberes Trinkwasser an die Futterstellen zu schaffen, wo sich immer mehr Vögel einfinden, weil sie anderswo vergeblich nach Nahrung suchen. An diesen betreuten Plätzen werden meistens auch verletzte Tiere eingefangen, zum Tierarzt gebracht und gesund gepflegt. Sehr häufig sind Verschnürungen an den Füßen zum Beispiel durch herumliegende Schnüre und Fäden. Aber auch das kostet Geld. Wenn die Brutplätze bekannt sind, werden auch die Eier durch Kunsteier ausgetauscht. Denn nur die Kombination aus Füttern, Geburtenkontrolle und Gesundheitspflege ergibt ein sinnvolles Taubenmanagement.

Daher empfehlen wir, Fütterer direkt anzusprechen und Hilfe anzubieten. Sehr sinnvoll ist auch, lokale Taubenprojekte mit einer Geld- oder Futterspende zu unterstützen oder ein ehrenamtliches Engagement in einem betreuten Taubenschlag.

Mit Fakten gegen Vorurteile

Tauben verteilen sich nicht gleichmäßig auf ein Stadtgebiet, sondern leben dort, wo Nahrung und Brut- beziehungsweise Ruheplätze vorhanden sind. Da es von allem wenig gibt, konzentrieren sich die Bestände genau dort, sodass der Eindruck entsteht, die Vögel seien eine regelrechte Plage. Tatsächlich gibt es in unseren Städten jedoch immer weniger Tauben.

Beispiel Berlin: Hier wurde in den letzten Jahren eine deutliche Bestandsabnahme von bis zu 40% festgestellt. Gemäß der von Experten in 2018 geschätzten ca. 10.000 Vögel kommt nicht einmal eine einzige Taube auf jeweils 346 Einwohner. Zum Vergleich: Im Stadtzentrum von Venedig kamen im Jahr 2012 auf 346 Menschen über 500 Tauben.

Vor allem kommerzielle Schädlingsbekämpfer mit einem entsprechenden finanziellen Interesse behaupten hartnäckig, dass Stadttauben uns Menschen krankmachen würden. Namhafte Institutionen wie das Robert Koch-Institut, das Bundesinstitut für Risikobewertung sowie der ehemalige Präsident des Bundesgesundheitsamtes, Prof. Dr. Dieter Großklaus, haben dagegen klar festgestellt, dass eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben nicht größer ist als beispielsweise die durch Haustiere wie Hunde und Katzen. Außerdem sind die vorrangig bei unterernährten Stadttauben vorkommenden Erreger und Parasiten zum größten Teil tauben- oder vogelspezifisch und für den Menschen daher völlig harmlos. Da wir keinen engeren Kontakt mit Stadttauben haben, ist die Gefahr einer Ansteckung zu vernachlässigen.

Die Hinterlassenschaften der Stadttauben verunreinigen Plätze und Straßen, Bauwerke und Denkmäler. Das ist unästhetisch und unhygienisch, aber für die Bausubstanz unschädlich!

Das hat in 2004 die TU Darmstadt im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie festgestellt. Darin wurde der Einfluss von Taubenkot auf verschiedene Baustoffe wie Ziegel, Metall und Beton untersucht. Bei keinem der beprobten Materialien führten die Exkremente zu einer Veränderung der Oberfläche. Die unvermeidbare Verschmutzung konnte immer mechanisch beseitigt werden.

Flyer – Stadttauben – gefiederte Obdachlose“