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Platte Nase – süß, aber oft problematisch

Mops
Ein verkürzter Gesichtsschädel mag niedlich anzuschauen sein, doch bringt diese Gesichtsform oft Probleme mit sich. Foto: eduardops93 / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

Von Dr. Tina Hölscher, Dezember 2016. Sie sind in Mode: Pekinesen, Möpse und vor allem Französische Bulldoggen. Jede Rasse für sich ist ganz eigen. Sowohl was das äußere Erscheinungsbild als auch die Charaktereigenschaften betrifft. Zwei Dinge aber haben die genannten Hundetypen gemeinsam. Zum einen handelt es sich um besonders freundliche Hunde, die Menschen gegenüber sehr zugewandt sind. Zum anderen aber – und das soll hier unser Thema sein – haben sie einen extrem verkürzten Gesichtsschädel. Im Fachjargon bezeichnet man diese Rassen als „brachycephal“. Damit sind sie zwar niedlich anzuschauen, doch bringt diese Gesichtsform oft Probleme mit sich.

An erster Stelle steht die Verengung der Atemwege. Die Knorpelanteile der Nase sind bei diesen Hunderassen verdickt. Dies führt zu einer Einengung der Nasenlöcher. Zudem ist das Gaumensegel etwas nach hinten versetzt. Auch das bedingt eine Einengung des Lumens, also des Durchmessers der atemführenden Wege. Häufig kommt eine Instabilität des Kehlkopfes oder auch der Luftröhre hinzu. In der Summe kann dies zu einer röchelnden Atmung und zu unzureichender Sauerstoffsättigung im Blut führen. Hat das Tier einmal eine Erkältung, verschlimmert sich der Zustand zudem. Es kann echte Atemnot entstehen.

Ein weiteres Problem ist die Thermoregulation. Grundsätzlich haben Hunde keine Schweißdrüsen. Sie können Wärme nur über die Zunge (in geringem Maße auch über die Pfoten) abgeben, indem sie hecheln. Bei den kurzköpfigen Hunderassen ist die Zunge verkürzt und verdickt im Vergleich zu Hunden mit normalem Gesichtsschädel. Das bedeutet in der Konsequenz, dass sie Wärme nicht in gleichem Maße über die Zunge abgeben können wie andere Hunde. Somit neigen sie zur Überhitzung. Eine wirkliche Lösung für all diese Probleme gibt es nicht. In dramatischen Fällen können Operationen gewagt werden, die die Atemnot beseitigen sollen. Leider bringen sie oft nicht den gewünschten Erfolg. Zudem sind sie teuer und häufig mit Komplikationen behaftet. Zu diesen Eingriffen kann also nur geraten werden, wenn die betroffenen Tiere im Alltag extreme Beschwerden bei der Atmung haben.

Rückzüchtungen bei Zuchtverbänden

Von diesen Schwierigkeiten sind ja glücklicherweise nicht alle Individuen einer Rasse betroffen, aber leider doch viele. Etliche Züchter sowie die Zuchtverbände haben das Problem erkannt und bemühen sich um eine Rückzüchtung und damit zur Elimination der Rassedefekte. Leider gelingt das nicht immer. Zur Erläuterung ein Beispiel: Der Genpool der Englischen Bulldogge ist sehr klein. Das bedeutet, dass alle heute lebenden Englischen Bulldoggen auf nur wenige Zuchttiere zurückzuführen sind. Damit ist keine große Varianz im genetischen Material vorhanden. So bleiben große Zweifel, ob es langfristig gelingt, Individuen dieser Rasse zu züchten, die keine Defekte haben. Tierliebhaber sollten sich vor der Anschaffung eines Welpen gut überlegen, ob sie das Risiko eingehen wollen, ein Tier zu erwerben, das unter Atemnot leidet. Im Welpenalter lässt sich nämlich noch nicht absehen, wie sich die Kurzschädeligkeit eines Junghundes langfristig entwickelt.

Problematik Maulkorb

Hunde der betroffenen Hunderassen sind meist sehr liebevolle Vierbeiner. Ihnen einen Maulkorb aufzuzwängen ist in den seltensten Fällen nötig, um tatsächlich Beißvorfälle zu verhindern. Nichts desto trotz gibt es in einigen Bundesländern bzw. Gemeinden Vorschriften, die den Halter dazu verdonnern, seinem Hund in Bus und Bahn oder auf öffentlichen Veranstaltungen einen Maulkorb anzuziehen. Damit hat man besonders bei brachycephalen Hunderassen seine liebe Not.

Keinesfalls darf man den erstbesten Maulkorb im Internet kaufen, denn der passt ganz sicher nicht. Doch aufgrund dessen, dass speziell diese Hunderassen momentan eine Renaissance erleben, wird man nach etwas Recherche auch fündig. Einige Händler bieten Modelle an, die speziell auf diese Kopfform abgestimmt sind. Meist umfassen sie den ganzen Schädel, damit der Korb nicht abrutscht. Im angezogenen Zustand kein schöner Anblick, doch oft genügt es, ein entsprechendes Beißkorbmodell mit sich zu führen. Umgarnt der Kleine den Kontrolleur dann noch mit seinem Charme, rückt die Pflicht, den Maulkorb zu tragen, dann auch schnell in den Hintergrund.

Schwere Geburt

Die rundliche Schädelform ist außerdem mit verantwortlich für Geburtsschwierigkeiten bei diesen Rassen. Viele Welpen müssen per Kaiserschnitt entbunden werden, da sie aufgrund ihrer Kopfform nicht gut durch den Geburtskanal rutschen.

Foto: Ursula Bauer

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