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Zum Schutz von Straßenkatzen

Oftmals müssen wir uns gegen die Auffassung wehren, als Tierschutzverein seien wir zur alleinigen Versorgung von Straßenkatzen verpflichtet. Foto: © aktion tier e.V./Bauer

Die Einbindung der Kommunen ist wichtig

Deshalb war es auch niemals Inhalt des Kitty-Projekts, frei lebende Katzen mit aller Macht in Tierheimen unterzubringen. Im Gegenteil, es sollen Futterstellen eingerichtet und unterhalten werden, die die Möglichkeit der tiermedizinischen Betreuung und vor allem der Kastration der Tiere beinhalten. Um eine nachhaltige Lösung des Problems zu ermöglichen, muss vor allem die weitere Vermehrung eingedämmt werden. Soweit sind sich auch die überwiegende Mehrheit der Tierschutzvereine und handelnden Personen einig.

Wesentliche Unterschiede ergeben sich in der Einbindung der Kommunen in diese Vorgehensweise. Fairerweise sei erwähnt, dass deren Bereitschaft zum Handeln oftmals auch von den dort tätigen Einzelpersonen abhängig ist. Während sich Mitarbeiter eines Ordnungsamtes sehr wohl ihrer Verantwortung stellen, wird in anderen Ämtern mit Hinweis auf die Rechtslage nur mit den Achseln gezuckt. Besonders infam dabei ist auch die oftmals auftretende Auffassung, durch die Betreuung der Tiere seien quasi die Tierschützer zu „Besitzern“ der Tiere geworden und stünden demzufolge in der alleinigen Verpflichtung für deren Versorgung.

Möglich wird diese Vorgehensweise vor allem durch das Verhalten der Tierschützer. Denn diese Behörden handeln in dem Bewusstsein, dass sich die Tierschutzvereine dennoch des Problems annehmen werden. Unabhängig vom eigenen, ablehnenden Verhalten der Behörde wird sich der Tierschutz schon kümmern, auch wenn bisweilen ein wenig lamentiert wird. In der Regel führt dieses Vorgehen auch zu einer quasi schicksalhaften Erkenntnis, dass man gegen die Sturheit der Behörden keine Chance habe und auf sich alleine gestellt weiter zu kämpfen habe. Diskussion beendet – der Tierschützer als nützlicher Erfüllungsgehilfe? Zusätzlich erleichtert wird das behördliche Verhalten noch durch die Tatsache, dass die meisten Initiativen zur Hilfe von Streunerkatzen zwar sehr aktiv sind, jedoch ihre Bemühungen nicht ausreichend dokumentieren. Und somit können sie nicht den notwendigen exakten Nachweis über die vorhandene Anzahl von Tieren bieten, der durchaus zu Recht von den Ämtern angefordert wird. Und somit sind Probleme, die nicht dokumentierbar sind, halt keine und zudem wird sich der Tierschutz ohnehin kümmern. Auch wenn die Erkenntnis eines bundesweiten Problems im Bereich der Streunerkatzen inzwischen auch in den letzten Tierschutzverein gedrungen ist, werden die über die Betreuung der Tiere hinausgehenden Anforderungen oftmals als leider unmöglich bezeichnet.

Vorreiter im Katzenschutz: Die Stadt Paderborn

Es kommt nicht von ungefähr, dass die erste kommunale Verordnung zu privaten freilaufenden Katzen in der Stadt Paderborn verabschiedet wurde. Darin wird berücksichtigt, dass auch Freigänger ihren Teil zu dem Gesamtproblem Streunerkatzen beitragen. Denn in unserer aufgeklärten Gesellschaft dürfte es keine Überraschung darstellen, was passiert, wenn eine fruchtbare Kätzin und ein potenter Kater aufeinandertreffen. Im Ergebnis kann sich der Tierschutz auf weitere zu versorgende Tiere einstellen. Deshalb hat die Stadt Paderborn ein Kastrationsgebot für in Privathaltung befindliche Freigänger erlassen, um auf diesem Wege die Streunerproblematik zu lindern. Inzwischen wird diese Verordnung bundesweit diskutiert und hat auch schon zu weiteren kommunalen Initiativen geführt. Möglich war dies nur, weil unsere Mitarbeiter Susan Smith und John Pyka in enger Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt der Stadt ihre Maßnahmen abgestimmt haben und die von uns betreuten Katzenbestände genauestens protokolliert haben. Gleichzeitig wurden regelmäßig Meldungen an die Ordnungsbehörden erstellt, sodass die Anzahl der Tiere sowie die vorgenommen Versorgungen detailliert erfasst wurden. Damit wurde die Grundlage für das weitere behördliche und kommunale Handeln gelegt. Fehlen diese Voraussetzungen, ist eine in diesem Falle mehr als drei Jahre andauernde Diskussion grundlegend erschwert. Und ein gemeinsamer Weg zwischen Behörden und Tierschutz wird weiterhin blockiert. Diesen oftmals mühseligen Weg scheuen viele Tierschutzvereine, wollen aber dennoch ein Teil des Projektes Kitty werden. Allerdings sehen sie ihre Aufgabe nur in der Versorgung der Tiere und stellen die von uns skizzierten Anforderungen der kommunalen Zusammenarbeit als in ihrem speziellen Fall als unmöglich dar. Dabei wird auf immer dieselbe Argumentation verwiesen, schließlich müsse man diese akzeptieren und werde dann den halt selbst gestellten Aufgaben weiter nachkommen. Es ist ihnen nicht zu verdeutlichen, dass sie sich damit immer nur zu einem willfährigen Instrument machen lassen, ohne zwingend notwendige Wege zur Lösung zu beschreiten.

Die Problematik der Streunerkatzen muss in die Kommunalpolitik eingebunden werden

Inzwischen können wir auf eine Vielzahl von Erfahrungen zurückgreifen, die zu durchaus vernünftigen Kooperationen mit den Kommunen geführt haben. Allerdings war es immer notwendig, den Dialog zu suchen und in einer sachlichen Form Lösungsansätze aufzuzeigen. Denn bei aller Kritik muss man auch berücksichtigen, dass Behörden gesetzliche Richtlinien erfüllen müssen und nicht plakativen Forderungen ohne Grundlage entsprechen können. Selbst wenn der einzelne Mitarbeiter das Problem erkannt hat, muss er in die Lage versetzt werden, innerhalb der Verwaltung mit Fakten zu argumentieren. Deshalb ist das Verhalten vieler Vereine auch nicht zielführend, wenn sie in vorauseilendem Gehorsam zwar versuchen, sich der Tiere anzunehmen, alle anderen Bereiche aber als leider unmöglich hinnehmen. Die Anforderung, die Kommunen in die Problematik der Streunerkatzen einzubinden, wird auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Projektes Kitty sein. Auch wenn wir damit wieder Gefahr laufen, von einzelnen Vereinen dafür angegriffen zu werden, die diesen Weg nicht gehen können oder wollen. Auch im Tierschutz muss sich die Erkenntnis durchsetzen, da wir uns nicht immer nur auf die Nothilfemaßnahmen reduzieren lassen können.

Aufklärung und Dialog als Präventivmaßnahme

Nachhaltiger Tierschutz muss auch die Rahmen-bedingungen schaffen, um den gesetzten Zielen entsprechen zu können. Dabei ist es nicht nur Inhalt des Projektes Kitty, immer wieder an unzähligen Futterstellen Tiere zu betreuen, sondern dafür Sorge zu tragen, dass Hauskatzen nicht aufgrund menschlicher Verhaltensweisen zu ausgesetzten Streunertieren werden und sich wegen fehlender gemeinschaftlicher Anstrengungen dort weiter vermehren. Solange aber einzelne Initiativen sich selber nur auf die Versorgung der Tiere reduzieren, werden sie diesem Ziel nicht näher kommen. Denn die Erkenntnis, dass man allein auf weiter Flur niemals das inzwischen immens große Problem der bereits vorhandenen Streunerkatzen lösen kann, hat sich in der Praxis bereits durchgesetzt.

Um das zu verändern, wird es allerdings notwendig sein, nicht nur die Tiere zu versorgen, sondern auch mit Menschen einen Dialog zu führen.