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Exotisch – Zungenlähmung beim Chamäleon

Chamäleon in der Reptilienstation der Tierschutzzentrums 'aktion tier Meissen'. Foto: © Ursula Bauer

Es gibt wichtige Körperteile und besonders wichtige Körperteile. Zu letzteren gehört zumindest für ein Chamäleon definitiv seine Zunge. Sie ist extrem lang und dient dem Reptil dazu, seine Beutetiere zu fangen. Umso gefürchteter ist unter Chamäleonfreunden die Lähmung dieses wichtigen Organs.

Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher, Tierärztin bei aktion tier e.V | April 2017. 

Dem Halter fällt zunächst nur auf, dass die Zunge schlaff aus dem Maul heraushängt. In aller Regel machen sich die Reptilienbesitzer zunächst noch nicht so große Sorgen und hoffen, dass sich die Geschichte von alleine wieder einrenkt. Doch diese Entspanntheit ist hier fehl am Platze. Meist steckt eine schwerwiegende Ursache hinter dieser Auffälligkeit.

Das Chamäleon kann sich zum Beispiel verletzt haben, indem es mit seiner Zunge an einem Ast oder Felsvorsprung beim Beutefang hängengeblieben ist. Denn wie die meisten wissen, fangen Chamäleons ihre Opfer durch Hervorschnellen der Zunge, die sich dann am vermeintlichen Leckerbissen festsaugt. Das klappt nicht immer, und manchmal „schießt“ das Reptil auch daneben. Entweder ist es dabei zur Fraktur des Zungenbeins, also des knöchernen Halteapparates der Zunge gekommen, oder aber ein Muskelriss ist beim Hängenbleiben entstanden.

Eine unsachgemäße Fütterung mit einer Pinzette führt ebenfalls zu Verletzungen der Zunge. Neben diesen Auslösern kommt aber auch ein Vitamin- oder Kalziummangel als Grund für die Lähmungserscheinung in Betracht. Gerade bei weiblichen Tieren kann die Eierbildung – auch ohne dass ein Männchen anwesend ist – zu Kalziummangel führen. Die ausreichende Versorgung von Chamäleons mit UV-Licht und Kalzium ist generell essentiell, nicht nur zur Verhinderung der Zungenlähmung. Auch viele andere schwerwiegende Erkrankungen der Reptilien werden durch UV- und Kalziummangel ausgelöst. Egal was die Ursache ist, die Folgen sind dramatisch. Das Tier kann selbstständig kein Futter mehr aufnehmen. Langfristig wird es ohne menschliche Hilfe verhungern. Beobachtet ein Tierhalter dieses Phänomen, sollte er also unbedingt zu einem Tierarzt gehen, der sich mit Reptilien auskennt. Nur ein Kenner dieser Spezies kann hier helfen. Der Veterinär wird nun versuchen, die Zunge vorsichtig ins Maul zurück zu verlagern. Dazu wird der Mund geöffnet und in dieser Stellung gut festgehalten. Dann wird die Zunge ganz allmählich zurückgeschoben. Dabei wird der Zunge die Chance gegeben, sich selbst zu kontrahieren und in die physiologische Lage zurück zu ziehen. Keinesfalls darf die Zunge gerollt werden, wie manch einer glaubt. Bei der Reposition muss der Behandelnde aufpassen, dass der Patient seine Zunge nicht selbst abbeißt oder gar verschluckt.

Gelingt dies nicht, hilft nur noch die Amputation des gelähmten Körperteils. Dazu muss das Reptil wenigstens eine lokale Narkose erhalten. Die Zunge wird dazu am Stumpf abgebunden und entfernt. Eine selbstständige Wasseraufnahme mit der Restzunge ist in aller Regel möglich. Nur die Fütterung muss ab jetzt mit Hilfe einer Pinzette erfolgen. Das Tier ist nun lebenslang voll von seinem Halter abhängig. Macht der sich jedoch die Mühe, seinen Schützling gewissenhaft zu versorgen, kann auch ein Chamäleon ohne Zunge alt werden.

Auflistung reptilienkundiger Tierärzte

Eine Auflistung reptilienkundiger Tierärzte finden Chamäleonfreunde auf der Homepage des DGHT e.V. (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V.) www.dght.de unter dem Unterpunkt Tierarztliste.

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