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Junge Stadtkrähen sind häufig behindert

Berlin / München. Vor allem junge Stadtkrähen weisen häufig deformierte Füße und Krallen auf.

Schuld an diesen Missbildungen ist zu wenig oder nicht artgerechtes Futter, welches die Vogeleltern den Küken in die Schnäbel stopfen. Verfüttert wird alles, was in den Städten zu finden ist: allerlei Abfall, aber auch Pommes Frites oder ein Stückchen Currywurst. Schmeckt zwar lecker – ist aber ungesund. „Die Mangel- oder Fehlernährung führt bei den jungen Krähen zu einer Unterversorgung vor allem mit Calzium und Vitaminen, was zu einer abnorm weichen Knochenhaut und im schlimmsten Fall zu einer Verformung der Knochen führen kann“, erklärt Diplom-Biologin Ursula Bauer von aktion tier.

Diese auch als Rachitis bekannte, durch Mineralisationsstörungen der Knochen während der Wachstumsphase hervorgerufene Erkrankung kommt häufig bei in Gefangenschaft gehaltenen Sing- und Papageienvögeln vor, die einseitig mit Körnermischungen aufgezogen wurden. Zu wenig Calzium und Vitamine in der Nahrung führen dazu, dass die Knochen instabil sind. Es kann dann zu Verbiegungen und sogar Frakturen der Knochen kommen. „Rachitische Knochenfehlstellungen oder Fuß- und Beinverformungen bei Wildvögeln wurden bisher wenig untersucht aber verschiedene Berliner Tierärzte haben uns bestätigt, dass doch recht häufig Krähen und seltener Amseln mit verformten Beinen oder Füßen gebracht werden“, sagt Ursula Bauer von aktion tier- Berlin.


Krähen sind von Natur aus Allesfresser. Ihre Nahrung besteht normalerweise aus Würmern, Insekten, Schnecken, Eidechsen, Fröschen, Beeren, Getreide und Aas. In Städten fressen Krähen neben der nur in geringem Maße verfügbaren natürlichen Nahrung zum Großteil Essensreste, die weggeworfen wurden. In der Brutzeit von März bis Juni wird dieses ungeeignete Futter zur Aufzucht der Jungen verwendet – mit fatalen Folgen für die Jungvögel.

„Wir haben erst kürzlich eine junge, halb verhungerte Nebelkrähe mit verformten Füßen gefunden und in die Tierklinik gebracht“, berichtet Ursula Bauer von aktion tier-Berlin. Die unnatürlich weichen und instabilen Zehen der Krähe waren nach innen eingebogen und nicht wie bei der normalen Fußstellung gespreizt, so dass der Vogel in seiner Beweglichkeit sehr eingeschränkt war. In der Klink wird nun versucht, durch mit Calzium und Vitamin D angereichertes Futter sowie Fußbandagen die Vogelfüße wieder herzustellen. Allerdings mit wenig Erfolgsaussicht, denn derart gravierende Defizite wie weiche Knochen sind bei einem Wildtier, das schnell wieder in die Freiheit entlassen werden sollte, kaum auszugleichen. Da Vögel mit Behinderungen in freier Natur kaum Überlebenschancen haben, müssen sie meistens eingeschläfert werden.

„Am besten bringt man einen hilflos aufgefundenen, behinderten Jungvogel zum fachkundigen Tierarzt, der dann entscheidet, ob eine Therapie erfolgversprechend ist oder das Tier besser erlöst wird“, sagt Ursula Bauer von aktion tier- Berlin. Es macht keinen Sinn, diese Vögel zu Hause aufzunehmen und zu pflegen. Erstens verbietet unser Naturschutzgesetz die Aufnahme und dauerhafte Haltung von Wildtieren. Zweitens können Krähen bis zu 20 Jahre alt werden und ein richtiger Tierfreund wird keinem Vogel, der für ein Leben in Freiheit geboren wurde, eine dauerhafte Gefangenschaft ohne Artgenossen zumuten wollen.

Weitere Informationen bei:

Ursula Bauer
Diplom-Biologin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.
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14057 Berlin
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