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30 Eichhörnchen in NotAnimal Hoarding Fall Brandenburg

Grauhörnchen
Ein „Liebhaber“ fremdländischer Hörnchenarten hatte es in einem kleinen Dorf in Brandenburg auf die stattliche Anzahl von 30 Tieren gebracht. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Unhygienische Zustände in den Eichhörnchenvolieren. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Stark abgemagertes Grauhörnchen
Stark abgemagertes Grauhörnchen. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Verdreckte Volieren und leere Futterschalen
Verdreckte Volieren und leere Futterschalen. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Kleine, aneinandergereihte Gehege. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Totes, mumifiziertes Eichhörnchen.
Totes, mumifiziertes Eichhörnchen. Foto: aktion tier e.V./Bauer © aktion tier, Ursula Bauer
Auch ein Pärchen Prevost-Hörnchen wurde vorgefunden. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Sibirische Unterart unseres Europäischen Eichhörnchens
Sibirische Unterart unseres Europäischen Eichhörnchens, hier ein Tier mit starkem Parasitenbefall. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Tanya Lenn kontrolliert die Unterschlüfe. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Tanya Lenn ist schockiert über die schlechte Eichhörnchenhaltung
Tanya Lenn ist schockiert über die schlechte Eichhörnchenhaltung. Foto: aktion tier e.V./Bauer
 
 

Von Ursula Bauer, Okober 2014. An Fälle, in denen sogenannte Tiermessies zahllose Hunde und Katzen ansammeln, haben wir uns fast schon gewöhnt. Aber Eichhörnchen? Ein „Liebhaber“ fremdländischer Hörnchenarten hatte es in einem kleinen Dorf in Brandenburg auf die stattliche Anzahl von 30 Tieren gebracht. Ein Bericht von Ursula Bauer, aktion tier-Geschäftsstelle Berlin Die Eichhörnchen waren in überwiegend kleinen, aneinandergereihten Gehegen im Innenhof eines ehemaligen Bauernhauses untergebracht, in dem der Halter mit seiner Frau lebte. Als er im September dieses Jahres überraschend verstarb, stand die Witwe plötzlich allein mit den vielen Tieren da. Die Rentnerin hatte sich bisher nie an der Versorgung und Pflege der Eichhörnchen beteiligt und so riefen die angereisten erwachsenen Kinder bei unserer Eichhörnchenexpertin Tanja Lenn an. Die Tiere müssten umgehend weg, niemand wollte nach dem Tod des Besitzers die Verantwortung übernehmen. Wie immer bei derart ausufernden Tierhaltungen, die noch dazu von einer einzigen Person betrieben werden, kam es auch hier von heute auf morgen zu enormen Problemen.

Ich begleitete Frau Lenn bei einer ersten Bestandsaufnahme. Wir fanden 30 Eichhörnchen vor, die mehreren in Deutschland nicht heimischen Arten zuzuordnen sind. Da exotische Eichhörnchen oft sehr schwer zu bestimmen sind, manche Arten in diversen lokalen Unterarten vorkommen und sich verschiedene Arten teilweise bei gemeinsamer Haltung miteinander vermischen, konnten wir nur die vorgefundenen Grauhörnchen, Prevost- Hörnchen sowie eine sibirische Unterart unseres Europäischen Eichhörnchens sicher bestimmen. Bei den übrigen Tieren nehmen wir an, dass es sich um Fuchshörnchen, Hoffmanni-Costa-Rica-Hörnchen und Rotbauchhörnchen handelt. Obwohl die Haltung von Grauhörnchen in Deutschland seit 1999 verboten ist, war seitens der Artenschutzbehörde eine Genehmigung erteilt worden mit der Auflage, die vorhandenen Tiere zu kastrieren. Eine Kontrolle fand jedoch nie statt, so dass der Halter ungehindert Grauhörnchen vermehren konnte.

Schnell wurde klar, dass die Tierhaltung schon seit geraumer Zeit und nicht erst in Zusammenhang mit dem Sterbefall aus dem Ruder gelaufen war. Die Böden der Gehege waren mit Kot und leeren Nussschalen übersät. Futter war in den meisten Volieren nicht vorhanden oder vollständig verschimmelt, so dass uns die ausgehungerten und teilweise stark abgemagerten Tiere die mitgebrachten Nüsse regelrecht aus den Händen rissen. Ein Eichhörnchen hatte ein unbehandeltes, eiterndes Abszess an der Wange, mehrere Tiere wiesen Geschwulste unter der Haut auf. Tanya Lenn untersuchte die Unterschlüpfe in den einzelnen Gehegen und zeigte mir anschließend ihre Hände und Arme, auf denen sich zahlreiche Flöhe tummelten. Folglich litten auch alle Eichhörnchen unter starkem Parasitenbefall. Unser schlimmster Fund: ein totes und inzwischen mumifiziertes Eichhörnchen in einem Nistkasten. Das Tier muss schon vor vielen Monaten gestorben sein.

Nachdem wir die Eichhörnchen erst einmal mit Wasser und Futter versorgt hatten, vereinbarten wir mit der Witwe, alle Tiere in drei Wochen abzuholen. Die Übernahme derart vieler Eichhörnchen erfordert eine gute Planung, da diese zum Teil nur paarweise in einem eigenen Gehege untergebracht werden können und nicht in großen Gruppen. Wir wollten entsprechend Gehege in mehreren Einrichtungen errichten, die auf Wildtiere spezialisiert sind. Eichhörnchen kann man schließlich aufgrund ihrer besonderen Ansprüche nicht in einem gängigen Tierheim unterbringen. Die Witwe des Tierhalters war einverstanden und Frau Lenn versprach, alle paar Tage vorbei zu kommen, um die Hörnchen vor Ort zu versorgen.

Bereits am nächsten verabredeten Versorgungsbesuch fiel Tanya dann aus allen Wolken. Hinter unserem Rücken hatte ein mit dem Halter befreundeter Eichhörnchenzüchter die meisten Tiere abgeholt. Zurückgeblieben waren lediglich die für den Züchter offensichtlich uninteressanten Grauhörnchen und die sibirischen Verwandten unseres europäischen Eichhörnchens. Diesem miesen Handel zugestimmt hatte der Sohn des Verstorbenen, der damit nicht nur seine Mutter und uns komplett übergangen, sondern auch nicht zum Wohle der Tiere gehandelt hat. Denn der kommerzielle Züchter betreibt eine Hörnchenzuchtanlage, wo er mehrere Arten hält, vermehrt und die Nachkommen verkauft, die dann in Privathaltungen leben müssen. Vor Ort drohte dieser Sohn dann außerdem noch Frau Lenn, dass er die übrigen Tiere erschlagen oder freilassen würde, wenn sie die Hörnchen nicht sofort mitnehmen würde. So packte unsere Eichhörnchenexpertin alle verbliebenen Eichhörnchen ein, die nun in ihrer Station in Teltow leben.