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Blutige Merinowolle

Merinowolle hatte bis dato eigentlich ein gutes Image. Was kaum einer weiß: an ihr haften häufig Gräueltaten. Die Wolle produzierenden Schafe werden dem sogenannten Mulesling unterzogen. Ohne Narkose entfernen ihnen die Produzenten mit Instrumenten, die am ehesten noch alten Gartenscheren ähneln, ganze Hautlappen.

„Etwa 25 Millionen Schafe werden in Australien jährlich dieser Prozedur unterzogen“, berichtet Frau Dr. Tina Hölscher, Tierärztin von aktion tier e.V. „Während ihnen die Haut weggeschnitten wird, bekommen sie weder ein Betäubungs- noch ein Schmerzmittel verabreicht“, klärt sie auf.

Hintergrund für dieses martialische Treiben sind Hautfalten im Bereich des Hinterleibs der überzüchteten Merinoschafe. Fliegen legen in diese Falten Eier ab, und es kommt zu schweren Entzündungen, was mit Tierverlusten und auch Gewinneinbußen einhergeht. Doch anstatt auf faltenfreie Züchtung zu setzen oder Insektenschutzmittel zu verwenden, wählen die Merinoproduzenten einen kostengünstigeren Weg: Die betroffenen Hautareale werden bei vollem Bewusstsein der Schafe herausgeschnitten. Darunter kommt das blanke Muskelfleisch zum Vorschein. Für den Akt an sich werden die Tiere auf dafür vorgesehene Vorrichtungen festgeschnallt, freiwillig halten sie natürlich nicht still. Verheilt der verletzte Bereich und eine Narbenbildung setzt ein, ist die Haut im Anschluss quasi gestrafft.

In Neuseeland ist Mulesling seit 2018 verboten. Australien sieht derzeit noch keinen Anlass für ein flächendeckendes Verbot. Tierliebhaber achten deshalb darauf, wo ihr Wollpullover herstammt, wenn es denn Merino sein muss. Einige Hersteller werben mit der Verwendung von Mulesling freier Wolle. Sie sollten beim Kauf bevorzugt werden.

Weitere Informationen bei:

aktion tier e.V.
Dr. med. vet. Tina Hölscher

Mobil:
+49 177 2451198
E-Mail:
tierarzt[at] remove-this.aktiontier.org