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FAQ: Kaninchenmast

Plüschkaninchen bei der Kampagneneröffnung in Köln
Plüschkaninchen beim aktion tier Kampagnenstart in Köln. Foto: Ursula Bauer
 
 

Stand: 2011

Wie viele Kaninchenfarmen gibt es in Deutschland und wie viele Tiere werden dort insgesamt gehalten?

Über die Anzahl der Kaninchenfarmen in Deutschland gibt es keine genauen Angaben, dies hängt primär mit einer fehlenden zentralen Meldestelle oder einer ähnlichen Einrichtung zusammen. Es existiert lediglich eine Lobbyvereinigung namens „Bundesverband deutscher Kaninchenfleisch- und wollerzeuger e.V.“ aus Krefeld (NRW). Der Verband geht davon aus, dass es 80 bis maximal 100 Mastbetriebe in Deutschland gibt. Es handelt sich hierbei um große geschlossene Ställe. Kaninchenfarm Über die Anzahl der dort gehaltenen Tiere gibt es unterschiedliche, widersprüchliche Angaben. Im Durchschnitt werden offensichtlich pro Betrieb etwa 100 Zuchthäsinnen und mehrere tausend Mastkaninchen gehalten.

Warum geht es den Kaninchen in der Intensivmast so schlecht?

Wie in jeder Form der Massentierhaltung, die auf Profit ausgerichtet ist und nicht auf das Wohlergehen der Tiere, leiden auch die Kaninchen in der Intensivhaltung. Sie werden in enge Drahtkäfige gepfercht, die teilweise auch noch übereinandergestapelt sind.

Sie haben keinen Freilauf, sehen oft nicht einmal Tageslicht. Durch ausgeklügelte Lichtsysteme wird den Tieren sogar nachts vorgegaukelt, dass die Sonne scheint. Denn eigentlich fressen die Kaninchen nur, wenn es hell ist. Je mehr sie fressen umso schneller sind sie schlachtreif. Und allein darum geht es.

Jedem Kaninchen steht in seinem Käfig nur etwa die Fläche eines DIN-A-4-Blattes zur Verfügung, das hat die Folge, dass sich die Kaninchen meist noch nicht einmal aufrichten können, um Männchen zu machen. Auch leiden die Tiere an Wirbelsäulenverkrümmungen und Verhaltensstörungen wie Kannibalismus. Sehr schlimm ist auch, dass sich die Gitterböden in die Pfoten der Kaninchen bohren. Das ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern die Pfoten entzünden sich, was dann zu lang anhaltenden Schmerzen führt. Damit die Kaninchen möglichst schnell möglichst fett werden, wird den Tieren ausschließlich Kraftfutter verabreicht, von dem die Kaninchen häufig Durchfall bekommen. Der Mäster verabreicht daher meist schon vom ersten Tag an Medikamente.

Je nachdem, wie häufig der Mäster sauber macht türmen sich unter den Käfigen stinkend die Fäkalien. Ammoniakdämpfe und krankheitser-regende Keime führen zu Augen- und Atemwegserkrankungen.

Wie lange dauert die Mast und wie schwer sind die Kaninchen, wenn sie geschlachtet werden?

Es sind vorrangig die speziell für die Intensivmast gezüchteten weißen ZIKA-Hybridkaninchen, die auf den Kaninchenfarmen gehalten werden. Durch ihre angezüchtete enorme Gewichtszunahme, die Bewegungsarmut im Käfig und das gehaltvolle Energiefutter erreichen ZIKA-Mastkaninchen nach nur 85 Tagen ein Schlachtgewicht von ca. 3 kg. Normalerweise können Hauskaninchen im Durchschnitt 10 Jahre alt werden.

Gibt es Alternativen? Was ist mit Bodenhaltung und gibt es Biobetriebe in Deutschland, die die Kaninchen artgerecht in Gruppen halten?

Wenn man nicht auf Kaninchenfleisch verzichten möchte, gibt es verschiedene Alternativen: zum einen kann man Bio-Kaninchenfleisch kaufen. aktion tier empfiehlt ausschließlich Biofleisch aus Deutschland, da hier die Kontrollen meist umfassender und besser als im Ausland sind. Zum anderen führt die Supermarktkette „real“ derzeit ein Pilotprojekt mit einem Kaninchenmäster aus Bayern durch, dessen Mastanlage auf Bodenhaltung umgerüstet wurde. Vorerst gibt es dieses Kaninchenfleisch aus der Bodenhaltung allerdings nur in den bayerischen Filialen von „real“ zu kaufen.

Wie sieht es in anderen Ländern aus? Gibt es da bessere Gesetze und Haltungsverordnungen zum Schutz der Mastkaninchen?

In der Schweiz beispielsweise ist die Käfighaltung von Kaninchen bereits verboten. Auch muss Kaninchenfleisch, welches aus dem Ausland in die Schweiz importiert wird und von Tieren aus Käfighaltung stammt, mit einem deutlichen Vermerk gekennzeichnet sein.

Was will aktion tier mit seiner Kampagne erreichen?

Unser Ziel ist die Abschaffung der Käfighaltung und die Einführung einer verbindlichen gesetzlichen Haltungs-verordnung für Mast- und Zuchtkaninchen. Es ist kaum zu glauben, dass in einem Land wie Deutschland, in dem fast alles gesetzlich geregelt ist, noch nicht einmal eine Verordnung für die Haltung von Mastkaninchen existiert. Um diese Ziele zu erreichen arbeiten wir im Tierschutzbündnis „Kaninchenmast – Nein danke“ mit zahlreichen anderen Tierschutzvereinen zusammen. Mit unserer Kampagne „Unschuldig hinter Gittern – Kaninchen in der Intensivmast“ wollen wir primär die Menschen über das Leben und Leiden der Kaninchen in der Intensivmast aufklären. Informierte Menschen konsumieren in der Regel tierschutzbewußter. So hoffen wir, dass entweder ganz auf den Verzehr von Kaninchenfleisch verzichtet wird oder zumindest zu Biofleisch gegriffen wird.

Was kann ich als Verbraucher tun?

Die Nachfrage regelt das Angebot am Markt – das klingt zwar simpel, aber so hat jeder Verbraucher tatsächlich die Macht, etwas in seinem Sinne zu verändern. Wer wirklich etwas tun möchte, der sollte kein Kaninchenfleisch aus der Massentierhaltung kaufen sowie Freunde und Bekannte über das Leid der Kaninchen informieren. aktion tier startet im Rahmen der aktuellen Kampagne auch eine Postkarten-Aktion. Die Postkarte zum Herausschneiden ist in den Kampagnenflyer integriert. Sie kann an Supermärkte oder an Restaurants geschickt werden deren Betreiber damit aufgefordert werden, kein Kaninchenfleisch mehr aus der Intensivmast zu verkaufen bzw. anzubieten.

Hobby- und Rassezuchthaltung von Kaninchen ist oft nicht artgerecht: Tiere werden häufig einzeln in kleinen Käfigen gehalten. Wie unterscheidet sich diese Haltung von der Haltung in der Intensivmast und warum kümmert sich aktion tier nicht darum?

Aus Tierschutzsicht gibt es keinen großen Unterschied zwischen einer Hobbyzucht und der Massentierhaltung von Kaninchen, wobei man sicherlich anmerken muss, dass bei der Hobbyzucht nicht so eiskalt kalkuliert wird wie in der Massentierhaltung. Auch werden in der Hobbyhaltung nicht ausgeklügelte Lichtsysteme oder spezielles Kraftfutter für schnelles Wachstum angewendet. Dennoch ist die Hobby- und Rassekaninchenzucht vor allem deshalb Tierquälerei, weil das Gruppentier Kaninchen ohne Artgenossen in einem sehr einschränkenden Käfig leben muss. aktion tier versucht, durch die Einführung einer gesetzlichen Haltungsverordnung für Mastkaninchen auch Einfluss auf die Hobbyhaltung zu nehmen. Denn ein entsprechendes Gesetz kann man dann auch als Vorlage für die Hobbyhaltung nutzen. Kaninchen ist gleich Kaninchen, egal ob in Hobby- oder Intensivhaltung.

Es leben auch in deutschen Haushalten sehr viele Kaninchen als Haustiere „in Einzelhaft“. Was tut aktion tier für diese Tiere?

Wir versuchen, über unsere Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel an unseren Infoständen sowie mittels entsprechender Flyern die Tierhalter über die Bedürfnisse ihrer Hauskaninchen zu informieren. Auch über die Medien werden in Form von Pressemitteilungen gezielt Hinweise veröffentlicht. Leider ist die Einzelhaltung von Kaninchen in Deutschland nicht verboten. In unseren Nachbarländern Schweiz und Österreich ist man da schon weiter. Dort ist die Einzelhaltung von Kaninchen bereits untersagt. Aber auch in Deutschland darf ein Tierhalter sein Tier weder vernachlässigen noch beispielsweise in einem viel zu kleinen Käfig halten. Derartige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden von aktion tier auch direkt zur Anzeige gebracht.