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Foto: Universell (CC0 1.0) CC0 1.0
Zwangsernährung beim Kaninchen
Verweigert ein Kaninchen das Futter, muss es sofort zwangsernährt werden. Foto: © Dr. Tina Hölscher, aktion tier
Überlange Krallen beim Kaninchen
Überlange Krallen Foto: © Dr. Tina Hölscher, aktion tier
Encephalitozoon cuniculi: Kopfschiefhaltung beim Kaninchen deutet auf eine ansteckende Krankheit hin
Encephalitozoon cuniculi: Kopfschiefhaltung deutet auf eine ansteckende Krankheit hin. Infizierte Tiere müssen von gesunden getrennt werden und dürfen nur mit gleichartig erkrankten zusammen gehalten werden. Foto: © Dr. Tina Hölscher, aktion tier
 
 

Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher, Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V. – Kaninchen sind super süß, keine Frage. Doch leider ist es bei all ihrer Niedlichkeit nicht immer ganz so einfach zu erkennen, ob es ihnen gut geht. Deshalb haben wir einen kleinen Leitfaden erstellt, der es dem Kaninchenbesitzer leicht machen soll, nichts Wichtiges zu übersehen. Schließlich können die schnuckeligen Fellnasen nicht sprechen und haben auch ansonsten wenige Möglichkeiten, sich auszudrücken. Sie können weder mit dem Schwanz wedeln noch winseln, nicht fauchen noch die Krallen ausfahren. Deshalb müssen Kaninchenhalter besonders aufmerksam sein und gewisse Dinge im Auge behalten.

Das Fressverhalten

An erster Stelle gilt es sicherzustellen, dass jedes Tier jeden Tag frisst. Tut es das nicht, stimmt etwas nicht. Kaninchen müssen jeden Tag Nahrung zu sich nehmen und können sehr schnell abbauen, wenn sie das nicht tun. Sie versterben innerhalb weniger Tage, wenn sie kein Futter aufnehmen. Deshalb müssen Halter von Kaninchen wirklich jeden Tag genau beobachten, ob Futter aufgenommen wurde. Wenn nicht, muss sofort ein Tierarzt konsultiert werden.

Das Gewicht

Einmal wöchentlich ist jedes Kaninchen zu wiegen. Hierzu eignen sich Brief-, Baby- oder auch Küchenwaagen. Das Tier wird behutsam auf die Waage gesetzt und das Gewicht notiert. So kann der Verlauf der Gewichtsentwicklung über Jahre hinweg genau dokumentiert werden. Gewichtsabnahmen weisen immer auf ein Problem hin.

Die Krallen

Einmal im Monat ist Nagelkontrolle angesagt. Kaninchen, die im Freien leben, nutzen ihre Krallen fast immer ausreichend ab. Anders Kaninchen, die vorwiegend in der Wohnung leben. Sie haben keine Möglichkeit zu buddeln, und ihre Krallen werden lang und länger. Bevor sie aussehen wie die Fingernägel von Struwwelpeter, müssen sie gekürzt werden. Das kann der Tierhalter selber machen. Am besten er holt er sich dazu eine Hilfsperson, die das Kaninchen fixiert. Sehr geschickte und zudem geübte Besitzer schaffen es aber auch alleine. Kaninchen haben vorne fünf und hinten vier Krallen. Vor allem die etwas höher angesetzte Daumenkralle auf der Innenseite der Vorderpfoten ist leicht zu übersehen. Ist das Horn durchsichtig, kann man leicht den rosa Zapfen erkennen, der innerhalb der einzelnen Kralle gelegen ist. Er muss unbedingt geschont werden, sonst tut man dem Tier weh. Die Kralle darf also nur so weit gekürzt werden, dass zum rosa Zapfen ein Abstand von einem Millimeter gewahrt wird. Schwieriger wird es bei pigmentierten Krallen, die braun oder schwarz sind. Da sieht man nicht, wo das Leben beginnt. Umso vorsichtiger muss man schneiden. Wenn dann doch mal ein Tropfen Blut kommt, ist das nicht schön, aber es passiert auch nicht wirklich etwas. Die Kralle sollte nicht verbunden werden. Das Horn wächst von selber nach.

Backenabszess beim Kaninchen
Zu lange Zähne wachsen in die Backe ein und führen zur Abszess Bildung. Dieses Tier muss operiert werden. Foto: © Dr. Tina Hölscher, aktion tier
Fremdkörper auf Schneidezähnen. Foto: © Dr. Tina Hölscher, aktion tier
Zu lange Zähne beim Kaninchen durch Fehlstellung oder Fehlernährung
Fehlstellung oder Fehlernährung lässt die Zähne zu lang werden. Das Tier kann nicht mehr fressen und verhungert. Foto: © Dr. Tina Hölscher, aktion tier
 
 

Die Zähne

Ein wichtiges Thema sind die Zähne. Kaninchenzähne wachsen lebenslang. Sie nutzen sich beim Fressen ab. Allerdings nur, wenn ausreichend Rohfaser von den Kleinen gefuttert wird. Nur diese harten Bestandteile sind grob genug, so dass sich die Zähne ab raspeln. Deshalb ist es wichtig, dass vorwiegend hochwertiges Heu verfüttert wird. Wenig Saftfutter (als Faustregel kann hier 80 g pro Tier und Tag angesetzt werden) ist in Ordnung. Auf Getreide sollte am besten ganz verzichtet werden. Das macht das Kaninchen zwar satt, aber die Zähne nutzen sich bei dieser Nahrungsform nicht ab. Sie werden immer länger und wachsen schließlich in die Backenschleimhaut ein. Es bilden sich üble Entzündungen, die kaum mehr in den Griff zu bekommen sind. Im schlimmsten Fall kann das Kaninchen irgendwann kein Futter mehr aufnehmen und stirbt.

Die Vorsorge

Um gesund zu bleiben benötigen Kaninchen zwei Impfungen. Die eine schützt sie vor einer Krankheit, die heißt Myxomatose. Die andere vor einer Seuche namens RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease). Diese Seuche kann in zwei Varianten auftreten. Deshalb muss die Impfung vor beiden Sorten, vor der RHD 1 und der RHD 2, schützen.

Der Kot und Urin

Hier gilt es zum einen zu beurteilen, wurden Kot und Urin abgesetzt, und wie ist die Konsistenz? Ist die Farbe normal, oder hat eines der Tiere Durchfall? Vor allem in den Sommermonaten kann Dünnpfiff gefährlich werden. Fliegen werden von den Kotresten angezogen und legen dort gerne Eier ab. Aus ihnen schlüpfen Maden, die sich unter die Haut des Kaninchens bohren. Das geschieht innerhalb von Stunden. Deshalb müssen Tiere, die im Freien leben und weichen Stuhl haben immer gründlich beobachtet und bei Bedarf gesäubert werden.

Das Fell

Die Fellqualität sollte dicht und ohne Schuppen sein. Kahle Stellen können auf einen Pilzbefall hindeuten. Verfilzte Strukturen verhindern, dass Sauerstoff an die Haut gelangt. Daher müssen Knoten herausgekämmt, geschnitten oder besser geschoren werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die pergamentartige superdünne Haut der Kaninchen nicht verletzt wird.

Kaninchen sind keine Hasen

Eines sollte jeder Kaninchenhalter darüber hinaus unbedingt wissen: Kaninchen sind keine Hasen. Bei Hasen handelt es sich um eine ganz andere Tierart. Kundige Kaninchenbesitzer sprechen deshalb auch niemals von Hasen, wenn sie von ihren Lieblingen berichten. Schließlich will eine Katze auch nicht als Hund bezeichnet werden, oder?