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Januar 2018Stadttauben: Gefiederte Obdachlose

Wenn man sich dem Elend der Stadttauben nicht erschließt, sondern bewusst hinsieht, kann man mit diesen Tieren nur Mitleid empfinden.
Sie haben kein Zuhause in einer Welt voller Gefahren. Städte sind laut und hektisch, Ruhe kehrt nie ein.
Der Kampf um Schlafund Nistplätze ist hart, und es werden immer mehr Systeme zur Vergrämung wie Spikes und Zackenleisten angebracht, die tödliche Verletzungen verursachen können.
Aus Verzweiflung fressen Stadttauben fast alles, was sie finden.
Die Tiere werden gehasst und verfolgt, weil sie in Scharen auftreten, weil sie bettelnd wischen unseren Füßen herumlaufen, weil ihre Exkremente Gebäude und Plätze verschmutzen und weil sie angeblich schreckliche Krankheiten verbreiten.
Wie so oft klafft auch bei diesem Thema zwischen der gefühlten Wahrnehmung und der auf Fakten basierenden Wirklichkeit ein großer Graben.
Tatsächlich gibt es in unseren Städten zum Beispiel immer weniger Tauben - und nicht mehr, wie oft behauptet wird.
Stadttauben stellen keine Gefahr für unsere Gesundheit dar, wie oft fälschlich behauptet wird. Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere.
Taubenkot verursacht entgegen der Gerüchte keine Schäden an der Bausubstanz. Keine Frage, die Hinterlassenschaften der Stadttauben verunreinigen Plätze und Straßen, Bauwerke und Denkmäler. Das ist unästhetisch und unhygienisch, aber für die Bausubstanz unschädlich!
Übrigens: Die in unseren Städten gehaltenen Hunde produzieren um ein Vielfaches mehr Kot als die Tauben. Die Grafik zeigt die Zahlen aus Berlin im Jahr 2012. Foto: © aktion tier e.V./ Bauer
Die Lösung des „Taubenproblems“ heißt Geburtenkontrolle.
Am effektivsten und nachhaltigsten lässt sich diese in einem betreuten Taubenschlag praktizieren, wo die Vogeleier durch Kunsteier ersetzt werden.
Betreute Stadttauben-Schläge gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen.
Ist der Schlag eingerichtet, werden die Tauben aus der Umgebung mit Futter angelockt und zur Eingewöhnung einige Tage eingesperrt.
Stadttauben einen Schlag als ihr Zuhause angenommen, verbringen sie erwiesenermaßen die meiste Zeit des Tages darin.
 
 

Stadttauben haben es in Deutschland schwer. Die Tiere werden gehasst und verfolgt, weil sie in Scharen auftreten, weil sie bettelnd zwischen unseren Füßen herumlaufen, weil ihre Exkremente Gebäude und Plätze verschmutzen und weil sie angeblich schreckliche Krankheiten verbreiten. Es wird viel unternommen, um die Stadttauben zu vertreiben, aber wenig, um ihnen zu helfen. Mit dieser Kampagne möchten wir Verständnis und Mitgefühl für das schwere Los der gefiederten Obdachlosen in unseren Städten wecken und Wege aufzeigen, die ein friedliches Miteinander ermöglichen können.

Wildtaube – Haustaube – Stadttaube

Bei uns in Mitteleuropa kommen vier Wildtaubenarten vor: die Turteltaube (Streptopelia turtur), die Hohltaube (Columba oenas), die Türkentaube (Streptopelia decaocto) und die Ringeltaube (Columba palumbus).

Stadttauben sind keine Wildtauben sondern verwilderte Haustauben! Die Stammform aller Haustauben und daher auch aller Stadttauben ist die natürlicherweise rund um das Mittelmeer beheimatete Felsentaube (Columba livia). Aus dieser Wildtaube wurden mehr als 800 Rassen von Haustauben gezüchtet, die unter anderem als Flugtauben (Brieftauben), zur Fleisch- und Eierproduktion oder zu Ausstellungszwecken gehalten werden.

Bereits im Alten Ägypten (viertes Jahrtausend vor Christus) soll die domestizierte Form der Felsentaube in speziellen Taubenschlägen gehalten worden sein. Später verbreiteten dann die Römer die Haustauben- Haltung in Nordafrika und Mitteleuropa. Was heute Anlass zu Ärger und Beschwerden gibt, war früher heiß begehrt: der Taubenkot. Jede Stadttaube produziert pro Jahr etwa 12 kg Nasskot (entspricht ca. 3 kg Trockenkot). Die alten Ägypter, Assyrer, Phönizier und Griechen hielten Tauben sogar in erster Linie wegen ihres Kotes, der in den Schlägen abgesetzt wurde.

Dieser galt bei Gärtnern und Bauern als wertvoller Dünger. Teilweise wurden die Taubenschläge sogar nach jeder Reinigung zugemauert, um zu verhindern, dass der Dung gestohlen wurde.

Haustauben wurden bestimmte Merkmale angezüchtet, die auch unsere Stadttauben in sich tragen. So sind Stadttauben relativ zutraulich und halten sich in der Nähe des Menschen in urbanen Lebensräumen auf. Dass sich Stadttauben das ganze Jahr hindurch bis zu sieben Mal vermehren ist ebenfalls eine vom Menschen herangezüchtete Eigenschaft, um höhere Erträge zum Beispiel in Form von Fleisch und Eiern zu erzielen. Wildtauben nisten dagegen je nach Art nur zwei- bis dreimal pro Jahr zwischen März und September. Felsentauben haben ihre Brut- und Ruhestätten auf zum Teil sehr kleinen ebenen Flächen an Klippen und Felswänden. Diese Vorliebe ist bei Stadttauben erhalten geblieben.

Sie wählen als Nist- und Ruheplätze gerne Nischen und Simse an Brücken und Türmen sowie in Markt- und Bahnhofshallen. Die Nahrung der Felsentaube besteht aus Körnern und Samen von Wildkräutern oder Feldfrüchten wie Mais, Weizen und Gerste, ergänzt durch tierische Kost wie Insekten, Würmer und Schnecken. Unsere Stadttauben würden sich ebenfalls von Getreide ernähren, aber im urbanen Raum ist dieses natürliche Futter nur sehr begrenzt verfügbar. Notgedrungen dienen ihnen daher vorrangig Essensreste und Abfälle als Nahrung.

Wissenswertes über Stadttauben

Mit einer Größe von ca. 32 cm und einem Gewicht von etwa 350 g weisen Stadttauben ungefähr die Körpermaße der Felsentaube auf. Ihr Gefieder ist jedoch hinsichtlich Farbe und Zeichnung sehr variabel.

Das Weibchen heißt „Taube“, das Männchen „Täuber“ oder „Täuberich“ und die Jungen bezeichnet man als „Küken“. Die Männchen sind etwas größer und schwerer als die Weibchen. Stadttauben schließen sich in der Regel zu größeren Gruppen zusammen, suchen sich hier jedoch immer einen Partner, mit dem sie zumindest zeitweise monogam zusammen leben. Die Paare bauen gemeinsam Nester, die, wie bei der Felsentaube, nicht in Bäumen, sondern auf ebenen Flächen angelegt werden. Da somit keine stabile, kompakte Struktur erforderlich ist, tragen die Vögel meistens nur ein paar Ästchen oder Federn zusammen, die sie manchmal mit Eislöffeln oder Rührstäbchen aus Plastik garnieren. Auf diese dürftigen Unterlagen legt das Weibchen 2 Eier, die von beiden Partnern in 18-21 Tagen ausgebrütet werden. Um die Jungen kümmert sich das Taubenpaar ebenfalls gemeinsam und liebevoll. Mit etwa 35 Tagen sind die Küken dann flügge und verlassen das Nest.

Der Mensch ist daran schuld, dass es Stadttauben gibt

Bis zum zweiten Weltkrieg hielten viele Städter Haustauben. Vor allem als Fleisch- und Eierlieferanten. Während des Krieges wurden dann natürlich auch die in den Gebäuden befindlichen Taubenschläge zerstört. Zu den „ausgebombten“ Vögeln gesellten sich zahllose Tiere, die aus Mangel an Futter von den Züchtern freigelassen wurden. In den Ruinen fanden die herrenlosen Tauben gute Brutbedingungen und, mit zunehmendem Wohlstand in der Nachkriegszeit, auch genug Futter.

Bis heute stranden regelmäßig Rasse- und vor allem Brieftauben in unseren Städten. Zum Beispiel, weil sie sich verfliegen, vor Erschöpfung nicht mehr weiterkönnen oder von Greifvögeln von ihrem Kurs abgebracht wurden. Diese Haustauben schließen sich dann den vorhandenen Stadttauben an und verpaaren sich mit diesen.

Das harte Leben auf der Straße

Wenn man sich dem Elend der Stadttauben nicht verschließt, sondern bewusst hinsieht, kann man mit diesen Tieren nur Mitleid empfinden. Sie haben kein Zuhause in einer Welt voller Gefahren. Städte sind laut und hektisch, Ruhe kehrt nie ein. Der Kampf um Schlafund Nistplätze ist hart, und es werden immer mehr Systeme zur Vergrämung wie Spikes und Zackenleisten angebracht, die tödliche Verletzungen verursachen können. Notgedrungen müssen viele Stadttauben den ganzen Tag auf der Straße verbringen, rast- und ruhelos, ständig fluchtbereit, immer hungrig. Aus Verzweiflung fressen Stadttauben fast alles, was sie finden.

Viele Stadttauben werden überfahren, fliegen gegen Glasscheiben oder verheddern sich in herumliegenden Fäden. Diese schnüren sich immer enger zusammen, was sehr schmerzhaft ist und oft dazu führt, dass Zehen oder ganze Füße absterben. Wenn die betroffenen Tauben nicht an Entzündungen sterben, sind sie für den Rest ihres Lebens behindert. Verletzte und gehandikapte Vögel haben im Kampf ums Futter noch weniger Chancen, sind meist chronisch unterernährt, magern ab und sind anfällig für Krankheiten. In menschlicher Obhut lebende Brief- und Rassetauben können ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen.

Dagegen werden die verwilderten Brüder und Schwestern, bedingt durch die harten Lebensumstände und die überwiegend ungesunde Nahrung, selten älter als 3 Jahre. Stadttauben leiden und sterben still. Sie sind weder Schädlinge noch Ungeziefer, sondern schlicht die Opfer menschlichen Handelns. Deshalb sind wir für ihr Schicksal verantwortlich. Wie Straßenhunde und Straßenkatzen brauchen auch Stadttauben unsere Hilfe.

Es werden nicht „immer mehr“

Tauben verteilen sich nicht gleichmäßig auf ein Stadtgebiet, sondern leben dort, wo es etwas zu Fressen gibt und Brut-, beziehungsweise Ruheplätze vorhanden sind. Da gute Standortbedingungen selten sind, konzentrieren sich die Bestände genau an diesen Stellen, was wiederum den Eindruck erweckt, die Vögel seien eine regelrechte Plage. Fällt ein Brutplatz weg, weil Abwehrsysteme angebracht wurden, ohne Ersatz zum Beispiel in Form eines betreuten Taubenschlags zu schaffen, müssen sich die vertriebenen Tiere an einem der verbliebenen geeigneten Orte zu dem dortigen Taubenbestand dazudrängen. Obwohl es sich hier nur um eine Verlagerung handelt, entsteht beim Bürger dennoch meist der subjektive Eindruck, dass überall mehr Tauben zu sehen sind.

Wie so oft klafft auch hier zwischen der gefühlten Wahrnehmung und der auf Fakten basierenden Wirklichkeit ein großer Graben. Tatsächlich gibt es in unseren Städten nämlich immer weniger Tauben! Nehmen wir als Beispiel Berlin. Hier wurde zwischen 2006 und 2010 eine deutliche Bestandsabnahme von bis zu 40 % festgestellt. Vergleicht man die von Experten geschätzte Anzahl an Stadttauben mit der Einwohnerzahl, kommt eine einzige Taube auf jeweils 346 Menschen. Zum Vergleich: Im Stadtzentrum von Venedig kamen im Jahr 2012 auf 346 Menschen über 500 Tauben.

Stadttauben sind keine Gesundheitsgefährder

Vor allem kommerzielle Schädlingsbekämpfer behaupten hartnäckig, dass von Stadttauben gravierende gesundheitliche Gefahren ausgehen. Und verdienen mit unserer Angst eine Menge Geld. Bereits 1989 hat Prof. Dr. Dieter Großklaus, der damalige Präsident des Bundesgesundheitsamtes, erklärt: „Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere“. Und sich damit der Meinung vieler Experten angeschlossen.

Außer Frage steht, dass geschwächte und unterernährte Stadttauben zahlreiche Parasiten und Krankheitserreger an und in sich tragen. Diese sind aber zum größten Teil tauben- oder vogelspezifisch und für den Menschen völlig harmlos. Außerdem pflegen wir in der Regel mit Stadttauben keinen engeren Kontakt, so dass die Gefahr einer Ansteckung vernachlässigbar ist.

Hier einige Beispiele von Erregern/Parasiten, die häufig in Verbindung mit Tauben genannt werden:

Aviäre Clamydiose/Ornithose
wird vom Bakterium Chlamydophila psittaci verursacht. Die meldepflichtige Tierseuche befällt vor allem Vögel (unter anderem Papageien, Tauben, Möwen). Menschen werden so gut wie nie infiziert. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) gab es in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland nur 2 nachgewiesene Fälle einer Ornithose beim Menschen, die durch Tauben verursacht wurde. Einer der beiden Erkrankten hatte sich auf Teneriffa in einem Vogelpark angesteckt. Die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer Taube mit Ornithose anzustecken, ist also in etwa so groß wie die Wahrscheinlichkeit, 5 x hintereinander den Eurojackpot zu knacken.

Salmonellen
Das Bundesinstitut für Risikobewertungen hat 2017 in seinem Bericht über Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können, darauf hingewiesen, dass der Salmonellen-Typ, der Tauben befällt und den Namen Salmonella typhirium var. copenhagen trägt, taubenspezifisch ist und nahezu nie Menschen befällt.

Taubenzecke und Rote Vogelmilbe
Sowohl die Taubenzecke (Argas reflexus) als auch die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) sind blutsaugende Parasiten, die normalerweise ausschließlich Vögel (wildlebende Vögel, Nutz- und Ziervögel) befallen. Nur wenn der Hauptwirt, also die Taube, wegfällt, können die Parasiten zum Problem für den Menschen werden. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn an einer Stelle mit hoher Stadttaubendichte plötzlich Bekämpfungsmaßnahmen dafür sorgen, dass alle Tauben verschwinden. Dann finden die Milben und Zecken keine Nahrung mehr und machen sich auf die Suche nach einem Ersatz- oder Fehlwirt. Finden sie diesen in einem Menschen, können die Stiche von der Taubenzecke Hautrötungen hervorrufen. Infektionserreger wie bei anderen Zeckenarten werden jedoch nicht übertragen. Die Bisse von Milben sind ebenfalls harmlos, und eine Behandlung ist sehr einfach.

Obwohl erwiesen ist, dass Stadttauben keine Gesundheitsgefährdung darstellen, meiden die meisten Menschen die Vögel. Sie ekeln sich vor ihnen und würden sie niemals anfassen. Andererseits füttern sie begeistert Enten und Gänse im Park, lassen Eichhörnchen auf sich herumklettern und finden es putzig, wenn freche Spatzen aus ihrer Hand fressen. Daheim wird ausgiebig mit dem Haustier geschmust. Dabei geht von allen genannten Tieren die gleiche potenzielle Ansteckungsgefahr aus wie von Tauben.

Taubenkot verursacht keine Schäden an der Bausubstanz

Ein weiteres Vorurteil hält sich dauerhaft in den Köpfen der Menschen und auf den Internetseiten der Schädlingsbekämpfer: Tauben sollen durch ihren Kot Bauwerke und Denkmäler zerstören.

Die TU Darmstadt hat sich im Jahr 2004 dieses Themas angenommen und den Einfluss von Taubenkot auf die Oberfläche von Baustoffen wissenschaftlich untersucht. Zu diesem Zweck wurde frischer Taubenkot auf 12 verschiedene Baustoffe aufgetragen (u.a. Bleche aus verschiedenen Metallen, Vollziegel, Klinker, Holz, Zementmörtel/Beton, Granit und Buntsandstein). Nach 7, 28, 50 und 70 Tagen wurde der Kot von den Oberflächen wieder entfernt und die Veränderung der Oberfläche untersucht und beurteilt.

Bei keinem der beprobten mineralischen Baustoffe führte der Taubenkot zu einer Veränderung der Oberfläche. Nicht einmal unter dem Mikroskop und nach 70 Tagen Einwirkdauer. Auch Holz zeigte keine nennenswerten Modifikationen. Die unvermeidbare Verschmutzung der Oberflächen konnte mechanisch beseitigt werden. Nur bei den Metallen verursachte der Taubenkot Flecken und teilweise eine Reduzierung des Korrosionsschutzes.

Tatsache ist: Die Hinterlassenschaften der Stadttauben verunreinigen Plätze und Straßen, Bauwerke und Denkmäler. Das ist unästhetisch und unhygienisch, aber für die Bausubstanz unschädlich! Der wahre Schuldige ist (wieder einmal) der Mensch, denn die Abgase aus Industrie, Verkehr und Gebäudeheizungen verwandeln Niederschläge in sauren Regen, der seit Jahrzehnten an unseren Bauwerken nagt.

Übrigens: Die in unseren Städten gehaltenen Hunde produzieren um ein Vielfaches mehr Kot als die Tauben. Die Grafik zeigt die Zahlen aus Berlin im Jahr 2012.

Sinnvolle Maßnahmen helfen Mensch und Taube

Dass es vielerorts ein „Stadttaubenproblem“ gibt, ist nicht zu leugnen. Es setzt sich zusammen aus dem Empfinden der Menschen (überall Tauben, überall Dreck) und den elenden Bedingungen, unter denen die Vögel leben müssen. Nachhaltige Lösungen sind gefragt. Leider ergreifen Städte und Hausbesitzer jedoch oft Maßnahmen, die nicht nur ineffektiv, sondern mitunter auch gesetzeswidrig sind. Hier einige Beispiele:

Fütterungsverbot
Die Behauptung, Tauben würden sich bei Fütterung stärker vermehren, ist genauso falsch wie die Ansicht, dass es durch ein Fütterungsverbot weniger Stadttauben gäbe. Viele Städte verbieten das Taubenfüttern und glauben, so der Lage Herr zu werden. Bei Wildtieren gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen großem Nahrungsangebot (= hohe Vermehrungsrate) und Nahrungsknappheit (= reduzierte Vermehrungsrate). Stadttauben sind jedoch verwilderte Haustiere, bei denen diese Rechnung, wissenschaftlich belegt, nicht aufgeht. Sie können ihr angezüchtetes Brutverhalten (bis zu 7 x pro Jahr) nicht ändern, müssen aber, wenn es weniger Nahrung gibt, länger auf Futtersuche gehen. In der Folge sterben mehr Jungtiere als sonst, weil sie von den Eltern nicht ausreichend versorgt sind. Auch unter den erwachsenen Vögeln werden mehr Tiere aufgrund der Mangelernährung krank oder verhungern. Als alleinige Maßnahme ist das Fütterungsverbot weder sinnvoll noch ethisch und tierschutzrechtlich vertretbar.

Entnahme
In der Vergangenheit wurden immer wieder radikale Tötungs- oder Fangaktionen durchgeführt, um zum Beispiel Bahnhöfe taubenfrei zu bekommen. Wie die Erfahrungen zeigen, greifen diese Aktionen jedoch nur für kurze Zeit, da der Bestandsverlust von den Tauben sofort durch eine höhere Geburtenrate kompensiert wird. Tötungsaktionen sind weder nachhaltig noch mit dem Tierschutzgesetz vereinbar, da auch immer Nestlinge verhungern, deren Eltern getötet wurden.

Vergrämungsmaßnahmen
Diese Maßnahmen zur Taubenabwehr umfassen eine Vielzahl von Methoden. Weit verbreitet sind Stacheln (sogenannte Spikes), Zacken oder stromführende Drähte, die auf Simsen und Rohren, Stahlträgern, Brückenpfeilern und Reklametafeln dauerhaft angebracht werden, um zu verhindern, dass sich Tauben darauf niederlassen. Unserer Meinung nach sind diese Methoden nicht tierschutzkonform, da sie ein hohes Verletzungsrisiko darstellen.

Zudem sind Spikes und Zacken relativ wirkungslos und werden von den Vögeln häufig als Nisthilfe genutzt. Mit teilweise tödlichen Folgen für die Küken, die oft aufgespießt werden. Nicht selten werden auf Simsen oder Fensterbänken auch sogenannte Vogelabwehrpasten aufgetragen. Wurden diese nicht sachgemäß angewendet, was häufig vorkommt, verkleben die Krallen und oft auch das Gefieder sämtlicher Vögel, die darauf landen. Dies bedeutet in der Regel den Tod – nicht nur für Tauben.

Sinnvolles und tierschutzgerechtes Stadttaubenmanagement

Die Lösung des „Taubenproblems“ heißt Geburtenkontrolle. Am effektivsten und nachhaltigsten lässt sich diese in einem betreuten Taubenschlag praktizieren, wo die Vogeleier durch Kunsteier ersetzt werden. Damit der Erfolg von Dauer ist, müssen parallel die früheren Brutplätze der Tauben unbrauchbar gemacht werden. Die durch den Umzug der Tauben in einen betreuten Schlag freigewordenen Nistmöglichkeiten werden sonst nämlich schnell von Jungtauben besetzt, die bisher keine Chance auf einen Brutplatz hatten. Mit stabilen Gittern und sogenannten Schrägblechen lassen sich Nist- und Ruheplätze effektiv und tierfreundlich verbauen. Abgerundet wird das Konzept durch eine Pflegestation, in der kranke oder verletzte Tauben bis zur Genesung untergebracht und betreut werden können.

Geeignete Standorte für einen betreuten Taubenschlag sind immer da, wo besonders viele Tauben ihre Schlaf-, Brut- und Fressplätze haben. Wasser und Strom sollten verfügbar sein. Ob der Schlag in einem Turm, einem Bauwagen, einem Häuschen oder im Dachgeschoss oder Keller eines Hauses eingerichtet wird, ist relativ unwichtig. Er muss jedoch funktional und tiergerecht ausgestattet werden und leicht zu reinigen sein.

Tauben benötigen Nischen zum Brüten und Schlafen, Sitzstangen sowie Fütterungs- und Tränkmöglichkeiten. Ist der Schlag eingerichtet, werden die Tauben aus der Umgebung mit Futter angelockt und zur Eingewöhnung einige Tage eingesperrt. Der Standort „spricht“ sich dann ziemlich schnell unter den Tauben herum, und es kommen immer mehr Vögel.

Vorteile eines betreuten Taubenschlags

Mit dem täglichen Austausch der gelegten Taubeneier durch Kunsteier ist eine effektive Geburtenkontrolle gewährleistet. Außerdem sind Tauben, die in einem betreuten Schlag Sicherheit und Ruhe finden, mit artgerechtem Futter ernährt und im Krankheitsfall behandelt werden, weniger anfällig für Parasiten und Keime. Ist doch einmal ein Tier erkrankt oder verletzt, kann es leicht eingefangen und behandelt werden. Haben Stadttauben einen Schlag als ihr Zuhause angenommen, verbringen sie erwiesenermaßen die meiste Zeit des Tages darin. Hier nisten, fressen und trinken sie und setzen natürlich auch Kot ab, der ohne Taubenschlag auf Straßen, Gebäuden und Denkmälern landen würde. Da sich Stadttauben in der Regel von Abfall ernähren, ist ihr Kot schmierig und lässt sich daher schwer von Oberflächen entfernen. Durch die Fütterung mit gesundem Körnerfutter haben die Ausscheidungen auch wieder ihre natürliche, festere Konsistenz. Sie trocknen schnell ab und lassen sich dann einfach wegfegen. Des Weiteren können Brieftauben, die neu zugeflogen sind, schnell aus dem Schlag genommen und ihren Besitzern zurückgegeben werden. Letztlich führt diese Form des „betreuten Wohnens“ zu konstanten Beständen aus unaufdringlichen, gesunden und hübschen Tauben, über deren Anblick man sich freuen kann.

Wer soll das bezahlen?

Durch das dargestellte Stadttaubenkonzept könnten die bisherigen, immensen Reinigungskosten deutlich reduziert werden. Die gesparten Mittel müssen jedoch zur Realisierung der Stadttauben-Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden, damit Privatpersonen und Tierschutzvereinen, die sich aktuell im Stadttaubenschutz engagieren, nicht der Atem ausgeht.

Verursacher in die Pflicht nehmen

Taubenzucht und -sport gehören zu den direkten Verursachern des Stadttauben-Problems, denn durch sie kommen immer wieder neue verirrte und erschöpfte Tauben in unsere Städte. Daher braucht es neben einem tierschutzgerechten Stadttaubenmanagement auch Regelungen zur Bekämpfung dieser Ursachen.

Das können Sie tun

  • Gehen Sie respektvoll mit Straßentauben um und ermahnen Sie auch Kinder, den Tieren nicht hinterherzurennen, um sie aufzuscheuchen.
  • Erklären Sie Freunden und Bekannten, dass Stadttauben keine Gefahr für den Menschen darstellen
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass in Ihrer Stadt ein sinnvolles, tierschutzgerechtes Stadttaubenkonzept umgesetzt wird.
  • Engagieren Sie sich ehrenamtlich im Stadttaubenschutz. Zum Beispiel, indem Sie bei einem betreuten Taubenschlag mithelfen.
  • Unterstützen Sie den lokalen Stadttaubenschutz mit Sach- oder Geldspenden.
  • Helfen Sie Tauben in Not (z.B. verletzten oder in Netzen verfangenen Vögeln). Wenn Sie es nicht selbst schaffen, die Taube zu befreien oder ein verletztes Tier zum Tierarzt zu bringen, holen Sie bitte Hilfe (Polizei, Feuerwehr, lokale Tierschutzvereine).
  • Zeigen Sie Menschen an, die Tauben quälen, verletzen oder töten. Tierquälerei ist eine Straftat!
  • Wenn Sie zum Beispiel auf Ihrem Balkon ein Taubennest mit Eiern entdecken, dann tauschen Sie bitte diese durch Kunsteier aus (künstliche Taubeneier aus Gips oder Kunststoff gibt es für wenig Geld zu kaufen). Irgendwann hört das Taubenpaar auf zu brüten. Dann sollte man das Nest entfernen und dafür sorgen, dass es keine Brutmöglichkeiten (z.B. Nischen, Ecken, leere Blumentöpfe) mehr auf dem Balkon gibt. Wichtig: Nester mit Jungtieren dürfen nicht angetastet werden!