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Marietta P. wegen Tierquälerei zu einem Jahr Haft verurteilt

Marietta P. mit Vitzeroda-Tieren in Hessen. Sie behauptete, dass ihr die Tiere nicht gehören und dass sie diese auch nicht betreuen würde. Foto: Annett Wundrack
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2 Ziegen, 3 Ponys und 2 Pferde, die sich neben den Hunden und Katzen auf dem Gelände befanden, wurden damals nicht vom Amt beschlagnahmt. Foto: aktion tier e.V.
2 Ziegen, 3 Ponys und 2 Pferde, die sich neben den Hunden und Katzen auf dem Gelände befanden, wurden damals nicht vom Amt beschlagnahmt. Foto: aktion tier e.V.
Die Haltung der Vitzeroda-Tiere in Hessen ist nicht artgerecht. Foto: aktion tier e.V.
Die Vitzeroda-Pferde am 30.10.2013 in Hessen. Foto: aktion tier e.V.
Die selben Pferde am 10.11.2011 auf dem Kasernengelände bei Vitzeroda. Foto: aktion tier e.V.
 
 

Von Ursula Bauer, März 2014. Am 10. November 2011 hatte das Veterinäramt des Wartburgkreises auf unsere Anzeige hin alle Tiere, die sich im Kasernengebäude befanden, beschlagnahmt. Wir waren bei der Räumung dabei und hatten 65 Hunde sowie 6 Katzen übernommen. Wenn wir an diesem Tag nicht mit vor Ort gewesen wären und unsere Unterstützung angeboten hätten, wäre es nie zu einer Beschlagnahmung gekommen. Denn das Veterinäramt hatte weder Geld noch gab es im Landkreis genug Plätze in Tierheimen zur Unterbringung der Hunde. Der Anteil von aktion tier an der Beendigung dieses Animal Hoarding-Falles ist also enorm. Uns hat die Unterbringung und Versorgung der verfetteten, kranken und traumatisierten Hunde bisher rund 130.000 Euro gekosten. In unserem Tierheim in Meißen sitzen auch heute, 2 Jahre nach der Beschlagnahmung, noch 4 dieser Vitzeroda- Hunde, da sie immer noch nicht vermittelbar sind.

Marietta P. ist gelernte Versuchstierpflegerin. Sie hat in jungen Jahren beim Chemie- und Pharmaunternehmen Hoechst gelernt, Tiere zu versorgen, die eingesperrt in kleinen Käfigen darauf warten, dass giftige Chemikalien an ihnen getestet werden. Nach ihrer Ausbildung hat sie 2 Jahre lang Nutztiere versorgt, an denen Futtermittelversuche durchgeführt wurden. Danach war sie offenbar bis heute nie mehr erwerbstätig, sondern durchgängig Hartz-4-Empfängerin. Schon seit Mitte der 90er-Jahre ist Marietta P.

immer wieder durch ausufernde Tierhaltungen aufgefallen, die sie an häufig wechselnden Standorten vorrangig in Hessen und Thüringen betrieben hat. Es gab Probleme mit der Versorgung der vielen Tiere, die Gelände waren vermüllt, häufig gab es weder Strom noch Wasser. Immer ist sie bei Nacht und Nebel verschwunden, wenn die Wegnahme der Tiere drohte.

Nach der Räumung der Kaserne wurde Marietta P. ein generelles Tierhalte- und Betreuungsverbot durch das Veterinäramt des Wartburgkreises auferlegt. Die 2 Ziegen, 3 Ponys und 2 Pferde, die sich neben den Hunden und Katzen auf dem Gelände befanden, wurden damals nicht beschlagnahmt. Aber die Animal Hoarderin musste diese Tiere auf Anordnung des Amtes hin abgeben, was sie auch getan hat. Wir erstatteten nach der Beschlagnahmung eine umfangreiche Strafanzeige. Im Rahmen des im Oktober 2012 gestarteten Prozesses vor dem Amtsgericht Eisenach verlangte der Anwalt von Marietta P. angesichts der von uns vorgelegten erdrückenden Beweise schließlich ein psychiatrisches Gutachten. Er wollte erreichen, dass seine Mandantin für psychisch krank erklärt wird und somit nicht schuldfähig ist. Für uns war klar, dass es sich um einen taktischen Schachzug handelte. Anstatt für das, was sie angerichtet hat, die Verantwortung zu übernehmen, wollte Marietta P. nur möglichst ungeschoren davonkommen.

Neuer Wohnsitz in Hessen

Jetzt hieß es für uns erst einmal Geduld haben. Häufig erhielten wir Hinweise auf angebliche neue Wohnsitze der Tiersammlerin, die sich allerdings alle als falsch erwiesen. Im November 2013 kam dann ein wertvoller Hinweis einer Tierschützerin. Frau P. würde in einem kleinen Ort bei Bad Hersfeld in Hessen leben. Wir fuhren hin und stellten fest, dass die Animal Hoarderin zusammen mit ihrem neuen Lebensgefährten in einem Bauernhaus in der Ortsmitte lebt.

Die Tiere, die sich direkt am Haus in einem kleinen Auslauf befanden, kamen uns sehr bekannt vor. Es handelte sich um die gleichen 2 Ziegen, 3 Ponys und 2 Pferde, die Frau P. bereits auf dem Kasernengelände im Thüringischen Vitzeroda gehalten und offiziell abgegeben hatte. Wir stellen Marietta P. zur Rede. Sie behauptete, dass ihr die Tiere nicht gehören und dass sie diese auch nicht betreuen würde. Leider ist diese Methode bei Menschen mit Tierhalteverbot sehr beliebt. Offiziell gehören ihnen die Tiere nicht und es ist nur sehr schwer nachzuweisen, dass eine Betreuung stattfindet. Wir konnten jedoch im Ort mehrere Zeugen ausfindig machen, die Marietta P. beim Betreuen der Tiere gesehen haben und dies auch vor Gericht bezeugen würden. Gemäß unseren Recherchen handelt es sich bei der offiziellen Besitzerin der Tiere um eine Verwandte von Marietta P., die in der Nähe von Frankfurt am Main lebt.

Natürlich haben wir auch diese neuerlichen Informationen dem für den Prozess zuständigen Richter im Amtsgericht Eisenach übergeben. Der Strafprozess wurde Mitte November 2013 dann fortgesetzt. Zu unserer großen Erleichterung konnte der psychiatrische Gutachter keine Krankheit feststellen. Er betonte, dass Frau P. für ihr Tun voll verantwortlich ist. Sie hatte während der Verhandlung immer wieder behauptet, dass sie nicht NEIN sagen konnte, wenn ihr Tierschutzvereine oder Privatpersonen Hunde „aufs Auge“ gedrückt hätten. Der Gutachter stellte jedoch ausdrücklich fest, dass Frau P. sehr wohl in der Lage gewesen wäre, keine Hunde mehr aufzunehmen. Sie hätte ganz bewusst JA gesagt, immer mehr Tiere angehäuft und unter furchtbaren Zuständen in der Kaserne gehalten.

Am 22. November 2013 wurde Marietta P. dann schließlich wegen Tierquälerei in der ehemaligen Kaserne von Vitzeroda zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, die Bewährungsdauer beträgt 3 Jahre. Außerdem muss die 50-jährige Animal Hoarderin 200 Stunden gemeinnützige Tätigkeit ableisten. Zusätzlich wurde ihr ein generelles Tierhalteverbot für 5 Jahre auferlegt. Was für uns sehr wichtig ist: Das dauerhafte Tierhalte- und Betreuungsverbot des Veterinäramtes Wartburgkreis gilt auch weiterhin unabhängig von diesem Urteil.