Papageienvögel | Wellensittiche

Wenn Papageien sich rupfen

Ein buntes Elend: Nervtötendes, anhaltendes Schreien dringt aus einem Kellerraum. Wie schön, dass dort wenigstens ein kleines Fenster etwas Licht in das „Verlies“ bringt. Denn nichts anderes ist dieser Ort für den kleinen Papageien, den man dort abgestellt hatte. Er ist kein Einzelfall. Gäbe es keine aufmerksamen Nachbarn, würden noch viel mehr dieser bedauernswerten Vögel einsam und alleine irgendwo ihr Leben fristen. Vielleicht findet sich eine mitleidige Seele und übernimmt diesen Vogel. Er wird dort ebenfalls seinen Frust herausschreien, denn der Mensch kann einen Vogelpartner nicht ersetzen. Dieser Papagei wird bald zu jenen Vögeln gehören, die in ihrem Leben mehr als fünfmal den Besitzer wechseln.

Papagei
Viele Papageien rupfen sich in Gefangenschaft alle erreichbaren Federn aus... Foto: IPO

Für Vögel, die sich selbst einen Partner wählen und diesem bedingungslos treu sind, bedeutet diese unnatürliche Vogelhaltung Frust ohne Ende. Auch für den Vogelhalter selbst, denn jener Papagei hatte nicht so „funktioniert“ wie man es von ihm erwartete. Er war nicht geneigt, Wörter nachzusprechen welche man ihm vorsagte. Vielleicht wird er sich zu einem Rupfer entwickeln, der sich nach und nach alle erreichbaren Federn ausreißt. Wenn diese Rupfer schließlich in kundige Hände gelangen, kann es dort sogar zwei Jahre dauern bis sie – wenn überhaupt – wieder alle Federn bekommen. Oft sind die Vögel fehlgeprägt. Sie küssen ihr Spiegelbild, würgen ihre halbverdauten Körner hoch zurück in den Schnabel und versuchen diesen Ersatzpartner zu füttern. Kommentar in einer Zoohandlung während einer Frage über Sittichhaltung: „Hängen Sie dem Wellensittich doch einen Spiegel rein oder ein Glöckchen, dann fühlt er sich nicht so alleine!“ Oft wird empfohlen, dem einsamen Elend ein Ende zu bereiten indem man dem Papagei einen Partner zugesellt. Fazit ist leider oft, dass künftig zwei Käfige nebeneinander stehen, denn die Vögel vertrugen sich nicht oder hatten sich einfach nichts zu sagen. Tristesse mal zwei.

Papageien vom kleinsten ihrer Art bis zum Ara suchen sich ihre Lebenspartner aus wie sie möchten und wählen nicht gerade jene, die man ihnen sozusagen vor den Schnabel setzt. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass eine Zusammenführung auch günstig ausgehen kann. Aber es braucht Geduld und viel Einfühlungsvermögen seitens der Vogelhalter. Vielleicht hatte sich ein Papagei bereits in der Zoohandlung einem Partner angeschlossen, dann sollte man dieses Paar nicht trennen. Die Einzelhaltung von Papageien ist widernatürlich und daher nicht artgerecht. Zur großen Familie der Papageien gehören auch die beliebten Wellen- und Nymphensittiche sowie andere Sitticharten. Leider werden viele dieser intelligenten Vögel abgegeben, weil sie nicht hielten, was man sich von ihnen versprach. Eine große Tierquälerei ist es, wenn man einfach das Fenster öffnet und diese Vögel in die für sie meiste tödliche Freiheit entlässt. Da ist es begrüßenswert, dass es Papageienparks gibt, welche diese Vögel aufnehmen und ihnen ein artgerechtes Leben bieten. Wie wichtig solche Institutionen sind, lässt sich daraus erkennen, dass sie teilweise Hunderten dieser intelligenten Vögel eine Heimat bieten.

Ingeborg Polaschek

aktion tier-Beratungsstelle für Wild- und kleine Haustiere