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Von Singvogel bis Sommerfest

Angeschossener Graureiher. Foto: © aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen
Röntgenbild des Graureihers mit Luftgewehr Projektilen. Foto: © aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen
 
 

Ein Bericht von Dr. Florian Brandes

Die aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen ist eine vom Land Niedersachsen anerkannte Auffangstation für Wildtiere. Bei uns finden verletzte und verwaiste einheimische Wildtiere medizinische Versorgung und eine artgerechte Bleibe für die Zeit der Genesung. Oberstes Ziel ist die Auswilderung der rehabilitierten Tiere. Rund 2000 Tiere werden jährlich aufgenommen und versorgt.

Im August ist ein verletzter Graureiher durch eine aufmerksame Finderin in die Wildtierstation Sachsenhagen gebracht worden. Bei der Eingangsuntersuchung wurde eine Schussverletzung festgestellt. Die vom Stationsleiter und Fachtierarzt für Wildtiere Dr. Florian Brandes vorgenommene röntgenologische Untersuchung ergab als Befund, dass zwei Luftgewehrprojektile im Vogel stecken. „Es ist unglaublich, dass Personen einfach auf geschützte Wildvögel schießen. Das arme Tier ist durch die Schussverletzungen flugunfähig“, ärgert sich Dr. Brandes. Die Wildtierstation hat den Fall bei der Polizei Wunstorf zur Anzeige gebracht, der Graureiher ist in Großenheidorn (Region Hannover) gefunden worden. Der Graureiher ist am nächsten Tag operiert worden, eine Kugel konnte entfernt werden, die andere wurde an Ort und Stelle belassen, weil sie so tief in der Muskulatur steckte, dass sie nicht hätte entfernt werden können ohne größere Schäden am Gewebe anzurichten. Der Reiher befindet sich auf dem Weg der Besserung, „Wir hoffen, ihn bald wieder auswildern zu können“ so Dr. Brandes. Zurzeit befindet sich der Vogel in der Außenanlage der Wildtierstation.

Sommerfest in der Wildtierstation

Gottesdienst auf dem Sommerfest. Foto: © aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen
Gruppenbild Sommerfest. Foto: © aktion tier-Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen
 
 

Jedes Jahr kommen rund 700 Singvögel, vor allem verwaiste Jungvögel, in die Wildtierstation Sachsenhagen. Die meisten Tierfinder haben keine Vorstellung welch ein Arbeitsaufwand das Team der Tierpflege während der Jungtierzeit zu bewältigen hat! Die Jungvögel werden von 6:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr abends in mehreren Schichten durchgehend versorgt. Das notwendige Insektenfutter kostet mehrere tausend Euro im Jahr. Um dies leisten und den Jungtieren den bestmöglichen Start in die Zukunft ermöglichen zu können, wurde das Sommerfest unter dem Motto „Amsel, Drossel, Fink und Star“ gestellt!

Den Beginn machte ein Gottesdienst der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Sachsenhagen, danach startete das Team der Wildtierstation mit den Führungen. Viele Besucher machten sich auf den Weg zum Bunkergelände, welches nur einmal im Jahr am Sommerfest besichtigt werden kann. Auch die Führungen im Exotentrakt, wo die Papageien, Schlangen und andere Reptilien untergebracht sind, waren sehr beliebt. Viele Vereine aus dem Natur- und Artenschutz informierten an Ständen entlang des Weges über ihre Arbeit und boten kurzweilige Aktionen an. Sehr gefreut haben sich die Standbetreiber über das sehr interessierte Publikum. So berichteten alle Teilnehmer von sehr netten Gesprächen mit den Gästen. Auf der Kinderwiese gab es neben den bekannten Attraktionen, wie z.B. Kinderschminken, Stockbrot backen und Basteln, dieses Jahr eine Hüpfburg, die von den Kindern belagert wurde.

Dabei waren beim Sommerfest:

aktion tier – menschen für tiere, BUND Arbeitsgruppe Fledermäuse, Hauptzollamt Hannover, Imker Karsten Schön, Jägerschaft Schaumburg, NABU Sachsenhagen, Naturpark Steinhuder Meer, Sielmann Natur Ranger, Zoofreunde Hannover, Zoologische Gesellschaft für Arten- u. Populationsschutz (ZGAP).

Ein großes DANKESCHÖN ging an alle Teilnehmer und unermüdlichen Helfer, denn ohne die Hilfe ist eine solche Aktion nicht möglich.

Junge Schwäne erfolgreich aufgezogen

In diesem Jahr wurden mehrere junge Schwäne in der Wildtierstation aufgenommen. Zum Teil seit Juni lebten die Schwäne in der Station, erst in den Innenräumen der Jungtieraufzucht und dann im Wasservogelgehege. Alle Tiere konnten nun Anfang Oktober am Steinhuder Meer ausgewildert werden.

Den Tierschutz weiter voran bringen – das ist das Hauptziel für die Mitglieder des niedersächsischen Tierschutzbeirates. Dabei konstituiert sich das Gremium alle drei Jahre neu. Anfang Oktober kamen nun 16 Fachleute unterschiedlichster Institutionen auf Einladung von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast zusammen. Erstmals wurde in dieser Periode auch der Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen Dr. Florian Brandes in dieses Gremium berufen.

Für die Ministerin ist der Beirat ein ganz zentraler Bestandteil, wenn es darum geht, Lösungsvorschläge zu Fragen des Tierschutzes zu entwickeln. Sie bedankte sich bei den Mitgliedern für die Bereitschaft, sich ehrenamtlich in dem Gremium zu engagieren und hob die Bedeutung ihrer Arbeit hervor. Barbara Otte-Kinast: „Das Land Niedersachsen ist sich seiner Verantwortung als Tierhaltungsstandort sehr bewusst, und wir gehen bereits jetzt in vielen Bereichen mit gutem Beispiel voran. Dennoch können wir noch vieles besser machen, um den Tierschutz weiter voran zu bringen. Dabei stehen wir vor großen Herausforderungen – etwa bei der Schweinezucht und -haltung, bei der Schlachtung von Nutztieren oder auch den Transporten von Zucht- und Schlachttieren in das Ausland“. Die Expertise und die Erfahrungen der Beiratsmitglieder seien hier von großem Wert.