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Diabetes mellitus bei Hund und Katze

Auch Vierbeiner sollen mal naschen dürfen: Doch aufgepasst! Zuviel des Guten kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Neben Übergewicht mit all seinen Konsequenzen wie Arthrosen und Herz-Kreislauf-Problemen können Tiere auch an Diabetes mellitus – landläufig „Zucker“ genannt – erkranken.

Von Dr. Tina Hölscher, Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V. | Sepmtember 2019

Ein zuckerkrankes Tier hat in der Regel zu viel Zucker im Blut. Meist deshalb, weil das Hormon Insulin fehlt. Insulin sorgt normalerweise dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird. Wenn alles richtig funktioniert, sinkt damit der Blutzuckerspiegel. Fehlt dieses Hormon oder wirkt es nicht richtig, bleibt der Zuckerspiegel hoch und die Körperzellen werden unterversorgt. Dadurch entstehen Schäden an Herz, Leber, Niere und Defekte am Nervensystem. Ohne Behandlung droht einem betroffenen Tier langfristig sogar der Tod.

Man unterscheidet Diabetes Typ I, bei dem ein absoluter Insulinmangel vorliegt, was erbliche Gründe haben kann. Bei dieser Diabetesform hat der Tierbesitzer kaum Einfluss auf die Krankheitsentstehung. Sie kommt bei Hunden relativ häufig vor, bei Katzen eher selten. Anders bei der erworbenen Form, dem Diabetes Typ II. Diese Art der Zuckerkrankheit tritt vor allem bei übergewichtigen Tieren auf, die ständig mehr Kalorien zu sich nehmen, als sie benötigen würden. Nach einigen Monaten schafft es der Körper nicht mehr, soviel Insulin zu produzieren, dass der Blutzuckerspiegel auf das nötige Niveau gesenkt werden kann. Zudem gibt es einige Grundkrankheiten, die einen Diabetes mellitus auslösen können. Dazu gehören beispielsweise Defekte der Schilddrüse oder auch der Bauchspeicheldrüse.

Bei Hunden sind vor allem weibliche Tiere ab einem Alter von sieben Jahren und mehr betroffen. Aufgrund des Zusammenspiels der weiblichen Geschlechtshormone hilft hier manchmal eine Kastration, um das sensible Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei Katzen trifft es Kater genauso häufig wie Kätzinnen, meist handelt es sich um übergewichtige Tiere über zehn Jahre. Immerhin jede hundertste Katze bzw. Hund bekommt Diabetes. Unter den Nagetieren sind Degus besonders gefährdet an Diabetes mellitus zu erkranken.

Erste Anzeichen einer Diabetes Erkrankung

Dicke Katze in einer Tierarztpraxis. Foto: © aktion tier, Dr. Tina Hölscher

Im Anfangsstadium der Krankheit fällt aufmerksamen Besitzern auf, dass ihr Tier ungewöhnlich viel trinkt und auch mehr Urin absetzt als früher. Der Appetit weicht von der Norm ab, die meisten Tiere fressen mehr, andere weniger als zuvor. Zu Beginn sind die Patienten eher dick, magern aber zunehmend ab, wenn sie nicht behandelt werden. Der Atem riecht „fruchtig“, der Urin „aromatisch“ bis „stechend“. Allgemein heilen Wunden am Tierkörper schlechter. Katzen benutzen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium die Hinterbeine ein bisschen anders als normalerweise. Sie setzen den ganzen Hinterfuß bis zum Sprunggelenk auf. Fachleute sprechen vom plantigraden Gangbild. Vor allem bei Hunden trübt sich die Linse ein. Das, was ehemals schwarz im Auge war, erscheint plötzlich milchig. Das Tier erblindet. Hiervon muss allerdings die normale Linsentrübung im Alter abgegrenzt werden. Sie hat nichts mit Diabetes zu tun.

Sollte der Tierbesitzer eines oder sogar mehrere dieser Symptome bei seinem Tier erkennen, muss ein Tierarzt seinen Liebling untersuchen. Vor allem bei der Katze ist nicht allein der Glukosespiegel, der im Rahmen einer Untersuchung gemessen wird, aussagekräftig, da dieser bei Katzen in Stresssituationen immer noch oben schießt. Hohe Zuckerwerte während eines Tierarztbesuches sind also als völlig normal anzusehen. Glücklicherweise gibt es aber einen weiteren Wert, der diesbezüglich mehr Aussagekraft hat. Es handelt sich um das Fruktosamin. Mit ihm kann eine Diabeteserkrankung zweifelsfrei diagnostiziert werden. Liegt eine Diabetes vor, wird der Spiegel zu verschiedenen Tageszeiten gemessen und abhängig vom Ergebnis soviel Insulin gespritzt, wie nötig ist, um den Mangel auszugleichen. Durch diese Methode wird der Vierbeiner auf die Insulindosis eingestellt, die er individuell langfristig benötigt. Messen und spritzen tut zunächst der Tierarzt. Dann geht es nach Hause, und der Besitzer übernimmt die Behandlung. Was sich erst einmal schwer anhört, wird bald zur Routine. Fast alle Tierliebhaber schaffen es, ihr Tier selbst zu behandeln. In wenigen leichten Fällen reicht auch eine bestimmte Diät, die mit dem Tierarzt abgestimmt werden muss. Das Übergewicht sollte in jedem Fall nur langsam – nicht schlagartig – reduziert werden.

Kein Zucker!

Um der Zuckerkrankheit vorzubeugen, muss beim Tier auf eine artgerechte Ernährung geachtet werden. Sahnetorte und Pralinen gehören nicht auf den tierischen Speiseplan. Aus ganz anderen Gründen dürfen z.B. Schokolade oder Kuchen mit Kuvertüre nicht in den Napf: Kakao enthält Theobromin. 100 mg auf 1 kg Körpergewicht wirken tödlich, d.h. eine Tafel Zartbitterschokolade reicht aus, um einen Chihuahua zu töten, ein paar Stücke, um ihn massiv zu vergiften!

Ein geregelter Tagesablauf hilft bei der Behandlung

Dicker Mops.

Ob das Tier gut eingestellt oder im besten Fall sogar geheilt werden kann, hängt zum Großteil vom Tierbesitzer ab. Ist er bereit, häufig zu messen und entsprechend zu spritzen und ist er zudem in der Lage, dies auch umzusetzen, stehen die Chancen nicht schlecht für ein langes Tierleben. Doch hierfür braucht auch der Halter einen geregelten Tagesablauf. Im Urlaub muss für eine entsprechende Vertretung gesorgt werden. Letzten Endes benötigt er auch die finanziellen Mittel, um eine derartige Therapie zu stemmen. Hat ein Hund seine Sehfähigkeit durch die Zuckerkrankheit verloren und ist sein Blutzucker schließlich richtig eingestellt, kann sogar die Linse in einem operativen Eingriff entfernt werden, um dem Tier das Sehen wieder zu ermöglichen.

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