Logo Aktion-Tier

Neugierige RaubtiereFrettchen – das unbekannte Wesen

Frettchen
Grundsätzlich sind Frettchen neugierige, verspielte Genossen, die gerne Kontakt mit Menschen haben. Foto: MichaelSehlmeyer / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher, September 2016. Ein Frettchen als Haustier? Geht das überhaupt? Nun ja, unter bestimmten Voraussetzungen schon. Doch die müssen erfüllt sein. Nur dann haben Tier und Mensch Freude aneinander. Frettchen sind Raubtiere und gehören zur Familie der Marderartigen. Sie können bei guter Pflege bis zu zehn Jahre alt werden.

Grundsätzlich sind Frettchen neugierige, verspielte Genossen, die gerne Kontakt mit Menschen haben. Bietet man ihnen viel Abwechslung und beschäftigt sich intensiv mit ihnen, können sie richtig zahm werden. Allerdings auch nur dann. Überlässt man sie mehr sich selbst, bleiben sie Raubtiere, die ordentlich zubeißen können. Frettchen sollten nie alleine gehalten werden, sondern wenigstens paarweise.

Unterbringung

Was den Käfig betrifft ist pro Paar ein Mindestmaß von zwei bis drei Kubikmetern anzusetzen, je größer umso besser. Wirklich ausreichend große Käfige im Handel gibt es kaum. Kostengünstiger und sicher auch schöner ist es, einen Käfig selber zu bauen. Im Internet findet man viele gute Käfigbauanleitungen. Je attraktiver das Zuhause wird, umso wohler fühlen sich die Bewohner. Doch so gemütlich und groß der Käfig auch ist, Frettchen brauchen darüber hinaus täglich Auslauf. So gesehen beanspruchen diese Mitbewohner also im Prinzip mindestens ein ganzes Zimmer. Hierin dürfen sich keine Gegenstände befinden, an denen sie sich verletzen können. Giftpflanzen müssen verbannt werden. Medikamentenschachteln und ähnlich attraktives, aber gefährliches Spielzeug gehören nicht in diesen Raum. Der Käfig muss täglich gereinigt werden. Frettchen sind saubere Tiere. Sie mögen es nicht, ihren Ausscheidungen in großem Umfang ausgesetzt zu sein. Daher muss der Halter Kot und Urin jeden Tag entfernen.

Einrichtung

Hier sind der Phantasie des Tierhalters keine Grenzen gesetzt. Frettchen mögen beispielsweise gerne Höhlen, um sich zu verstecken. Dazu eignen sich Schuhkartons mit hineingeschnittenen Löchern. Sie können zusätzlich mit Tüchern ausgelegt sein, damit die Angelegenheit richtig kuschelig wird. Dicke Pappröhren werden gerne als Spielzeug angenommen und können zu ganzen Röhrensystemen verbunden werden. Kratzbäume, die eigentlich für Katzen gedacht sind, ermöglichen Schlafplätze auf verschiedenen Ebenen. Ein Wasser- und ein Futternapf gehören selbstverständlich zum Inventar. Frettchen mögen es, wenn immer mal wieder etwas Neues zum Spielen angeboten wird. Nur zu voll sollte der Käfig nicht gestellt werden. Platz zum Toben muss schließlich auch noch sein.

Pflege

Liebevolle Halter bürsten das Fell ihres Frettchens ab und an mit einer Babybürste. Die Augen sollen klar und ohne Ausfluss sein, die Ohren sauber ohne braune Beläge. Gelegentlich ist ein Blick ins Maul angesagt, um faule oder abgebrochene Zähne sowie Zahnstein frühzeitig erkennen zu können. Das Kürzen der Krallen gehört zum Standardprogramm. In Gefangenschaft nutzen sich die Krallen nicht ab, wie es in der Natur der Fall wäre. Daher müssen sie vom Halter regelmäßig auf ein normales Maß abgeschnitten werden. Frettchen sollten vom Tierarzt in jedem Fall gegen Staupe und Parvovirose sowie eventuell gegen Tollwut geimpft werden.

Fütterung

Auf dem Speiseplan steht eiweißreiche Kost. Im Klartext heißt das viel Fleisch. Entweder in Form von Fertigfutter oder auch als ganze Beutetiere. Gerne fressen Frettchen Küken, kleine Schlangen, Würmer und Mäuse. Klingt gruselig, ist aber leider von der Natur so vorgesehen. Doch auch Gemüse und Obst werden gerne genommen. Die Futterzusammensetzung sollte insgesamt sehr abwechslungsreich sein. Täglich wird zweimal gefüttert. Das Futter selbst muss immer frisch und von guter Qualität sein. Wasser trinken Frettchen besser aus Schalen. Kleintränken mit Nippeln eignen sich nicht für Frettchen.

Anschaffung

Frettchen bekommt man entweder beim Züchter, im Tierheim oder aus dem Zoofachhandel. Während Tiere aus den beiden erst genannten Quellen fast immer gesund sind, sind Tiere aus Zoogeschäften oft krank. Daher sollte man dort keine Frettchen erwerben. Will man junge Tiere, bleibt fast nur der Weg zum Züchter. Tiere aus Tierheimen haben den Vorteil, dass sie oft schon handzahm sind, und man sich die mühevolle und zeitraubende Annäherung erspart. Außerdem sind sie meist bereits geimpft.

Sonstiges

Will man mit Frettchen reisen, gelten strenge Bestimmungen. Sie benötigen beim Grenzübertritt einen Mikrochip unter der Haut sowie einen Europäischen Heimtierpass mit einer darin dokumentierten Tollwutimpfung. Frettchen kann man dazu erziehen, stubenrein zu werden. Das erfordert jedoch Geduld und Konsequenz und geht nicht von heute auf morgen. Ist man bereit viel Zeit zu investieren, kann man ihnen auch beibringen auf Ruf zu kommen und unerwünschtes Verhalten, welcher Natur auch immer, bleiben zu lassen. Frettchen werden mit spätestens einem Jahr geschlechtsreif. Sie sollten dann auch kastriert werden, egal ob es sich um Buben, in der Fachsprache Rüden, oder Mädchen, auch Fähen genannt, handelt. Unterbleibt die Kastration, fallen weibliche Tiere häufig in die unter Umständen tödlich endende Dauerranz. Unkastrierte Rüden decken unentwegt alles was ihnen über den Weg läuft. Dies kann zu großen Spannungen zwischen den Tieren führen.

Fazit

Alles in allem kann man Frettchen durchaus als Haustier halten. Diese Tierart erfordert aber in erster Linie Zeit, an zweiter Stelle nicht unerheblich Platz und zudem eine ordentliche Stange Geld für Futter, Unterbringung und Tierarzt. Darüber sollten sich potentielle Frettchenhalter im Klaren sein!