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Ist meine Schildkröte gesund?

Reptilienhaltung ist anspruchsvoll. Foto: DaFranzos / CC0 1.0 Universell CC0 1.0
Beispiel einer Wasserschildkrötenhaltung im Außenbereich. Foto: © Sue Diedrichs
 
 

Von Dr. Tina Hölscher, September 2016. Ob es einer Schildkröte gut geht oder nicht, ist in aller erster Linie von den Haltungsbedingungen abhängig. Sind die optimal, sind die Voraussetzungen gut, dass eine in menschlicher Obhut gehaltene Schildkröte ein hohes Lebensalter erreicht.

Aber woran erkennt man, ob alles in Ordnung ist? Schwanz wedeln oder Schnurren fällt aus. Doch man muss die Zeichen nur zu deuten wissen, dann kann man als aufmerksamer Reptilienhalter relativ leicht erkennen, wie es um den Schützling steht.

Fressverhalten

Hat die Schildkröte einen gesunden Appetit, deutet dies auf einen guten Allgemeinzustand hin. Fressunlust hingegen kann Ausdruck einer Infektionskrankheit durch Viren, Bakterien oder auch Parasiten sein. Ein Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt oder Eier, die im Geschlechtsapparat von weiblichen Tieren (auch wenn sie alleine gehalten werden) feststecken, sorgen auch dafür, dass das Tier nichts mehr fressen mag. Es muss ein Tier- arzt aufgesucht werden.

Augen-, Mund- oder Nasenausfluss

Trieft eine Schildkröte aus der Nase, hat sie sich vermutlich eine Erkältung eingefangen. Je nach Stärke und Beschaffenheit der Flüssigkeit kann das Reptil sogar unter Atemnot leiden. Im schlimmsten Fall wird daraus eine Lungenentzündung und die Schildkröte verstirbt. Das passiert leider gar nicht so selten. Schuld sind meist fiese Viren oder auch Bakterien, die das Reptil krank machen. Auch manche Vergiftungen gehen mit einer derartigen Sekretion einher. In jedem Fall braucht das Tier Hilfe. Verspeist eine Landschildkröte eine schleimige Nacktschnecke, kann dies Schleimproduktion vortäuschen, die sich aber schnell wieder von selbst legt.

Beschaffenheit des Panzers

Das Aussehen und die Härte des Panzers lassen wichtige Rückschlüsse auf den Zustand des Tieres zu. Er sollte frei von weißlichen Flecken oder gar Löchern sein. Die Platten müssen bei den gängigen Schildkrötenarten hart und nicht eindrückbar sein. UV- oder Kalziummangel führt zu Rachitis und damit zu einem weichen Panzer. Zu wenige, aber auch zu viele (!) Vitamine bedingen ein gestörtes Wachs- tum des Panzers und der Haut an den Gliedmaßen und dem Kopf. Rötliche Verfärbungen auf dem Bauchpanzer deuten auf eine Entzündung hin. Wenige durchsichtige Fransen hingegen können im Anschluss an eine Häutung vorhanden sein und sind unbedenklich.

Kopfform

Man sollte es nicht meinen: Auch Schildkröten können eine Mittelohrentzündung bekommen. Und das kommt sogar relativ häufig vor. Dem Besitzer fällt eine Ausbuchtung seitlich am Kopf auf. Der Besuch beim Tierarzt muss sein. Er eröffnet die Umfangsvermehrung, entfernt das entzündete Gewebe mit einem scharfen Löffel und verabreicht ein Antibiotikum.

Neben diesen äußerlichen Merkmalen, an denen Schildkrötenhalter erkennen können, ob ihr Tier in einem guten Zustand ist, gilt es zwei weitere Grundpfeiler der Schildkrötenhaltung zu beachten, die Grundvoraussetzung sind, gesunde Tiere sein Eigen zu nennen.

Fütterung

Oberstes Gebot ist, dass das Tier artgerecht ernährt wird und das im wahrsten Sinne des Wortes. Auf gut Deutsch heißt das nämlich, dass die Schildkröte möglichst das fressen soll, was sie in Freiheit auch verspeisen würde. Je nach Art kann das ganz unterschiedliches Futter sein. Der Besitzer muss sich entsprechend informieren. Macht er hier Fehler, kann dies zum Beispiel zu Gicht führen. Dies ist eine schlimme Erkrankung, die ähnlich wie beim Menschen so gut wie nicht mehr heilbar ist. Sie entsteht unter anderem durch zu viel Protein in der Nahrung. Manchmal entwickeln gerade Schildkröten von Haltern, die es besonders gut meinen, eine Gichterkrankung, weil der Fleisch- bzw. Fischanteil im Futter zu hoch ist.

Winterschlaf

Je mehr die Haltung in Gefangenschaft dem Leben in freier Wildbahn ähnelt, umso besser geht es dem Tier. Daher sollten auch unsere „Hausschildkröten“ Winterschlaf halten dürfen. Dies wird oft unterschätzt und damit für nicht wichtig erachtet. Darf die Schildkröte im Winter schlafen, werden alle Organe je nach Jahreszeit „hoch- und wieder heruntergefahren“ und somit so beansprucht wie es die Natur vorgesehen hat.