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23. Juni 2015

Vorsicht bei der Mitnahme von Straßentieren aus dem Ausland

Tierfreunde entdecken, wo sie gehen und stehen, Tiere. Auch und gerade im Urlaub, wenn der Kopf frei ist und der Blick neugierig umherwandert.

„Vor allem in südlichen und osteuropäischen Ländern begegnen wir regelmäßig Straßenhunden und Streunerkatzen, die an Orten leben, die uns ungewohnt und auch ungeeignet erscheinen – in Ferienanlagen, in Parks, am Strand, in Ruinen oder auf dem Campingplatz“, sagt Ursula Bauer von aktion tier Berlin. Die Tiere laufen durch den gefährlichen Verkehr, stöbern im Müll, haben kein Zuhause. Manche sind mager, haben ungepflegtes Fell, wirken krank. Man möchte am liebsten alle einsammeln und mitnehmen.

Bei aller Tierliebe sollte die Mitnahme eines Straßentieres nach Deutschland jedoch nie spontan und unüberlegt erfolgen, sonst kann die gut gemeinte Rettungsaktion schnell schief gehen. Zum einen muss die Reise mit Tier organisiert und beispielsweise mit der Fluggesellschaft abgestimmt werden. Zum anderen gilt es, die gesetzlichen Bestimmungen genau zu beachten.

Zwingend erforderlich für die Einreise aus einem der EU- Mitgliedsstaaten nach Deutschland ist ein gültiger EU-Heimtierpass, der von einem autorisierten Tierarzt oder einer entsprechenden Behörde im Urlaubsland ausgestellt wurde. Außerdem müssen Hunde und Katzen mit einem Microchip gekennzeichnet sein, dessen Nummer im Heimtierpass eingetragen ist. Vorgeschrieben ist ferner eine gültige Tollwutimpfung, die mit Unterschrift und Stempel des Tierarztes im EU-Heimtierpass verzeichnet ist. Eine Erstimpfung muss mindestens 21 Tage zurückliegen, um wirksam und somit gültig zu sein. Wer fest entschlossen ist, einen Hund oder eine Katze mitzunehmen, muss also nach der Impfung 3 Wochen warten, bevor er das Tier nach Deutschland verbringen darf. Auch Hunde- und Katzenwelpen benötigen eine gültige Tollwutimpfung. Bei einem Mindest- Impfalter von 12 Wochen plus der „Wirkzeit“ der Tollwutimpfung von weiteren 3 Wochen bedeutet dies, dass Welpen unter 15 Wochen nicht nach Deutschland einreisen dürfen. Ein absolutes Einreiseverbot gilt außerdem für diverse Hunderassen sowie deren Kreuzungen wie etwa American Staffordshire-Terrier, Bullterrier oder Pitbull.

Möchte man eine Katze oder einen Hund aus einem sogenannten nicht gelisteten Drittland wie beispielsweise Ägypten, Türkei, Marokko oder Thailand mit nach Deutschland nehmen, wird es noch komplizierter. Neben den innerhalb der EU geltenden Voraussetzungen ist hier auch noch ein Bluttest erforderlich. Dieser Tollwutantikörpertest muss in einem zugelassenen EU-Labor durchgeführt und das zu testende Blut darf frühestens 30 Tage nach der Tollwutimpfung entnommen werden. Nach der Blutentnahme für den Test muss weitere 3 Monate gewartet werden, bis das Tier nach Deutschland einreisen darf. Von der ersten Tollwutimpfung bis zum Reiseantritt vergehen also mindestens 4 Monate (bei Welpen 7 Monate, da die Tiere erst im Alter von 3 Monaten geimpft werden dürfen). Wer die jeweiligen Einreisebestimmungen nicht einhält, bekommt Ärger. Illegal eingeführte Tiere werden in Deutschland am Flughafen beschlagnahmt und für drei Monate unter Quarantäne gestellt - ein Horror für die freiheitsgewohnten Straßentiere und ein teurer Spaß für den neuen Besitzer, der die Kosten für die Unterbringung zu tragen hat.

Es muss jedoch nicht immer gleich die Adoption und Mitnahme sein. Auch im Urlaubsland können Tierfreunde aktiv werden. So sollte verletzten Tieren immer und unmittelbar geholfen werden. Da die Tierarztkosten im Ausland meistens immens hoch sind, können sich die Einheimischen eine Behandlung oft nicht leisten. In vielen Ländern werden keine Tiermedikamente und Veterinärbedarfsmittel hergestellt. Alles muss importiert werden, was die Kosten für einen Tierarztbesuch natürlich extrem in die Höhe treibt. „Es spricht nichts dagegen, einem verletzten oder kranken Tier vor Ort eine tierärztliche Behandlung zu spendieren“, so Diplom-Biologin Ursula Bauer.

Eine weitere Möglichkeit, an Ort und Stelle zu helfen, ist eine Futterspende. Häufig werden Straßentiere im Urlaubsland von Einheimischen an festen Standorten gefüttert. Hier kann man am besten Dosenfutter deponieren, welches dann von den lokalen Tierfreunden nach und nach verfüttert wird.

Weitere Informationen bei:

Diplom Biologin Ursula Bauer

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