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Gefängnis wegen Ohrmarken-Verweigerung

Wenigstens bei privaten Hobbyhaltungen mit kleinen Beständen, wo alle Tiere ihr Leben lang beim Besitzer bleiben und keines zum Verzehr geschlachtet wird, sollten Mikrochips als alternative Kennzeichnungsmethode erlaubt werden. Foto: Bodmann

01. Dezember 2015. Im Mai 2013 hatten wir eine Kampagne mit dem Titel "Ohren ohne! - Mikrochips statt Ohrmarken für Klauentiere" durchgeführt. In Deutschland müssen Klauentieren (z.B. Schweine, Schafe, Rinder und Ziegen) mit Ohrmarken gekennzeichnet werden. Wir wollten mit unserer Kampagne auf die Leiden aufmerksam machen, die mit dem Setzen und Tragen der Marken verbunden sind. Unser Ziel war die alternative Kennzeichnung durch tierfreundlichere Mikrochips.

Auch Hobby-Ziegenhalter Ingo Sigl ist wie wir der Meinung, dass Ohrmarken eine unnötige Tierquälerei darstellen. Bei Ziegen und Schafen fordert der Gesetzgeber sogar zwei Kennzeichnungen, wobei eine davon elektronisch sein muss (z.B. Fußfessel-Transponder, Bolus-Transponder, Ohrmarken-Transponder). In der Regel wird bei Schafen und Ziegen als erstes individuelles Kennzeichen eine Ohrmarke verwendet, die durch eine zweite Ohrmarke mit integriertem Transponder ergänzt wird. Gerade Ziegen sind temperamentvolle und bewegungsfreudige Tiere, die gerne sogar in dornigem Gebüsch herumklettern. Daher reißen ihre Ohrmarken sehr häufig aus oder entzünden sich.

Ingo Sigl teilte uns kürzlich per Email mit, dass er nach langer Auseinandersetzung mit den Behörden nun eine fünftägige Beugehaft antreten muss, weil er sich hartnäckig weigert, seine 14 Ziegen mit Ohrmarken zu versehen.

In seiner Nachricht schreibt er an aktion tier:

"Wir sind generell nicht gegen eine Kennzeichnung und haben alternativ dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen folgendes vorgeschlagen:

  1. Unsere Zwergziegen werden alle mit einem Chip versehen
  2. Die Ohrenmarken werden zusätzlich am Halsband des jeweiligen Tieres befestigt
  3. Alle Tiere werden bei TASSO registriert
  4. Unsere Tiere werden nicht geschlachtet und dürfen ihr Leben bis zum natürlichen Tod bei uns verbringen
  5. Die Zwergziegen haben keinen gemeinsamen Weidegang mit anderen fremden Tieren

Diese Alternativpunkte entsprechen in vollem Umfang den uns auferlegten und benannten Gründen und Sicherheitsauflagen des Veterinäramtes Garmisch-Partenkirchen. Leider stellen sich die Behörden mutwillig stur und das Ausmaß ist nun die Erzwingungshaft."

Wir finden es sehr mutig, dass Ingo Sigl seine Tiere so konsequent vor den Ohrmarken schützen möchte und dafür sogar ins Gefängnis geht. Es ist sehr schade, dass die Behörden eine derart harte Linie fahren. Wenigstens bei privaten Hobbyhaltungen mit kleinen Beständen, wo alle Tiere ihr Leben lang beim Besitzer bleiben und keines zum Verzehr geschlachtet wird, sollten Mikrochips als alternative Kennzeichnungsmethode erlaubt werden.