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Neues aus der Wildtierstation Von Wildkatzen und gefährlichem Stacheldraht

Junge Wildkatze
Bei den aufgenommenen Tieren handelt es sich überwiegend um Straßenverkehrsopfer oder junge Wildkatzen, die mit Hauskatzenwelpen verwechselt und von Tierfindern unberechtigt mitgenommen werden. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
Drei Wildkatzenwelpen beziehen ihr neues Außengehege. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
Wildkatze
Seit dem Jahr 2012 hat die Wildtierstation 22 Wildkatzen aufgenommen. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
Eröffnung des Wildkatzengeheges
Gäste bei der Eröffnung des Wildkatzengeheges. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
Das neue Wildkatzengehege
Insgesamt stehen nun drei Innengehege mit einer Grundfläche von 50 m² und zwei Außengehege mit einer Grundfläche von 108 m² zur Verfügung, die es erlauben, mehrere Wildkatzen gleichzeitig zu halten. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
Mäusebussard
Die Verletzungen im Halsbereich dieses Mäusebussards konnten genäht werden. Das Schlucken fällt ihm noch schwer. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
Verletzte Schleiereule
Auszubildende Lina Steinborn mit einer Schleiereule, der nicht mehr geholfenwerden konnte. Blutgefäße und Nerven waren gerissen, der Flügelknochen lag frei. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
 
 

Einweihung des neuen Wildkatzengeheges

Von Dr. Florian Brandes, April 2016. Dringend erwartet wurde die Eröffnung der Anlage durch fünf Wildkatzen, die sich zur Pflege in der Wildtierstation befinden und bislang in kleineren und weniger geeigneten Gehegen ausharren mussten. Drei im Herbst 2015 geborene Katzenwelpen, die als Findeltiere in die Station eingeliefert wurden, konnten in Anwesenheit der Gäste in das Außengehege entlassen werden. Mit Fauchen und Knurren machten die noch halbwüchsigen Jungtiere deutlich, dass es sich bei Wildkatzen nicht um Kuscheltiere handelt. Finanziert wurde dieses mit knapp 38.000 Euro teuerste und größte Bauprojekt im Jahr 2015 durch Spendengelder, die über zwei Jahre angespart wurden. Die fehlende Restfinanzierung übernahm dankenswerterweise die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. Das Team der Wildtierstation dankt auch allen privaten Spendern die uns beim Bau unterstützt haben!

Da es bislang kein speziell für Wildkatzen konzipiertes Gehege gab, konnten die Tiere nur in kleineren Gehegen oder Bunkeranlagen ohne Außengehege untergebracht werden. Da aufgrund der positiven Bestandsentwicklung in Niedersachsen in den letzten vier Jahren deutlich mehr Wildkatzenpfleglinge ihren Weg in die Wildtierstation gefunden haben und auch in Zukunft damit zu rechnen ist, wurde ein neues Gehege für Wildkatzen dringend notwendig. So können diesen bessere Bedingungen geboten und sie optimal auf die Auswilderung vorbereitet werden.

Insgesamt stehen nun drei Innengehege mit einer Grundfläche von 50 m² und zwei Außengehege mit einer Grundfläche von 108 m² zur Verfügung, die es erlauben, mehrere Wildkatzen gleichzeitig zu halten. Durch die Unterteilung des Geheges können diese je nach Gesundheitszustand, Sozialstruktur und Alter getrennt oder gemeinsam gehalten werden. Auch die Auswilderung einzelner Tiere ist so möglich.

Zum Hintergrund

Die aktion tier Wildtier- und Artenschutzstation nimmt als eine der größten Auffangstationen für einheimische Tierarten in Norddeutschland in den letzten Jahren regelmäßig verletzte und verwaiste Wildkatzen- Pfleglinge auf. Dabei handelt es sich überwiegend um Straßenverkehrsopfer oder junge Wildkatzen, die mit Hauskatzenwelpen verwechselt und von Tierfindern unberechtigt mitgenommen werden. Seit dem Jahr 2012 hat die Wildtierstation 22 Wildkatzen aufgenommen.


Gefahr durch Stacheldraht – Wildtierstation appelliert an Tierhalter und Landwirte, überflüssige Stacheldrahtzäune abzubauen

Im noch jungen Jahr 2016 hat die aktion tier Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen bereits zwei Pfleglinge aufgenommen, die sich in Stacheldrahtzäunen verfangen und schwer verletzt haben. Ein Mäusebussard hatte Glück im Unglück. Seine Verletzungen im Halsbereich konnte Stationsleiter und Tierarzt Dr. Florian Brandes in einer Operation wieder nähen. Es waren keine lebenswichtigen Organe verletzt, und er befindet sich auf dem Weg der Besserung, auch wenn ihm das Schlucken noch schwerfällt. Weniger Glück hatte die wenige Tage später eingelieferte Schleiereule. Sie hatte sich mit dem rechten Flügel derart in dem Stacheldraht verwickelt, dass Blutgefäße und Nerven zerrissen waren und der Knochen frei lag. Die Eule musste eingeschläfert und so von ihrem Leiden erlöst werden.

Für große Vögel, besonders Greifvögel und Eulen, stellen Stacheldrahtzäune eine große Gefahr dar. Wenn sie bei schlechten Sichtverhältnissen oder nachts tief über Wiesen fliegen, erkennen sie diese oft zu spät und bleiben mit ihren Flügeln darin hängen. Oft sind die Verletzungen so schwerwiegend, dass den Vögeln nicht mehr geholfen werden kann. Da in jedem Jahr Greifvögel und Eulen mit dramatischen Stacheldrahtverletzungen in der Wildtierstation eingeliefert werden, bitten wir darum, Stacheldrahtzäune, die nicht mehr benötigt werden, abzubauen und auch keine Drahtreste an Feld- und Wiesenrändern liegen zu lassen.