Logo Aktion-Tier

Animal Hoarding Fall Rittersdorf

Animal Hoarding Fall Rittersdorf
Zwei Esel in einem dunklen Verschlag. Foto: aktion tier e.V.
Der Zutritt Fremder auf dem Gelände ist nicht erwünscht. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Niemand hätte hier Tiere vermutet... Foto: aktion tier e.V./Bauer
Doch in diesem Chaos aus Schrott, baufälligen Hütten und Müll müssen Tiere leben. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Sie sind zum Teil in baufälligen Hütten und Verschlägen untergebracht. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Wir finden Ziegen... Foto: aktion tier e.V./Bauer
...Ponys... Foto: aktion tier e.V./Bauer
...und auch Hunde, alle unter tierschutzwidrigen Umständen gehalten! Foto: aktion tier e.V./Bauer
Dieser Ziegenbock lebt an der Kette. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Schädel eines toten Tieres.
Schädel eines toten Tieres auf dem Gelände. Foto: aktion tier e.V./Bauer
 
 

Von Ursula Bauer, April 2013. Das eingezäunte Grundstück liegt, umgeben von Feldern, isoliert in der Landschaft. Es wirkt schon aus der Ferne wie eine Mülldeponie, obwohl der Schnee im Winter alles mit einer weißen Decke überzogen hatte. Defekte Autos, alte Wohn- und Bauwagen, schrottreife Landmaschinen, ein großer Misthaufen, Gerätschaften und baufällige Hütten. Dazwischen Berge von Hausmüll, Sperrmüll, Bauschutt und alten Autoreifen. Man vermutet nicht, dass in diesem ganzen Chaos Tiere gehalten werden. Wir hören nur einen schwarzen Hund in einem kleinen Zwinger bellen. Sonst ist kein Laut zu hören. Erst durch intensive Recherche vor Ort können wir etwa 40 Tiere in diversen, wie selbst zusammengebastelt wirkenden Schuppen und Ställen entdecken. Struppige Ponys, Pferde, Esel, Schafe, Ziegen, Minischweine und ein Lama fristen in viel zu kleinen und mit Tierkot verschmutzten Boxen teilweise in völliger Dunkelheit ihr Dasein. Ihre Futterraufen sind leer, Trinkwasser ist nicht vorhanden oder jetzt im Winter zu Eis gefroren.

Einige Tiere weisen Wunden auf, mehrere Pferde und Ponys haben derart lange Hufe, dass sie nicht mehr richtig laufen können. In einem dunklen Stall finden wir einen Ziegenbock an einer nur 1 m langen Kette. In drei kleinen Ställen mit von Kot und Urin durchtränkter Einstreu sind Hühner, Enten und Gänse ohne Wasser und Nahrung eingesperrt. Ihr Gefieder ist verdreckt, die Schnäbel verklebt. Es ist davon auszugehen, dass lediglich die Vögel gelegentlich in ihre kleinen Ausläufe gelassen werden. Um das Gelände herum befinden sich keine Weideflächen, auf welche die übrigen Tiere gelassen werden könnten. Sie scheinen das ganze Jahr hindurch in ihren Boxen teilweise in Einzelhaft ohne Sozialkontakt leben zu müssen. Die insgesamt schlampige und lieblose Tierhaltung verstößt gegen diverse Tierschutzvorschriften und zeigt, dass die in Rittersdorf ansässigen Tierhalter nicht über die erforderliche Zuverlässigkeit und Sachkunde zur Haltung von Tieren verfügen. Der Ausdruck „Wie der Herr, so´s Gescherr“ trifft auch hier zu. Denn die Tierhaltung passt zum Zustand des gesamten Geländes. Wir haben es augenscheinlich mit Messies zu tun, die nicht nur Gegenstände und Müll, sondern auch Tiere sammeln. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die vielen Tiere überhaupt angeschafft wurden, zumal sie doch nur in ihren kleinen und überwiegend dunklen Ställen weggesperrt vor sich hinvegetieren, verdammt zu Bewegungslosigkeit und Langeweile. Ein landwirtschaftlicher Hintergrund scheint nicht vorhanden zu sein, zumal Ponys, Pferde, Esel, Lamas und Minischweine in der Regel nicht zur Gewinnung von Lebensmitteln gehalten werden. Also lieblose Liebhaberei?

Wir rufen das zuständige Veterinäramt, dem die Tierhaltung bereits bekannt ist. Mehrere Amtstierärzte führen vor Ort eine Kontrolle durch und verfügen, dass sofort gefüttert und getränkt wird. Im Grunde muss jedem Tier jederzeit ausreichend Wasser zur Verfügung stehen. Da es auf dem Gelände weder Strom noch Wasser gibt, muss das gesamte Trinkwasser für die Tiere mit einem kleinen Traktor aus dem Ort herangeschafft werden. Bei einem Wasserbedarf von täglich etwa 300 Litern müssten die Halter ständig mit den kleinen Wasserkanistern hin und her fahren, was äußerst unwahrscheinlich ist. Kein Wunder, dass wir bei keiner unserer Kontrollen gefüllte Trinkgefäße vorgefunden haben. Schließlich wird unserer Forderung nach sofortiger Wegnahme aller Tiere nicht nachgekommen. Die Behördenvertreter wollen den Tierhaltern „noch eine Chance geben“. Man hätte Auflagen erteilt und hoffe, dadurch die Zustände zu verbessern. Mitgefühl mit den Haltern statt Mitleid mit den Tieren. Wir haben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet und auch das Bau- und Umweltamt informiert. Vielleicht erweisen sich die vielen Ställe und Schuppen ja als illegal errichtet. Müssen diese wieder abgerissen werden hat sich automatisch auch die Tierhaltung erledigt. Inzwischen soll der Ziegenbock zumindest in einer eigenen Box leben und wird nicht mehr an der Kette gehalten. Auch der Zwingerhund soll angeblich mehrmals am Tag ausgeführt werden. Ein wenig Gutes macht jedoch das große Schlechte nicht besser.

Im April dieses Jahres sind wir erneut vor Ort. Der alles bedeckende Schnee ist inzwischen geschmolzen. Unser Interesse gilt dieses Mal den mit Abfall und Sperrmüll bedeckten Randbereichen des Messiegrundstücks. Nach kurzem Suchen finden wir, wie befürchtet, zahllose Tierknochen, Schaffelle sowie die Schädel von 3 Schafen und einem Pony. Wir sind uns sicher, dass intensivere Ausgrabungen noch weitere Tierskelette zu Tage bringen würden. Es ist anzunehmen, dass die in der Vergangenheit auf dem Grundstück gestorbenen Tiere wie Abfall einfach über den Zaun geworfen wurden, wo sie dann verwest sind. Woran die Schafe und das Pony gestorben sind, lässt sich anhand der Knochen nicht mehr feststellen. Wir vermuten infolge der mangelhaften Versorgungen und tierärztlichen Betreuung. Unsere grausigen Funde sind weitere Beweise für die desolate Haltung und den insgesamt rohen Umgang der Besitzer mit ihren Tieren. Staatsanwaltschaft und Veterinäramt wurden umgehend informiert und wir hoffen, hiermit einen weiteren Anstoß in Richtung Beschlagnahmung und Tierhalteverbot geliefert zu haben.