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Honig in Massen

Wer an Honig denkt, denkt in der Regel eher nicht an Massentierhaltung. Bienen gelten als fleißige Arbeitstierchen, die über die Wiesen fliegen und Pflanzen bestäuben. Doch Bienen haben es nicht leicht. Monokulturen schränken ihren Lebensraum ein, Krankheiten und Insektengifte gefährden Bienen zunehmend. Da sie außerdem Honig für die eigene Nahrung produzieren, sind Wildbienen als Honiglieferanten im größeren Stil uninteressant – sie liefern schlicht zu wenig Honig. Daher werden Bienen in großen Völkern als Honigbienen gehalten, unter kontrollierten Bedingungen, eben wie in der bekannteren Massentierhaltung.

Verlockend oder? Kaum jemand weiß, dass der Honig der Biene als Nahrung dient.
Verlockend oder? Kaum jemand weiß, dass der Honig der Biene als Nahrung dient. Foto: Яковлева /Pixabay

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Honig in Deutschland liegt bei etwa einem Kilogramm pro Jahr. Die deutsche Honigindustrie kann diese große Nachfrage alleine längst nicht mehr stillen. Jährlich werden rund 80.000 Tonnen Honig importiert, vor allem aus Südamerika und Osteuropa, außerdem aus China. Das liegt vor allem daran, dass in der gesamten EU 97% der Imker Bienen im Nebenerwerb oder als Hobby halten. Schaut man auf die USA, wird der Vergleich mit der Massentierhaltung sehr schnell deutlich: Hier halten 5% der Imker 95% der Honigbienen. Sie werden vor allem zur Bestäubung von Mandelbäumen genutzt und in großen Trucks durch die weiten Plantagen gefahren.

Ein Bienenvolk besteht aus mehreren Zehntausend Bienen, darunter eine Königin, einige Hundert männlicher Drohnen und Tausende Arbeiterinnen. Die Königin erhält das Volk am Leben. Ihre einzige Aufgabe ist die Reproduktion. Bis zu 2.000 Eier kann sie täglich legen, in ihrem gesamten Leben mehrere Millionen. Die Lebenserwartung von Drohnen und Arbeiterinnen reicht von einigen Wochen bis zu sechs Monaten – eine Königin kann bis zu sechs Jahre alt werden. Während dieser Zeit wird sie von den Drohnen und Arbeiterinnen versorgt und beschützt. Sobald eine neue Königin zur Welt kommt, verlässt die alte Königin mit der Hälfte des Volkes das alte Zuhause und gründet einen neuen Stock an einem zuvor ausgekundschafteten Standort.

Die Königin ist als Zentrum des Volkes besonders wertvoll, darum wird sich um sie besonders „gekümmert“.

Um das Ausschwärmen, also das Trennen des Volkes zu verhindern, werden Königinnen mitunter die Flügel gestutzt. Auch wenn das nicht unbedingt schmerzhaft sein muss, wird doch das natürliche Verhalten brutal unterdrückt. Außerdem werden Königinnen gezielt getötet und ausgetauscht oder sogar künstlich befruchtet, um den Kreislauf und die gesamte Lebensdauer des Bienenvolkes unnatürlich zu beeinflussen und zu verlängern. Auch die eigentliche Honigernte ist ein großer Eingriff in das Leben der Bienen. Denn eigentlich produzieren sie Honig zur eigenen Versorgung. Zur Ernte werden die Tiere mit dem sogenannten „Smoker“ oder der Imkerpfeife, einem Raucherzeuger, eingeräuchert. Normalerweise bedeutet Rauch Gefahr durch aufziehendes Feuer – die Bienen beginnen deshalb, so viel Honig wie möglich aufzunehmen. Sie machen sich bereit, ihren Standort zu verlassen und gut gerüstet einen neuen Unterschlupf zu suchen. Diese Ablenkung nutzen Imker nun, um den Honig aus den Stöcken zu entnehmen und oftmals durch Zuckersirup für die Tiere zu ersetzen. Regelmäßig werden bei dieser Prozedur viele Tiere verletzt oder getötet. Angesichts der Größe der Völker wird das in Kauf genommen.

Der Honig ist die Nahrung der Bienen und ihrer Nachkommen, die ihnen weggenommen wird.

Sicher gehen nicht alle Imker rücksichtslos mit ihren Tieren um. Die Unterschiede insbesondere zwischen regionaler Produktion und der Produktion im ganz großen Stil im Ausland sind enorm. Doch gilt für alle Herkunftsorte und Produktionsweisen: Der Honig ist die Nahrung der Bienen und ihrer Nachkommen, die ihnen weggenommen wird. Dabei gibt es bereits zahlreiche Alternativen für süßen Genuss mit gutem Gewissen.

Mit dem sogenannten „Smoker“ oder der Imkerpfeife werden die Bienen eingeräuchert.
Mit dem sogenannten „Smoker“ oder der Imkerpfeife, einem Raucherzeuger, werden die Bienen eingeräuchert. Rauch bedeutet Gefahr, und Bienen beginnen so viel Honig wie möglich aufzunehmen und machen sich bereit, ihren Standort zu verlassen. Diese Zeit nutzt der Imker, um den Honig aus den Stöcken entnehmen. Foto: iStock, Space_Cat

Tipp’s zum alternativen Süßen

Mit Zuckerrüben- oder Ahornsirup, Agavendicksaft oder Löwenzahnhonig aus Löwenzahnblüten, Zitronensaft und Zucker findet jede und jeder und für jede Gelegenheit das passende rein pflanzliche Süßungsmittel als Brotaufstrich, zum Backen und Kochen oder zum Süßen von Getränken. Ausprobieren lohnt sich!

Jan Peifer