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Stand: November 2014Verstecktes Tierleid: Käfigeier in Lebensmitteln

In vielen Lebensmitteln sind Käfigeier enthalten. Foto: © aktion tier e.V./Bauer
In über 1000 industriell gefertigten Lebensmitteln sind Hühnereier verarbeitet. Foto: aktion tier e.V.
Glückliche Hühner
Glückliche Hühner kennen Bewegung, Luft, Sonne und frisches Gras. Foto: Ursula Bauer
Legehennen in Freilandhaltung
Legehennen in Freilandhaltung. Foto: Ursula Bauer
 
 

November 2014. Dass sich hinter der „3“ auf dem Eierstempel die tierquälerische Haltung von Legehennen in Käfigen verbirgt, ist inzwischen allgemein bekannt. Die intensive Aufklärungsarbeit von aktion tier hat dazu beigetragen, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Verbraucher beim Kauf von sogenannten „Konsumeiern“, also Eiern in der Schale, gegen Käfigeier entschieden haben. Mangels Nachfrage haben inzwischen fast alle Supermärkte die 3er-Eier aus ihrem Sortiment genommen.

Versteckte Käfigeier

Beim Kauf von losen Eiern hat der Verbraucher also die Wahl. Doch jedes dritte in Deutschland konsumierte Ei ist versteckt in industriell produzierten Lebensmitteln wie Backwaren, Nudeln und Fertiggerichten.

Über deren Herkunft erfährt der Konsument nichts, da es bisher keine entsprechende Deklarationspflicht auf den Zutatenlisten der Produkte gibt. Dabei stammt ein Großteil dieser Eier aus der billigen Massenproduktion, die durch Käfighaltung möglich ist. So kostet beispielsweise ein Ei aus der Bodenhaltung rund ¼ mehr als ein Käfigei. Nur ein kleiner Teil dieser in der Lebensmittelindustrie sowie in der Gastronomie verwendeten Käfigeier wird in Deutschland produziert, wo Legehennen nach dem Verbot der Batteriekäfige im Jahr 2010 immer noch in sogenannten Kleingruppen-Käfigen gehalten werden dürfen. Vorrangig handelt es sich jedoch um Auslandsimporte. Jährlich werden etwa 9 Milliarden Eier nach Deutschland eingeführt – die meisten davon in der Schale (7 Milliarden), der Rest aufgeschlagen, zum Beispiel als Flüssig- oder Trockenei. Aus welcher Haltung Eier und Eiprodukte aus dem europäischen Ausland stammen, lässt sich nur schwer feststellen. In Ländern wie Spanien und Litauen gibt es kaum eine andere Form als die Käfighaltung. Im Januar 2012 sollte das Verbot der Batteriekäfige auch innerhalb der gesamten EU in Kraft treten. Dessen ungeachtet betreiben jedoch mehrere Mitgliedsstaaten bis heute die inzwischen illegalen Legebatterien. Daneben findet auch eine Haltung in sogenannten ausgestalteten Käfigen statt. Diese wurde früher, parallel zur Legebatterie, auch in Deutschland in geringem Umfang praktiziert, ist hierzulande aber seit 2010 verboten, in allen anderen EU-Mitgliedsstatten allerdings weiterhin erlaubt.

Außerhalb der EU ist die Lage noch unübersichtlicher. Billige Eiprodukte wie Flüssig-Ei, Eigelb, Eiklar oder Eipulver aus konventionellen Legebatterien, beispielsweise aus Indien, Südamerika und den USA, sind in Europa frei handelbar und gelangen daher ungehindert nach Deutschland. Auch die im Ausland hergestellten Lebensmittel mit Ei, wie beispielsweise Fertignudeln aus Asien, enthalten mit Sicherheit keine Freilandeier.

Chronologie der Käfighaltung von Legehennen in Deutschland

Deutschland werden derzeit über 38 Millionen Legehennen gehalten. Seit Januar 2010 sind hierzulande die konventionellen Batteriekäfige verboten. Aufgrund entsprechender Anträge mehrerer Bundesländer und dem starken Einfluss der Landwirtschaftslobby wurde jedoch postwendend anstelle eines absoluten Käfigverbots der Kleingruppenkäfig, auch Kleinvolière genannt, durchgesetzt. Diese in Deutschland entwickelte und bereits seit 2006 erlaubte Haltungsform bietet im Vergleich zum Batteriekäfig nur geringfügige Verbesserungen und wird auch beim Eierstempel mit einer „3“ als Käfighaltung ausgewiesen.

Allerdings bewertete das Bundesverfassungsgericht die Kleingruppen-Käfige als Verstoß gegen das Grundgesetz und untersagte diese im Oktober 2010. In der Konsequenz ist geplant, die Kleingruppenhaltung in Deutschland ab Januar 2023 zu verbieten. In Ausnahmefällen sollen die Behörden jedoch eine Verlängerung bis 2025 zulassen können.

Das können Sie tun

Fast allen Fertigprodukten wie z.B. in Back-, Süß-, und Teigwaren, Majonäse, Salatsoßen, Trockensuppen, Fleischprodukten, Eiscreme und Eierlikör werden Eier verarbeitet. Lesen Sie bitte die Zutatenlisten ganz genau. Flüssig- Frostund Trockeneier sind fast immer aus Käfighaltung. Diese Produkte sollten Sie ganz vermeiden, außer es wurden nachweislich Öko- oder Freilandeier verwendet. Da Bioware grundsätzlich auch nur Eier aus ökologischer Erzeugung enthalten darf, sind Sie mit dem Kauf von Bioerzeugnissen immer auf der sicheren Seite.

Unsere Forderung: Tier- und Verbraucherschutz durch Kennzeichnung eihaltiger Produkte

Was für Schaleneier gilt, sollte auch für alle Lebensmittel mit Ei gelten. Daher fordert aktion tier, dass Angaben zur Haltungsform der Legehennen in Zukunft auf allen eihaltigen Produkten zur Pflicht werden. Denn nur so kann der Verbraucher sich bewusst gegen den Kauf von Nahrungsmitteln mit verstecktem Tierleid entscheiden. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat aktion tier Anfang 2012 eine Informationskampagne zum Thema „Käfigeier in Lebensmitteln“ durchgeführt und über 6.500 Unterschriften für eine künftige Deklarationspflicht eihaltiger Produkte gesammelt.