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Billigwelpen- Überleben darf kein Zufall sein!

Gemäß den Schätzungen von deutschen Tierärzten sind über 50% der aus dem östlichen Europa stammenden Welpen dem Tod geweiht.
Gemäß den Schätzungen von deutschen Tierärzten sind über 50% der aus dem östlichen Europa stammenden Welpen dem Tod geweiht. Foto: aktion tier e.V./Bauer
So schön die Kleinanzeige sich auch liest: Die Herkunft von Billigwelpen ist zweifelhaft.
So schön die Kleinanzeige sich auch liest: Die Herkunft von Billigwelpen ist zweifelhaft.
Zuchtmaschinen: Auch die Muttertiere haben bei der Billigwelpen-Produktion ein Nachsehen. Diese Hündin hat bereits viele Würfe zur Welt gebracht.
Zuchtmaschinen: Auch die Muttertiere haben bei der Billigwelpen-Produktion ein Nachsehen. Diese Hündin hat bereits viele Würfe zur Welt gebracht.
Aus dem Kofferraum heraus werden niedlichen Welpen auf Märkten angeboten. Doch Mitleid hilft den Welpen leider nicht!
Aus dem Kofferraum heraus werden niedlichen Welpen auf Märkten angeboten. Doch Mitleid hilft den Welpen leider nicht! Foto: Jan Peifer
Seit 2012 ist der Verkauf von Welpen auf polnischen Märkten gesetzlich verboten. aktion tier Recherchen zeigen jedoch, dass nach wie vor Welpen auf diese Weise verkauft werden.
Seit 2012 ist der Verkauf von Welpen auf polnischen Märkten gesetzlich verboten. aktion tier Recherchen zeigen jedoch, dass nach wie vor Welpen auf diese Weise verkauft werden. Foto: Ursula Bauer
Trauriges Schicksal: Beim aktion tier-Kampagnenstart symbolisierte ein Glücksrad das Schicksal von Billigwelpen.
Trauriges Schicksal: Beim aktion tier-Kampagnenstart symbolisierte ein Glücksrad das Schicksal von Billigwelpen. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Schicksalsrad für Billig(Plüsch)welpen
Die Welpen mit negativer Schicksalsprognose wurden von dem vermummten Mann ineinen Abfallkorb geworfen. Foto: aktion tier e.V.
Das Schicksal von Billigwelpe Luna zeigt beispielhaft, welchen grausamen Tod viele Hunde sterben müssen.
Das Schicksal von Billigwelpe Luna zeigt beispielhaft, welchen grausamen Tod viele Hunde sterben müssen. Foto: aktion tier e.V./Bauer
 
 

September 2014. Vor allem Kinder wünschen sich häufig einen Hund als Hausgenossen. Und dann am liebsten einen ganz jungen Hund. Einen Welpen, den man nach seinen eigenen Vorstellungen erziehen kann. Leider sind beim Welpenkauf viele Menschen auf ein vermeintliches Schnäppchen aus, durchforsten das Internet nach entsprechenden Anzeigen oder fahren schnell mal über die Grenze nach Belgien, Polen oder Ungarn, wo massenweise Hundebabys zu Schleuderpreisen angeboten werden.

Was viele nicht wissen

Was viele nicht wissen – ein Großteil dieser Billighunde ist weder geimpft noch entwurmt. Die für einen Welpen dringend erforderliche Grundimmunisierung und Entwurmung von der sechsten bis zur zehnten Lebenswoche kostet normalerweise zwischen 80 und 100 Euro. Ein Hund für 50 Euro ist daher mit Sicherheit nicht geimpft und die teilweise ausgehändigten Impfpässe folglich gefälscht. Für das Wochenendgeschäft auf einzelnen Märkten kaufen die Hundehändler in der Regel wahllos Welpen in der umliegenden ländlichen Region, wo fast jeder einen unkastrierten Hund hält. Daneben findet aber auch eine Welpenproduktion im großen Stil auf regelrechten Hundefarmen statt. Hier werden viele Rassehündinnen auf engstem Raum gehalten, die permanent gebären müssen. Diese Hundewelpen sind einer Vielzahl von Bakterien, Viren und Parasiten ausgesetzt. Die in der ersten Zeit über die Muttermilch übertragenen Antikörper gewähren ihnen nur bis etwa zur vierten Lebenswoche einen gewissen Schutz, danach vermehren sich die Krankheitserreger jedoch rasant.

Die Anschaffung sollte gut überlegt werden

Wie immer vor der Anschaffung eines Haustieres, sollte sichergestellt sein, dass man den Bedürfnissen des Wunschtieres tatsächlich ein Leben lang gerecht werden kann. Hunde sind vergleichsweise anspruchsvolle und teure Hausgenossen. Sie können, je nach Rasse, bis zu 20 Jahre alt werden und sind als Rudeltiere nicht gern allein. Für seinen Hund muss man auf jeden Fall eine tägliche Extraportion Zeit von ca. 3 Stunden einplanen. Nicht nur zum intensiven Gassi gehen – mehrmals täglich bei Wind und Wetter –, sondern auch zum Spielen und Schmusen. Die Gesamtkosten für den Unterhalt eines Hundes belaufen sich pro Jahr auf bis zu 1.500 Euro. Diese Summe beinhaltet die jährliche Hundesteuer und Haftpflichtversicherung, Impfungen und Entwurmungen sowie das Futter. Sollte der Vierbeiner krank werden oder im Alter Spezialfutter benötigen, steigen die Kosten entsprechend.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot

Letztendlich boomt das vielgestaltige Geschäft mit den Hundewelpen aufgrund der ständig wachsenden Nachfrage. Aber warum muss es überhaupt ein Welpe sein, wo doch ein älterer Hund ganz klar gewisse Vorteile bringt? Ein erwachsenes Tier ist stubenrein, hat seine „Ichmuss- alles-zerbeißen-Phase“ hinter sich, steht in der Regel schon mehr über den Dingen, muss sich gegenüber Artgenossen nicht mehr ständig beweisen und seinen Menschen nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit herausfordern. Ältere Hunde findet man zuhauf in jedem Tierheim.

Wenn Sie einen erwachsenen Hund aus dem Tierheim zu sich nehmen, unterstützen Sie den Tierschutz. Der Kauf eines Welpen fördert dagegen nur den Tierhandel.

Skrupellose Hundehändler

Die skrupellosen Hundehändler nutzen die kurze Zeitspanne von der fünften bis zur sechsten Lebenswoche zwischen Ende des Immunschutzes und Ausbruch der tödlichen Krankheiten zum Verkauf der Tiere, da sie hier noch recht gesund und munter aussehen. Dass man beispielsweise auf Polenmärkten für 50 Euro einen reinrassigen Boxer erstehen kann, für den man bei einem seriösen Züchter mindestens 900 Euro bezahlen müsste, ist sicherlich für manchen Hundefreund verlockend. Das vermeintlich gesparte Geld lässt man dann jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit beim Tierarzt, der den Kampf um das kleine Hundeleben oft nicht mehr gewinnen kann. Geiz ist eben nicht „geil“!

Wer nun denkt, dass ein Welpe, der in Deutschland zwischen 500 und 1.000 Euro kostet, sicher gesund ist und aus einer seriösen Quelle stammt, ist jedoch leider auf dem Holzweg. Denn viele deutsche Händler verkaufen ihre meist aus dem osteuropäischen Ausland billig eingekauften Hundebabys via Internet inzwischen einfach nur zu wesentlich höheren Preisen, um die weit verbreitete Meinung „teuer = gut“ zu bedienen. Durch diese Praxis wächst jedoch lediglich die Gewinnspanne der Händler, ihre „Ware“ ist, wie die Billigwelpen, natürlich ebenfalls häufig zu jung und todkrank. Auch den eventuell mitgegebenen Impfpässen sollte man nicht trauen, da diese in der Regel gefälscht sind. Gemäß den Schätzungen von deutschen Tierärzten sind über 50% der aus dem östlichen Europa stammenden Welpen dem Tod geweiht. Die meisten der Hundebabys erkranken nach kurzer Zeit an Parvovirose, einer hoch ansteckenden und meist tödlich verlaufenden Infektionskrankheit.

aktion tier rät daher dringend von einem Welpenkauf auf der Straße, übers Internet oder auf einem Markt ab!

aktion tier rät daher dringend von einem Welpenkauf auf der Straße, übers Internet oder auf einem Markt ab! Nicht nur die relativ hohe Wahrscheinlichkeit, ein krankes Tier zu bekommen, sowie die Tatsache, dass durch den Kauf der gewissenlose und ausschließlich profitorientierte Tierhandel unterstützt wird, sollten nachdenklich machen.

Letztendlich drohen auch rechtliche Konsequenzen. Denn gemäß der Deutschen Tierschutz- Hundeverordnung darf ein Welpe erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Wer etwa aus Unwissenheit ein jüngeres Tier im Ausland oder in Deutschland ersteht, handelt ordnungswidrig. Außerdem müssen gemäß den geltenden Bestimmungen auch Hundewelpen unter 3 Monaten, die in einem angrenzenden EU-Land gekauft wurden, bei der Einreise nach Deutschland mittels Microchip gekennzeichnet sein sowie über einen EU-Heimtierausweis verfügen. Welpen, die älter als 3 Monate sind, benötigen eine Tollwutimpfung, die mindestens 21 Tage vor dem Grenzübergang erfolgen muss. Hunde der Rassen Pit-Bullterrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier sowie deren Kreuzungen dürfen überhaupt nicht nach Deutschland eingeführt werden und auch die Haltung einer Reihe sogenannter gefährlicher Hunde unterliegt hierzulande in den meisten Bundesländern strengen gesetzlichen Vorgaben.

Dann doch lieber einen Welpen vom Deutschen Züchter?

Grundsätzlich sinkt die Gefahr, einen kranken oder illegal nach Deutschland eingeführten Welpen zu kaufen, wenn man sich an einen heimischen seriösen Züchter wendet, der seine Hunde gut betreut und eine maßvolle Vermehrung betreibt. Aber auch hier finden sich viele schwarze Schafe, die Masse mit Klasse verwechseln und, meist mit mehreren Rassen züchten, was das Zeug hält.

Am besten besucht man den Züchter persönlich und verschafft sich einen eigenen Eindruck. Wie viele Hunde werden gehalten? Wo und wie leben die Tiere? Sind auch die Elterntiere vor Ort oder nur Welpen? Dürfen Sie als Besucher wirklich alles ansehen oder werden Ihnen in einem „Showroom“ ausgewählte Hundebabys präsentiert? Sind die Hunde gesund und ausgeglichen oder kränklich und verängstigt? Wenn Zweifel bestehen, nehmen Sie lieber Abstand von einem Kauf.

Welpen im deutschen Fachhandel

Im Herbst 2008 wurde im nordrhein-westfälischen Dorsten ein Welpenkaufhaus eröffnet, die „Welpenstube Winkel“. Hier werden Welpen von mehr als 30 Hunderassen sowie diverse Mischlingswelpen angeboten. Angeblich stammt ein Großteil der Hunde aus Ungarn, was für die jungen Tiere lange Transportwege nach Deutschland bedeutet. Und was wird aus den nicht verkauften Welpen, die älter werden und daher für Käufer unattraktiv sind? Der Betrieb verfügt jedoch über eine behördliche Genehmigung und ist somit legal.

Dem Gesetz nach dürfte jede genehmigte deutsche Zoohandlung Hunde und Katzen verkaufen. Die Vereinbarung, auf den Handel mit diesen Tieren zu verzichten, haben lediglich die dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) angehörigen Zoohandlungen geschlossen. Dem ZZF gehören jedoch bundesweit nur 30% aller Zoogeschäfte an. Dass man kaum Hunde- oder Katzenwelpen in Zoogeschäften findet, ist eher darauf zurückzuführen, dass das für uns ungewohnte offene Anbieten dieser Tiere auf Kritik stößt. Dem Vorbild des Welpenkaufhauses folgend ist jedoch anzunehmen, dass immer mehr Zooläden auch wieder Hunde und Katzen in ihr Sortiment aufnehmen.

Unterstützen Sie diese negative Tendenz bitte nicht durch einen Kauf!

aktion tier Aufklärungskampagne

Um den Welpenhandel und seine negativen Folgen für die betroffenen Tiere in die Öffentlichkeit zu bringen, hat aktion tier unter dem Titel „Billigwelpen – Überleben darf kein Zufall sein“ im Jahr 2011 eine Kampagne durchgeführt, im Rahmen derer wir bis heute Flyer verteilen und zahllose Gespräche mit Passanten an unseren Infoständen führen. Besondere Beachtung fand die von uns zum Kampagnenstart auf dem Alexanderplatz in Berlin präsentierte Aktion. Ein vermummter Mann in schwarzer Kutte – Symbol des Schicksals – griff sich nacheinander Plüschwelpen aus einem Pappkarton und drehte dann am großen Schicksalsrad. Dieses Rad war, den herrschenden Zuständen entsprechend, vorrangig mit „Tod“ und „Krankheit“, selten dagegen mit „Gutes Zuhause“ und damit Glück beschriftet. Stoppte das Rad auf einer negativen Schicksalsprognose, warf der vermummte Mann den Welpen dann in einen Abfallkorb.

Bilder vom Kampagnenstart sehen Sie hier.

Erfolg für den Tierschutz

Der Handel mit Hunden und Katzen ist auf polnischen Märkten und Basaren seit dem 1ten Januar 2012 per Gesetz verboten. Offiziell kann man nun ein Haustier in Polen nur noch direkt beim Züchter oder im Tierheim erwerben. aktion tier-Kontrollbesuche auf verschiedenen Polenmärkten zeigten, dass Hundewelpen nicht mehr wie früher in großem Stil, sondern nur noch vereinzelt angeboten wurden. Fragt man beharrlich nach, wird jedoch innerhalb weniger Minuten die „Ware Hund“ herangeschafft und zu Schleuderpreisen verkauft. Das Geschäft mit den Hundewelpen hat sich durch diese veränderte Rechtslage verstärkt nach Deutschland verlagert. Wer keinen Hund mehr auf den Polenmärkten findet, schaut sich zu Hause im Internet um. Und hier warten haufenweise Welpenhändler, die jede Rasse liefern können.

Kampagnenvideo

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