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MassentötungenKeine Lösung für rumänische Straßenhunde?

Niemand weiß genau, wieviele Straßenhunde es in Bukarest gibt. Vermutlich sind es mehrere Zehntausende.
Niemand weiß genau, wieviele Straßenhunde es in Bukarest gibt. Vermutlich sind es mehrere Zehntausende. Foto: aktion tier e.V./Knieling
Das Leben auf der Straße wird für die rumänischen Hunde immer schwerer.
Das Leben auf der Straße wird für die rumänischen Hunde immer schwerer. Foto: aktion tier e.V./Knieling
Ungeachtet aller Proteste hat das rumänische Verfassungsgericht einen Gesetzesentwurf des Parlaments für verfassungsgemäß erklärt, welches eine Euthanasie von Straßenhunden möglich macht.
Ungeachtet aller Proteste hat das rumänische Verfassungsgericht einen Gesetzesentwurf des Parlaments für verfassungsgemäß erklärt, welches eine Euthanasie von Straßenhunden möglich macht. Foto: aktion tier e.V./Knieling
Auslöser der vorherigen Gesetzesinitiative war ein tragischer Vorfall in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, in dem ein vierjähriger Junge durch Bisswunden, die ihm durch Straßenhunde zugefügt sein sollen, zu Tode gekommen ist.
Auslöser der vorherigen Gesetzesinitiative war ein tragischer Vorfall in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, in dem ein vierjähriger Junge durch Bisswunden, die ihm durch Straßenhunde zugefügt sein sollen, zu Tode gekommen ist. Foto: aktion tier e.V./Knieling
 
 

Von Holger Knieling, Dezember 2013. Es dürfte kaum ein weiteres Thema geben, welches für ähnlich großen Aufruhr und Diskussionen sorgt, wie die momentane Situation in Rumänien. Ungeachtet aller Proteste hat das rumänische Verfassungsgericht einen Gesetzesentwurf des Parlaments für verfassungsgemäß erklärt, welches eine Euthanasie von Straßenhunden möglich macht. Wie bereits im Vorfeld angekündigt, hat der rumänische Staatspräsident Bacescu innerhalb weniger Stunden das Gesetz unterzeichnet, damit dieses umgehend in Kraft treten kann.

Auslöser der vorherigen Gesetzesinitiative war ein tragischer Vorfall in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, in dem ein vierjähriger Junge durch Bisswunden, die ihm durch Straßenhunde zugefügt sein sollen, zu Tode gekommen ist. In der darauf einsetzenden, durch rumänische Medien angeheizten Diskussion wurden drakonische Maßnahmen gegen die Straßenhunde gefordert, die aus Sicht vieler Rumänen eine Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit darstellen. Der nach wie vor hohe Anteil der Tiere im Straßenbild, vor allem in der Hauptstadt ist für viele Menschen der Beweis dafür, dass alle anderen, teils angekündigten, teils durchgeführten Maßnahmen erfolglos geblieben sind. Der Tod des Jungen diente als Anlass dafür, eine rigorose Vorgehensweise gegen die Straßenhunde zu fordern, da ansonsten die Sicherheit der Bürger nicht mehr gewährleistet werden kann. 

Hund nicht vermittelt werden konnte, die eingefangenen Tiere auch ohne medizinische Indikation oder dass eine konkrete Gefahr von ihnen ausgehen würde, getötet werden dürfen. In Bukarest geht man davon aus, täglich ca. 100 Hunde einfangen zu können. Parallel zu diesen Ankündigungen wurde die Bukarester Stadtbevölkerung aufgefordert, verstärkt eingefangene Straßenhunde zu adoptieren. Dieser Appell dürfte lediglich Makulatur sein. Zumal viele dieser Hunde zwar keinen offiziellen Besitzer haben, innerhalb ihres Viertels oder Wohnblocks von den Bewohnern versorgt werden. So betrachten auch viele Menschen diese Tiere als ihre eigenen, auch wenn diese nicht in deren Wohnungen leben oder leben können. Prompt verbreitete die Ankündigung der nun beginnenden Einfangaktionen auch Panik unter diesen Menschen, die nun versuchten „ihre Hunde“ in Sicherheit zu bringen. Möglichkeiten dafür bestehen nicht viele und so wird von einzelnen Personen berichtet, die bis zu 10 Hunde in ihren oftmals kleinen Wohnungen beherbergen.

In dieser aufgeheizten Atmosphäre war eine sachliche Diskussion überhaupt nicht mehr möglich. Täglich flimmerten Bilder von Menschen über die Bildschirme, die angaben, ebenfalls Opfer von Beißattacken geworden zu sein. Eltern forderten via Medien die Regierung zum Handeln auf, da ihre Kinder kein Hundefutter seien und geschützt werden müssten. In emotionalen Diskussionen zwischen aufgebrachten Bürgern und besorgten Tierschützern wurden weniger Argumente als vielmehr Anschuldigungen hinsichtlich des jeweils unmoralischen Handelns ausgetauscht. Sinnvolle Lösungen und nachhaltiges Handeln blieben dabei völlig auf der Strecke.

Die Zahl der Hundefänger wurde erhöht …

Die Stadtverwaltung Bukarest hatte bereits direkt nach dem Todesfall des Kindes angekündigt, die Anzahl seiner Hundefänger zu erhöhen. Nach der Entscheidung des Verfassungsgerichtes sollen die Behörden begonnen haben, Hunde innerhalb des Stadtgebietes einzufangen und, so die offizielle Sprachregelung, gemäß den gesetzlichen Vorgaben zu behandeln. Diese besagen, dass nach Ablauf einer Frist von 14 Tagen, innerhalb derer der Hund nicht vermittelt werden konnte, die eingefangenen Tiere auch ohne medizinische Indikation oder dass eine konkrete Gefahr von ihnen ausgehen würde, getötet werden dürfen. In Bukarest geht man davon aus, täglich ca. 100 Hunde einfangen zu können. Parallel zu diesen Ankündigungen wurde die Bukarester Stadtbevölkerung aufgefordert, verstärkt eingefangene Straßenhunde zu adoptieren.

Dieser Appell dürfte lediglich Makulatur sein. Zumal viele dieser Hunde zwar keinen offiziellen Besitzer haben, innerhalb ihres Viertels oder Wohnblocks von den Bewohnern versorgt werden. So betrachten auch viele Menschen diese Tiere als ihre eigenen, auch wenn diese nicht in deren Wohnungen leben oder leben können. Prompt verbreitete die Ankündigung der nun beginnenden Einfangaktionen auch Panik unter diesen Menschen, die nun versuchten „ihre Hunde“ in Sicherheit zu bringen. Möglichkeiten dafür bestehen nicht viele und so wird von einzelnen Personen berichtet, die bis zu 10 Hunde in ihren oftmals kleinen Wohnungen beherbergen.

Eine Lösung der vorhandenen Probleme mit den Straßenhunden werden diese Maßnahmen alle nicht bringen. Unabhängig davon, dass derartige gezielte Tötungen nicht einmal im Ansatz mit den angeblich vorhandenen moralischen Grundwerten der europäischen Gemeinschaft in Einklang zu bringen sind, wird dieses aus der aufgeheizten Stimmung heraus geborene Vorgehen keinen nachhaltigen Effekt erzielen können. In der Vergangenheit hat es bereits mehrere Tötungsaktionen von Hunden gegeben; immer dann, wenn Beißvorfälle populistisch in den Medien diskutiert und von einzelnen Politikern zur Stärkung ihres Hardliner-Images genutzt wurden. Der kurzfristigen Verringerung des Hundebestandes steht am Ende eine wieder auf das vorhandene Maß angewachsene Population gegenüber, die lediglich die freigewordenen Nahrungsgebiete neu besetzt hat. Hinzu kommt die Tatsache, dass aus dem Umland der Millionenstadt Bukarest immer wieder Hunde im Stadtgebiet ausgesetzt werden oder aufgrund des dort vorhandenen Nahrungsangebotes einwandern. Eine Lösung wird es durch die Massentötungen nicht geben.

In dieser Gemengelage ein Tierheim betreiben und unterhalten zu wollen, ist schwierig bis unmöglich. Eine Rettung der Hunde ist in Anbetracht der Gesamtzahl völlig unmöglich. Auch wenn niemand verlässliche Zahlen benennen kann, dürfte diese nur innerhalb von Bukarest mehrere Zehntausende betragen. Da es ohnehin nur sehr wenige Einrichtungen dieser Art überhaupt in Rumänien gibt, sind alle Appelle zur Aufnahme von Hunden in Tierheimen in Anbetracht der bereits jetzt überfüllten Einrichtungen mehr Ausdruck der Verzweiflung als ein tatsächlich denkbarer Weg. Trügerische Hoffnung bieten zudem die vielen Tierschutzorganisationen, die die Bevölkerung zur (vor allem finanziellen) Unterstützung bei der Rettung der Hunde aus Rumänien aufrufen. Aus Deutschland ist uns nicht einmal eine Handvoll davon bekannt, die sich tatsächlich vor Ort für eine Lösung der Probleme einsetzen.

Nach diesem mehr als zehn Jahre andauernden Bemühen, in dem Land selber einen humanitären Tierschutz zu entwickeln und ein Tierheim zu betreiben, fällt das Fazit mehr als ernüchternd aus. Letztlich müssen bei einer rationalen Betrachtungsweise all diese Anstrengungen als gescheitert betrachtet werden, da Rumänien weiter von einer nachhaltigen Vorgehensweise entfernt ist als noch vor ein paar Jahren. In einem Land, in dem kein politischer Willen zu einer humanitären Lösung der unstrittig vorhandenen Probleme zu erkennen ist, sind auch alle Bemühungen der Tierschutzorganisationen nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. In Anbetracht der gravierenden sozialen Probleme und, nach Einschätzung weiter Teile der Bevölkerung nach wie vor grassierender Korruption, sind kurzfristige positive Signale nicht zu erwarten.

Einzige Hoffnung bestünde darin, dass nach einem Abkühlen der hitzigen öffentlichen Diskussion die Erkenntnis reifen wird, dass gezielte Massentötungen nur eine populistische Maßnahme, nicht jedoch Ansatz einer nachhaltigen Lösung sind. Aber diese verzweifelte Hoffnung bestand auch schon in der Vergangenheit, als man bereits vor allem in Bukarest auf dieses barbarische Instrument zurückgegriffen hat. So bleibt als Fazit der aktuellen Situation lediglich die Erkenntnis, dass zurzeit niemand eine Lösung des Problems aufzuweisen hat.