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Gefahrentiere in der Wildtierstation

Brillenkaiman in der Wildtierstation
Ein Brillenkaiman in der aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen. Foto: © Wildtierstation Sachsenhagen
Junge Feldhasen.
Junge Feldhasen: Trotz guter Tarnung werden junge Feldhasen immer wieder von Spaziergängern entdeckt und aus Unkenntnis mitgenommen. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
Junger Feldhase
Junger Feldhase bei der Flaschenfütterung. Foto: © aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen
Dickschwanzskorpion
Dieser Dickschwanzskorpion wurde in der Gemüseabteilung eines Supermarktes gefunden. Durch Stiche dieser Art sterben in Afrika jedes Jahr einige Menschen. Foto: © Wildtierstation Sachsenhagen
Eichhörnchen in der Wildtierstation.
Immer wieder werden beim „Frühjahrsputz“ im Garten durch Fällarbeiten und Heckenschneiden ihre Kobel, in denen sich schon Jungtiere befinden, kaputt gemacht. Foto: © Wildtierstation Sachsenhagen
Anna mit Leguan.
Anna füttert in der Wildtierstation Sachsenhagen einen Grünen Leguan. Foto: © Wildtierstation Sachsenhagen
Giftschlange in Sachsenhagen.
Mit der neuen Genehmigung ist die Wildtierstation nun in der Lage, ein weites Spektrum an Gefahrtieren von Giftschlangen bis zum Luchs für Behörden aus ganz Deutschland einzustellen. Foto: © Wildtierstation Sachsenhagen
Foto: © Wildtierstation Sachsenhagen
Berberaffe.
Ein männlicher Berberaffe präsentiert seine Eckzähne. Diese stellen für Menschen gefährliche Waffen dar. Foto: © Wildtierstation Sachsenhagen
Eichhörnchenbaby.
Ein Eichhörnchenbaby wird in der aktion tier Wildtierstation Sachsenhagen gefüttert. Foto: © Wildtierstation Sachsenhagen
 
 

Von Dr. Florian Brandes, Juni 2014. Regelmäßig wird in den Medien über das Problem der Gefahrtierhaltung in Privathand berichtet. Oft sind es Giftschlangen aber auch Skorpione, Krustenechsen oder andere giftige Tiere, die in den Händen verantwortungsloser Halter gefunden werden. Die Haltung solcher Tiere ist nicht bundesweit einheitlich geregelt, aber natürlich müssen immer höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt sein, so dass niemand gefährdet werden kann. Auch muss der Halter über eine entsprechende Sachkunde verfügen. Da diese Anforderungen oft nicht erfüllt sind, stehen Behörden immer wieder vor dem Problem, dass sie Gefahrtiere einziehen müssen, aber kaum Unterbringungsmöglichkeiten in Auffangstationen zu finden sind.

Die aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen hat nun vom Landkreis Schaumburg die Genehmigung zur Haltung solcher Gefahrtiere erhalten. Dafür waren Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter, die Erstellung von Notfallplänen und nicht zuletzt die Ausstattung von Räumen mit Schleusen und sicheren Terrarien nötig, in denen diese Tiere gefahrlos verwahrt werden können. Bereits in der Vergangenheit hat die Wildtierstation Giftschlangen und andere Gefahrtiere im Einzelfall und in enger Absprache mit den zuständigen Behörden untergebracht. Mit der neuen Genehmigung ist die Wildtierstation nun in der Lage, ein weites Spektrum an Gefahrtieren von Giftschlangen bis zum Luchs für Behörden aus ganz Deutschland einzustellen.

Wildtierstation appelliert: Junge Feldhasen nicht stören!

Für die Mitarbeiter der aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen hat die Jungtierzeit begonnen. In den vergangenen Wochen kamen die ersten telefonischen Anfragen von besorgten Tierfreunden, die „verlassene“ junge Feldhasen gefunden haben. Auch die ersten Tiere mussten bereits in der Station aufgenommen werden.

Stationsleiter Dr. Florian Brandes nimmt dies zum Anlass, dringend darauf hinzuweisen, dass gerade junge Feldhasen, die noch keine Fluchtreaktion zeigen, häufig von Spaziergängern entdeckt und aus Unkenntnis unnötigerweise mitgenommen werden. Hier fehlt oft das Wissen über die natürlichen Verhältnisse. Junge Feldhasen kommen in der freien Landschaft mit offenen Augen und vollständig behaart zur Welt. Die Häsin kehrt ausschließlich zum Säugen ein- bis zweimal täglich zu ihnen zurück. Es ist also völlig normal, wenn solche Junghasen allein in Feldern und Wiesen herumsitzen. Besonders schwierig ist es, wohlmeinenden Tierfreunden verständlich zu machen, dass auch ein verlassen wirkendes Hasenjunges nicht verwaist ist und sofort wieder zurück in die winterliche Natur gebracht werden muss, damit seine Mutter es wieder finden kann. Das dichte Fell ist auf schlechte Witterung ausgelegt und auch dass es angefasst wurde, ist kein Argument gegen das Zurückbringen. Versehentlich gefundene, gesunde Feldhasenjunge dürfen auf keinen Fall gestört werden. Spaziergänger sollten sich so schnell wie möglich entfernen und Hunde an die Leine nehmen.

Auch die Eichhörnchen bringen zeitig im März den ersten Wurf zur Welt. Immer wieder werden beim „Frühjahrsputz“ im Garten durch Fällarbeiten und Heckenschneiden ihre Kobel, in denen sich schon Jungtiere befinden, kaputt gemacht. Ist der Kobel entdeckt, aber noch nicht ganz zerstört, sollten die Arbeiten unbedingt unterbrochen werden. Man muss dem Muttertier Zeit und Ruhe geben, um zum Nest zurückzukehren. Auch wenn der Kobel oder Jungtiere angefasst wurden, wird das Muttertier sich weiter um die Jungen kümmern und diese in ein anderes Quartier tragen. Erst wenn die Mutter nach mehreren Stunden nicht zurückgekehrt ist oder die Jungen unterkühlt sind, dürfen sie zur Pflege zu uns gebracht werden. Trotzdem wir „unnötige Findeltiere“ so gut es geht vermeiden, bekommen wir jedes Jahr viele wirklich in Not geratene Findlinge, denen wir helfen müssen. Gerade die Aufzucht von Feldhasen verlangt unserem Team viel ab. Die oft nur wenige Tage alten Hasen benötigen eine spezielle Aufzuchtmilch, vorbeugende Medikamente und sind trotz höchster Hygiene und Sauberkeit sehr anfällig für Durchfallerkrankungen, die im Zweifelsfall tödlich enden können!

Anna und Vincent als Tierpfleger in der Wildtierstation

„Liebe Anna, wir gratulieren Dir zum Gewinn des 1. Preises unserer Sommerfest-Rallye 2013...“ So begann der Brief, den die Wildtierstation der 12jährigen Anna Louis im letzten Jahr geschickt hatte. Ihr Gewinn, ein Tag als Tierpflegerin in der Wildtierstation Sachsenhagen, musste leider jedoch noch solange warten, bis Anna wieder die Großeltern in Deutschland besuchte. Sie wohnt nämlich mit ihrer Familie in Österreich. Doch letzte Woche war es endlich soweit und sie brachte auch gleich ihren 10jährigen Bruder Vincent zur Verstärkung mit. Zuerst ging es auf große Futterrunde zu den Tiergehegen bei den Bunkern, wo die Greifvögel, Emus, Prinz-Alfred- Hirsche und die niedlichen Kattas besucht wurden. Warum die Weibchen bei diesen Halbaffen aus Madagaskar größer und stärker sind als die Männchen und warum sie auch immer zuerst fressen dürfen, erklärte den Beiden der Tierpflege-Azubi Frithjof Behlau. Dann ging es richtig rund. Anna und Vincent hatten viel Spaß beim Ausmisten des Haustierstalles und der Fütterung der Esel. Und auch die Eier der Lakenfelder Hühner wurden sogleich eingesammelt. Diese haben die Geschwister dann auch mit nach Hause genommen. „Die gibt es morgen zum Frühstück“, erklärte Vincent. Bei der Futterzubereitung in der Futterküche haben die beiden kräftig mit angepackt und hatten viel Spaß. Das Futter wurde genau aufgeteilt und auch sogleich zu den Tieren gebracht. Vor den laut krächzenden Papageien hatten die beiden großen Respekt. „Uh, ist das laut hier“, lachte Vincent und hielt sich die Ohren zu. Doch dann war Anna mutig und brachte die Futterschalen in die Voliere. Die Amazonen kletterten ihr neugierig entgegen, um zu schauen, was sie für Leckereien mitgebracht hatte. Auch die Riesenschlagen der Station wurden besichtigt und die großen Grünen Leguane gefüttert. Miriam Obermüller, derzeit im einjährigen Bundesfreiwilligendienst in der Wildtierstation, erklärte, was diese exotischen Tiere fressen und wie sie sich verhalten. Nachmittags, gegen 15 Uhr war der Tag dann beendet und Anna und Vincent bedankten sich noch mit einer großen Pralinenschachtel beim ganzen Team der Wildtierstation. Was ihnen am besten gefallen hatte, wollte Claudia Dadzio, Mitarbeiterin in der Verwaltung, noch von den Kindern wissen. „Die Kattas haben mir am besten gefallen“, überlegte Anna „aber eigentlich einfach alle Tiere.“ Ihrem Bruder Vincent gefielen vor allem die Steppenfüchse, Hirsche und die Greifvögel. „Wir kommen gerne mal wieder zu Besuch, hier sind alle so nett“, hieß es zum Abschied aus den Mündern von Anna und Vincent. Das ganze Team der Wildtierstation freut sich schon darauf.