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Zum Schutz von Straßenkatzen

Straßenkatzen-Fangaktion
Hungrige Straßenkatzen lassen sich leicht einfangen... Foto: © Ursula Bauer

Von Holger Knieling. Das Projekt „Kitty“ von aktion tier kann inzwischen auf einige Jahre der intensiven Betreuung von Streunerkatzen zurückblicken. Dabei können wir sicherlich auf eine Vielzahl von Erfolgen verweisen, müssen jedoch auch selbstkritisch nach wie vor vorhandene Defizite anmerken.

Denn auffällig ist bei der Bewertung der bundesweiten Arbeit, dass es einige doch gravierende regionale Unterschiede gibt, die Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit des Projektes haben. In vielen Regionen sind zwar auch Aktivitäten zu verzeichnen, die sich jedoch teilweise stark voneinander unterscheiden.

Die Ursprünge unseres Kitty Projekts lagen schlicht und ergreifend in der Tatsache, dass uns immer mehr Anträge von lokalen Tierschutzvereinen erreicht haben, die zusätzliche Unterstützung bei der Bewältigung des Streunerkatzenproblems erbeten haben. Offensichtlich handelt es sich dabei nicht um lokale Phänomene, sondern um ein bundesweites Problem. Um diese Tatsache auch zu verdeutlichen, entstand die Idee von aktion tier, unsere inzwischen sehr umfangreichen Bemühungen in diesem Bereich unter einem zentralen Projekt zusammenzufassen. So entstand damals das Projekt Kitty.

Gleichzeitig sollte damit auch eine gemeinsame Vorgehensweise entwickelt werden, die nachhaltige Erfolge ermöglicht. Denn entsprechend der Philosophie und der satzungsgemäßen Anforderungen unseres Vereines sollte die Aufgabe nicht nur darin bestehen, das bereits vorhandene Tierleid zu lindern, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass nicht immer mehr Katzen die bestehenden Populationen zahlenmäßig erhöhen. Dieses Ziel beinhaltet jedoch einen komplizierten Aufgabenbereich, die Ursachen des Übels auch anzugehen und über die reine Versorgung der Tiere hinauszugehen.

Herrenlos oder Fundtier?

Somit bestand innerhalb des Kitty- Projektes auch das wesentliche Ziel, diesen Umstand öffentlich bekannt zu machen und vor allem die kommunalen Behörden zu einem gemeinsamen Vorgehen zu bewegen. Denn die lokalen, gesetzlich geregelten Aufgaben beziehen sich nur auf die sogenannten Fundtiere, d. h. Tiere, die vorübergehend aus der Obhut ihres Besitzers abhandengekommen sind. Dieser Aufgabe kommt die Kommune in der Regel durch den Abschluss von Fundtierverträgen nach, die mit lokalen Tierheimen getroffen werden. Nicht betroffen davon sind sogenannte herrenlose Tiere, die nach gesetzlicher Definition keinen Besitzer haben. Dort befindet sich die Kommune nicht in der Verantwortung, sodass mit dieser gesetzlichen Vorgabe ein Einschreiten im Bereich der Streunerkatzen nicht erforderlich zu sein scheint.

In der Praxis gestaltet sich die Abgrenzung zwischen einem herrenlosen und einem Fundtier extrem schwierig. Wie soll festgestellt werden, ob die Katze nur kurzzeitig aus der Obhut ihres Besitzers verschwunden ist oder aber sie gar keinen Besitzer mehr hat? Zumal dann, wenn der Besitzer gar kein Interesse mehr an seinem Tier hat und keine Anstrengungen zur Auffindung dessen anstellt? Zu welchem Zeitpunkt wird ein Tier zu einem herrenlosen Tier? Ist es nicht vielmehr so, dass ein Großteil der Streunerkatzen einen ursprünglichen Besitzer hatte, auch wenn sie sich bereits seit mehereren Jahren auf der Straße? Da es in der Regel nicht sinnvoll ist, in jedem Einzelfall über die juristische Definition des Tieres zu streiten, wäre es deutlich sinnvoller, das vorhandene Problem anzuerkennen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Aus der Erfahrung wissen wir, dass die meisten Tierschutzvereine aufgrund ihrer finanziellen und personellen Möglichkeiten mit der Situation überfordert sind, wenn nicht auch Hilfestellung behördlicherseits erfolgt. Doch genau darin liegt in den meisten Regionen das Problem, da die Behörden aufgrund der gesetzlichen Lage ihre Zuständigkeit permanent verneinen. Und somit stehen die Tierschutzvereine vor einem für sie schier unlösbaren Problem, zumal sich die vorhandenen Populationen auch weiter vermehren.

Gänzlich unmöglich und auch überhaupt nicht im Sinne des Tieres sind Forderungen, die vorhandenen Streunerkatzen einfach einzusammeln und in Tierheimen unterzubringen. Unterbringungsmöglichkeiten in der notwendigen Größenordnung sind nicht vorhanden und werden auch in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen. Zudem wäre es auch überhaupt nicht tierschutzgerecht, ein in Freiheit geborenes und aufgewachsenes Tier in einer auf wenige Quadratmeter begrenzten Anlage unterzubringen. Wer jemals eine Streunerkatze versucht hat einzufangen, wird feststellen, dass diese nicht mehr viel mit dem zahmen Stubentiger zu tun hat!

Wer ist zuständig?

Die Zuständigkeit der Städte und Gemeinden für Straßenkatzen ist bedauerlicherweise nach wie vor strittig, da sich die Städte und Gemeinden aus Kostengründen häufig weigern, ihre Verantwortlichkeit anzuerkennen. Zunehmend setzt sich jedoch die Auffassung durch, dass die Städte und Gemeinden für die Betreuung von herrenlosen Tieren zuständig sind, da diese eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellen.

Das Sozialgericht Stralsund hat in einem Urteil vom 26.09.1996 recht detailliert ausgeführt, dass es Aufgabe der Ordnungsbehörden ist, sich ausgesetzter Tiere anzunehmen, da von diesen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehen können. Diese Gefahren können sich – so das Sozialgericht Stralsund weiter – namentlich dann entwickeln, wenn die Tiere nicht ausreichend Nahrung und Pflege erhalten und deshalb erkranken oder verwahrlosen. Des Weiteren besteht eine potenzielle Infektionsgefahr durch gestorbene Tiere (Tierleichen).

Nach dem europäischen Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren, das aufgrund des Ratifizierungsgesetzes vom 01.02.1991 auch seit 01.05.1992 in Deutschland in Kraft ist, sind gemäß Art. 12 geeignete Gesetzgebungs- und/oder Verwaltungsmaßnahmen zu treffen, die notwendig sind, die Anzahl der streunenden Tiere durch Methoden zu verringern, die keine vermeidbaren Schmerzen, Leiden oder Ängste verursachen. Damit sind die örtlichen Sicherheitsbehörden, also die Kommunen und Gemeinden, gemeint. Die Praxis zeigt allerdings, dass sich fast ausschließlich private Tierschützer und Tierschutzvereine um die Fütterung und Kastration der verwilderten Hauskatzen kümmern.