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aktion tier TierschutzunterrichtTierschutz kennt keine Ferien

Ein Bericht von Simone Schweiger, Tierschutzpädagogin bei aktion tier e.V. – Deshalb findet unser Tierschutzunterricht auch in den Schulferien statt. Neben Schulen und KiTas besuche ich in den Ferien auch besondere Einrichtungen, wie zum Beispiel die Lebenswelt gGmbH, eine interkulturelle Jugendhilfe in Berlin.

Bei LebensWelt finden Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen sozialpädagogische Betreuung und Unterstützung. Ein wichtiger Bestandteil der sozialpädagogischen Arbeit ist die Vermittlung gesellschaftlicher Normen und Werte. Unser Tierschutzunterricht kann genau dazu einen wertvollen Beitrag leisten. Denn die pädagogische Wirkung des Tierschutzunterrichts geht weit über die Vermittlung des richtigen Umgangs mit Tieren hinaus. Mit Hilfe verschiedener Übungen und durch das offene Besprechen persönlicher Erfahrungen der Kinder mit Tieren, wird oft schnell deutlich, dass Tiere, wie wir Menschen, empfindsame Lebewesen sind.

Eine Methode, die ich gerne anwende, ist der Vergleich von Haustieren und deren Wildtierform. Damit wird das Erschließen der optimalen Lebensbedingungen für Haus- und Nutztiere zum Kinderspiel. Zur Veranschaulichung hier ein Beispiel: Wenn wir die Wildform des Hundes, den Wolf und seine natürliche Lebensweise, betrachten, wird schnell deutlich, welche Bedürfnisse unser Haustier Hund hat. Genauso wie der Wolf immer im Rudel, einem sozialen Verbund, lebt, möchte auch ein Hund bei seiner Familie sein und nicht lange allein zuhause bleiben. Wölfe bewegen sich viel, denn sie müssen ihr Futter noch selbst jagen. Ein starker Bewegungsdrang ist Hunden deshalb in die Wiege gelegt. Natürlich ist dieser von Hund zu Hund unterschiedlich stark ausgeprägt, aber dennoch: Ein Hund braucht Bewegung!

Wie schon angedeutet, ein Wolf jagt. Was frisst er also? Ganz genau: hauptsächlich Fleisch! Auch das Futter unseres vierbeinigen Freundes sollte deshalb einen hohen Fleischgehalt aufweisen und nicht voller „tierischer Nebenerzeugnisse“ stecken (genauere Informationen zur Ernährung von Hunden und Katzen findet ihr in unserer Broschüre „Tierliebe geht durch den Magen“ und auf unserer Homepage). Durch entsprechende Vergleiche mit verschiedenen Wildtierformen, über deren natürliche Lebensbedingungen die Kinder meist erstaunlich viel wissen, entsteht ein tiefliegendes Verständnis für die Bedürfnisse aller Lebewesen.

Lieber Luis,

vielen Dank für deine interessanten Fragen, die zeigen, dass du sehr viel über das Thema Tier(-schutz) nachdenkst! Zu ersten Frage  „Die toten Tiere im Supermarkt sind sowieso tot, dann könnte ich sie doch essen bzw. auch mal probieren“  lautet meine Antwort: „Probieren geht über Studieren!“ wie man so schön sagt. Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass man Fleisch einmal probiert – oder sogar regelmäßig Fleisch isst. Das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Jeder Mensch hat eine andere Einstellung gegenüber Tieren, die sich aus seinem Wissen über Tiere, seinen Erfahrungen mit diesen und seinen Gefühlen gegenüber Tieren  ergibt. Genau deshalb sieht jeder von uns in einem Tier etwas anderes.

Für viele Menschen – mich eingeschlossen – sind Tiere tatsächlich Lebewesen. Wie der Name schon sagt, wollen alle Lebewesen leben. So wie wir Menschen auch! Und ich möchte sie nicht daran hindern. Ich bin davon überzeugt, dass Tiere, genauso wie wir, Leid, Schmerz und Freude empfinden und möchte nicht, dass ein Tier meinetwegen, für oder durch mich leidet. Deshalb habe ich mich schon vor vielen Jahren dazu entschlossen keine Tiere zu essen. Denn mit jedem Kauf von Fleisch und somit mit jedem Bissen, den man isst, unterstützt man, dass Tiere geschlachtet werden und in den meisten Fällen leiden müssen. Wenn man Fleisch essen möchte, musste dafür zuerst ein Tier getötet werden. Ganz einfach! Möchtest du also nicht, dass ein Tier leiden oder sterben muss, kannst du mit deiner Entscheidung kein Fleisch zu essen, jeden Tag aufs Neue dazu beitragen, dass für dich schon mal kein Tier geschlachtet werden musste. Mit der Entscheidung kein Fleisch zu essen beeinflusst du  nicht nur das Leben der Tiere, sondern auch das deiner Mitmenschen und leistest zudem einen großen Beitrag zur Gesunderhaltung deiner Umwelt. Denn wie du sicher weißt,  wird für die „Produktion“ von Fleisch die Umwelt ganz schön verschmutzt!

Ich wurde schon sehr oft gefragt, warum ich kein Fleisch esse. Immer wenn ich der interessierten Person meine Entscheidung erklärt habe, habe ich mein Wissen und meine Erfahrung an sie weitergegeben. Genau dadurch ändert sich dann in manchen Fällen sogar die Einstellung dieser Person gegenüber Tieren. Wenn sich dann auch diese Person dazu entscheidet in Zukunft kein oder weniger Fleisch zu essen, hat man gleich doppelt so viele Tierleben gerettet und seine Umwelt geschützt.

Ich finde es super, dass du schon in so jungen Jahren vegetarisch lebst und dich mit vielen schwierigen Fragen beschäftigst. Zur Beantwortung deiner zweiten Frage „Warum esse ich ab und zu Fisch, aber nie Fleisch?“ möchte ich zunächst etwas ausholen: Wie ich schon in meiner ersten Antwort schreibe, hat jeder eine andere Einstellung gegenüber Tieren, jeder aus seinem eigenen Blickwinkel eine andere Sicht auf die Dinge. Deshalb hat jeder Mensch eigene Vorstellungen darüber, wie etwas zu sein scheint. Richtig oder falsch, gut oder schlecht – jeder versteht darunter etwas anderes und das ist auch völlig in Ordnung so.

Manchmal handeln wir jedoch widersprüchlich zu unseren eigentlichen Vorstellungen und können uns bei genauerem Nachdenken erstmal selbst gar nicht erklären warum. Viele Menschen essen zum Beispiel einerseits billiges Fleisch – wofür Tiere mit großer Sicherheit leiden mussten – haben aber gleichzeitig ein Haustier, das sie behandeln wie ihr Kind und dem Niemand jemals Schmerzen oder Leid zufügen dürfte. Wie kann das sein? Ich erkläre mir das so: Bei ihrem Hund sind sich die meisten Menschen ganz sicher, dass er Gefühle hat. Das ist so, weil sie mit ihm zusammenleben und seine Gefühle wahrnehmen und beobachten können.  Dass das bei einem Schwein so genau ist, darüber haben sie vielleicht noch gar nicht nachgedacht.

Oft möchten Menschen auch einfach nicht darüber nachdenken, weil sie Angst davor haben die grausame Wahrheit zu kennen. Denn Wissen bestimmt unser Handeln. Und weiß man, wie sehr „Nutztiere“ leiden, so müsste man eigentlich handeln und aufhören Fleisch zu essen. Das bringt viele Menschen in einen inneren Konflikt, denn: Menschen sind Gewohnheitstiere. Vielen Menschen fällt es schrecklich schwer, ihre Gewohnheiten zu ändern. Du kennst das vielleicht selbst. Um fünf Uhr morgens aufzustehen ist gar nicht so leicht! Aber zurück zum Thema: Der Unterschied vom Schwein zum Haustier ist in Deutschland für viele Menschen sehr groß, da sie einfach kein Schwein kennen und deshalb wenig über deren Empfindungen und Gefühlsleben wissen.

Wir Menschen lernen durch Beobachtung. Und darin steckt auch meine Lösung für deine Frage, warum einige Menschen Fisch essen, aber kein Fleisch. Im unserem Alltag begegnen uns lebende Fische – außerhalb eines Aquariums ¬ schon mal gar nicht. Wie auch? Wir leben schließlich in unterschiedlichen Elementen! Natürlich gibt es sehr viel Forschung über Fische, aber trotzdem. Über Fische wissen die meisten Menschen einfach nicht so viel wie über andere Tiere. Sehr viele Menschen gehen zum Beispiel davon aus, dass Fische anders oder weniger als Säugetiere empfinden und finden es deshalb in Ordnung Fisch zu essen. Jeder muss das für sich entscheiden. Außerdem ist es  – bei aller Tierliebe – wichtig, auf seine eigene Gesundheit zu achten. Viele Fische sind sehr gesund, deshalb entscheiden sich manche Menschen für das „geringere Übel“ und essen Fisch statt Fleisch. Für mich sind alle Tiere gleich. Deshalb esse ich auch keinen Fisch. Aber wie ich mehrfach betont habe – jeder Mensch sollte das für sich entscheiden.

Der Tierschutzunterricht stärkt die Empathie Fähigkeit der Kinder

Wenn man sich ein Haustier hält, ist man dafür verantwortlich, dass es dem Tier gut geht. Im Vergleich zum Wildtier hat das Haustier nicht die Möglichkeit, sich selbst Futter zu suchen, wenn es hungrig ist, oder einfach los zu laufen, wenn es Lust zu laufen hat. Einem Tier optimale Lebensbedingungen zu bieten ist aber gar nicht so einfach. Wie schwierig – ö und in manchen Fällen sogar unmöglich – diese Aufgabe ist, wird den Kindern durch das ausführliche Diskutieren bewusst. Empathie, Mitgefühl und Verständnis gegenüber anderen Lebewesen und deren Bedürfnissen werden so gestärkt. Auch Eigenverantwortlichkeit sowie die Bereitschaft und Pflicht, die Folgen für sein Verhalten zu tragen, sind essentielle Werte die im Tierschutzunterricht Vermittlung finden.

In meinen Unterrichten begegne ich immer wieder Schülern, die besonders stark am Tierschutz sind. So erhalte ich viele E-Mails mit Fragen, die ich immer gerne beantworte. Auch Luis und seine Mutter haben mir geschrieben. Im Folgenden findet ihr meine Antworten auf Luis Fragen.

Vielen Dank für die Blumen, und bis zum nächsten Mal!

 
 

Du hast noch Fragen?

Auch du denkst viel über Tiere nach und hast eine Frage zum Thema? Dann schick mir gerne eine E-Mail an:  tierschutzpaedagogin@aktiontier.org

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z. H. v. Simone Schweiger
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