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Bestände sollen sich erholen Drei Millionen Aale in der Havel ausgesetzt

von: Alexandra Pfitzmann

Ende März 2021 setzten Fischer rund drei Millionen Aale in den Berliner Gewässern aus, wie der Landesfischereiverband Berlin/Brandenburg mitteilte. In insgesamt 233 Styroporkisten kamen die durchsichtigen Jungfische, gefangen an der französischen Atlantikküste, mit dem Lkw an und wurden an Erwerbsfischer übergeben, die diese in die Havel und deren Nebengewässer entließen. Als Teil eines Pilotprojekts dient die Aktion der Erholung der europäischen Aalbestände. Denn Jungtiere können die vielen Schleusen und Wehre aus eigener Kraft nicht überwinden oder überleben dies nicht.

Der Aal legt im Laufe seines Lebens zwischen der Karibik (Sargasso See nahe dem Bermudadreieck) und Europa ca. 5000 km zurück. Seine Laichgründe befinden sich nördlich der Antillen, Haiti und Puerto Rico. Frisch geschlüpfte Larven treten als sogenannte „Weidenblattlarven“ ihren Weg nach Europa an. Hierbei folgen sie dem Golfstrom und wandeln sich vor den Küsten von Aallarven zu Glasaalen um. Erst als Glasaal steigen sie in die verschiedenen Flüsse auf. Meist im September tauchen sie in Frankreich und in England auf, an der Nordsee im Februar und in der Ostsee im Mai. Für ihre „Überfahrt“ benötigen die Aale 1,5-2 Jahre.

Den Großteil der Kosten für diese Aktion tragen die EU und das Land Brandenburg, aber rund ein Fünftel wird auch von Fischern und Anglern getragen. Landesweit sind ca. 80 Fischereibetriebe sowie der Landesanglerverband Brandenburg an diesem Projekt beteiligt. Traurig stimmt, dass diese Aktion auch nötig ist, weil Aal noch immer sehr gerne konsumiert wird. Da macht sich so ein kleines Tier auf diesen weiten Weg, um dann irgendwann vielleicht in einem Fischbrötchen oder in einer Suppe zu landen ... Dennoch ist diese Hilfsaktion zu begrüßen und wichtig für den grundsätzlichen Fortbestand dieser bewundernswerten Tiere.

Seit 1998 steht der Aal auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Es ist bislang noch nicht gelungen, Aale in Gefangenschaft zu züchten. Für die Aquakultur (die Aufzucht mit Besatzfischen) und für Besatzzwecke in Flüssen werden sogenannte „Glasaale“ (junge Aale) teuer gehandelt – bis zu 1000 EUR werden für ein Kilo Jungaale mit einer Größe von je 15 Zentimetern bezahlt. Das heißt, für eine Zucht sind immer Wildfänge erforderlich. Pro Jahr wurden zwischen 1995 und 2005 rund eine halbe Milliarde Glasaale nach Asien ausgeführt, die hier zum Verzehr besonders beliebt sind. Die Produktionsmenge des Europäischen Aals, die hauptsächlich in den Niederlanden, Dänemark und in Italien erzeugt wird, liegt bei gut 10.000 Tonnen pro Jahr. Der übermäßige Fang erwachsener Tiere hat mit dazu beigetragen, dass die gesamte Aalpopulation drastisch zurückgegangen ist. Gleichzeitig werden Gewässer zunehmend verbaut, so dass eine Wanderung erschwert wird. Auch biologische Feinde wie etwa der Schwimmblasenwurm, ein aus dem asiatischen Raum eingeschleppter Parasit, oder das Herpesvirus setzen dem Aal zu.

Leider ist der Aal zum Verzehr noch immer sehr beliebt und gilt als wertvoller Lieferant der Omega-3-Fettsäuren. Wer aber auf seine Gesundheit achten will, sollte vor allem auf Fisch aus großen niederländischen Flüssen verzichten. Denn eine Studie der niederländischen Lebensmittel- und Warenaufsichtsbehörde ergab, dass Aale viel zu viele Dioxine und PCBs enthalten, so dass es zu Beeinträchtigungen des Immunsystems und Gehirnleistungen führen kann.