Logo Aktion-Tier

Wenn die Katze in die Wohnung pinkeltHilfe, meine Katze ist unsauber!

Unsauberkeit kann verschiedene Ursachen haben. Foto: amayaeguizabal / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

Von Dr. Tina Hölscher, Juni 2016. Fast jeder Katzenliebhaber hat mindestens ein derartiges Problem im Bekanntenkreis, wenn nicht sogar in der eigenen Wohnung. Auf einmal fängt der Stubentiger – egal ob Mädchen oder Bub – an, in den eigenen vier Wänden ohne ersichtlichen Grund außerhalb der Toilette zu urinieren oder auch Kot abzusetzen. Und das nicht nur einmal täglich, sondern vielleicht sogar mehrmals. Nach kurzer Zeit stinkt es trotz intensiven Putzens, die Geduld des Tierbesitzers ist bald erschöpft. Die Katze stört das alles nicht. Es wird weiter gepieselt, ohne Rücksicht auf Verluste. Doch was ist hier los? Warum um alles in der Welt tut sie das plötzlich?

Im besten Fall handelt es sich hier um einen unkastrierten Kater, der die Geschlechtsreife erreicht hat. Eine kleine OP und die Unannehmlichkeit hat man im Griff. Doch in etwa fünf Prozent der Fälle markieren auch Kätzinnen sowie jeder zehnte Kater nach der Kastration. Dies ist eigentlich in Freiheit ein normales Verhalten, doch in der Behausung des Menschen mehr als unerwünscht. Zum Schluss steht oft nur noch eine Frage im Raum: Was mache ich mit dieser Katze? Trennt man sich von dem Tier oder nimmt man die Unart hin und lebt fortan im Urinoder Kotdunst? Doch ganz so aussichtslos ist die Lage nicht. Ist der Tierhalter bereit, dem Übel auf den Grund zu gehen, gibt es durchaus Wege aus dieser katastrophalen Situation.

Ist der Körper oder die Seele krank?

Im ersten Schritt muss abgeklärt werden, ob es sich um ein organisches oder ein psychisches Problem handelt. Die Art des Harnabsatzes gibt erste Hinweise darauf. Die Körperhaltung der Katze bzw. des Katers ist hier hilfreich. Hockende Stellung, herabhängender Schwanz und Urinabsatz nach unten sprechen eher für eine organische Störung, da das Tier auf diese Weise nur selten markiert. Zeigt der Schwanz hingegen senkrecht in die Höhe, zittert und wird der Strahl waagerecht nach hinten auf senkrecht stehende Flächen (Wände etc.) herausgespritzt oder werden vor allem persönliche Gegenstände des Besitzers (z.B. Lieblings-T-Shirt) bevorzugt, handelt es sich um Markierverhalten.

In diesem Fall ist das Problem psychischer Natur. Katzen können sich nur beschränkt artikulieren. Leider gehört das Markieren zu einer der wenigen Möglichkeiten der Katze sich auszudrücken. Die Katze sagt in ihrer Sprache „Mir passt etwas nicht“.

Beim Kotabsatz ist die Sache einfacher abzuklären. Handelt es sich um Kot außerhalb der Toilette, der weich oder flüssig ist, leidet der Vierbeiner unter Durchfall und muss zum Tierarzt. Feste Würste hingegen deuten immer auf Verhaltensauffälligkeiten hin.

Auch wenn man bereits die Vermutung hat, dass die Katze unter einer Verhaltensstörung leidet, sollte der erste Weg trotzdem zum Veterinär führen. Nur so kann man körperliche Erkrankungen sicher ausschließen. Denn auch Blasenentzündungen und andere Erkrankungen führen zu hochfrequentem, zwanghaftem Harnabsatz.

In Haushalten mit mehreren Katzen ist oft nicht klar, wer der markierende „Bösewicht“ ist.

Um ihn zu identifizieren, kann man der hauptverdächtigen Katze ein fluoreszierendes Mittel eingeben oder spritzen, vorzugsweise gegen Nachmittag. Wenn im Dunkeln dann die Urinflecken auch leuchten, hat man den Übeltäter ausgemacht.

Warum tun Katzen so etwas?

Hat die Katze erwiesenermaßen körperlich keine Beschwerden, dann handelt es sich definitiv um ein Verhaltensproblem. Die konkreten Gründe, warum eine Katze anfängt in die Wohnung zu urinieren oder zu koten, können sehr vielfältig sein.

Eine gängige, leicht zu beseitigende Ursache sind verschmutzte Toiletten. Unsaubere Katzenklos oder auch wenn mehrere Katzen ein Klo gemeinsam benutzen müssen, können dazu führen, dass das Ausscheidungsverhalten außerhalb desselben stattfindet. Zusätzliche Katzentoiletten und eine häufige Reinigung der Wannen können hier Abhilfe schaffen.

Ein weiterer Grund ist in der Gruppengröße zu suchen. In der freien Natur meiden Katzen Pfade, auf denen andere Katzen markiert haben. Dies dient dazu, Streitereien unter Artgenossen zu minimieren. So vermutet man, dass Katzen auf beschränktem Raum deshalb markieren, weil sie ihr Revier abstecken wollen und es für sich beanspruchen möchten. Denn oft sind es gerade Mehrkatzenhaushalte, in denen markiert wird. Die Gruppenstärke sollte deshalb nicht mehr als acht Tiere in einem Haushalt umfassen.

Weitere auslösende Faktoren können Veränderungen in der Umgebung der betreffenden Katze sein. Neue Einrichtungsgegenstände wie eine Sofagarnitur oder ein Umzug in ein neues Domizil sind der Klassiker. Auch ein frisch eingezogener tierischer Mitbewohner kann die Stammkatze derart irritieren, dass sie anfängt, eine für sie deutlichere Sprache zu sprechen. Sehr oft sind neue Familienmitglieder in Form von Lebenspartnern ober auch Babys im Haushalt, ein Grund. Die Katze kann dann die Veränderung in ihrem Umfeld nicht so einfach kompensieren.

Wenden Sie keinesfalls körperliche Bestrafungen an

Bestrafung in Form von körperlicher Züchtigung bringt nichts. Im Gegenteil: Schläge und Beschimpfungen verschlimmern das Problem nur. Auch die weit verbreitete Vorgehensweise, die Nase des Tieres in den eigenen Urin zu tunken, verschlechtert lediglich das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Die Katze markiert nicht, um den Menschen zu ärgern oder zu provozieren. Das muss sich der Tierhalter klar machen. Erst dann kann er richtig an die Problematik herangehen.

Was kann der Besitzer tun?

Freigang löst das Problem – gleichgültig welchen Ursprungs – meist. Doch leider leben heutzutage eben viele Katzen in Haushalten, in denen der Besitzer sie nicht hinaus lassen kann, sei es, weil er in einem Mehrparteienhaus wohnt oder die Hauptverkehrsstraße vor der Haustüre verläuft. Im besten Fall sollte also die Ursache behoben werden z.B. das Möbelstück entfernt oder für die neue Zweitkatze ein anderes Zuhause gefunden werden. Dies ist jedoch nicht immer möglich, wie in Bezug auf ein frisch geborenes Baby deutlich wird. Dann müssen andere Strategien entwickelt werden.

Wenn die Katze nur in bestimmten Räumen markiert, kann es schon reichen, ihr den Zugang zu diesen Zimmern zu verwehren. Spritzen ausschließlich in der Wohnung gehaltene Katzen, wenn sie Artgenossen im Freien durchs Fenster sehen, empfehlen Verhaltensforscher, die untere Hälfte der Fenster mit lichtdurchlässiger Plastikfolie zu bekleben. In weniger schwerwiegenden Fällen kann es helfen, ein paar Brocken Trockenfutter an den Stellen auszulegen, an denen die Katze markiert. Manchmal müssen an diesen Orten auch feste Futterplätze etabliert werden, damit dieser Platz für die Katze eine neue Bedeutung erlangt. Sie muss ihn als Fressplatz anerkennen. Somit ist dieser Ort für sie psychologisch anders besetzt. Weiterhin kann man die Oberflächenstruktur der bespritzen Stellen verändern. Das hält die Katze dann oft ab, sich zu verewigen. So kommt hier das Anbringen von doppelseitigem Klebeband, an dem die Katze leicht haften bleibt, in Frage oder die Abdeckung mit Plastikfolien. Manchmal sind derlei simple Maßnahmen schon ausreichend. Milde Bestrafung z.B. in Form von „in die Hände klatschen“ ist nur dann wirksam, wenn die Katze in Flagranti erwischt wird. Zumindest wird dann nicht mehr in Gegenwart des Besitzers markiert, was wenigstens zu einer allgemeinen Reduzierung der Markierfrequenz führt. Eine weitere Chance bietet ein Spray, das Pheromone enthält. Die betroffene Stelle wird eingesprüht und riecht ab dann aus Sicht der Katze angenehm. Das Markieren wird unterlassen. Das Sprühmittel ist beim Tierarzt, im Fachhandel oder im Internet erhältlich. Grundsätzlich müssen die Verunreinigungen immer gründlich beseitigt werden, um erneutes Markieren zu vermeiden!

Spritzt die Katze an zu vielen verschiedenen Stellen oder aber sind all die oben genannten Vorschläge aus anderen Gründen nicht wirksam, muss zu Medikamenten gegriffen werden. Ein Großteil der Katzen kann damit, wenn alles andere gescheitert ist, therapiert werden. Leider hilft hier dann nur dauerhafte Tablettengabe. Versuchsweise kann man die Dosis immer mal wieder erniedrigen oder das Medikament auch gänzlich absetzen, doch oft muss das Tier lebenslang behandelt werden. Alle in diesem Zusammenhang wirksamen Präparate haben leider starke Nebenwirkungen, doch als Ultima Ratio sind sie durchaus ein probates Mittel. Außer der Kastration wird in Fachbüchern von weiteren chirurgischen Methoden berichtet, die helfen sollen: Zum einen wird empfohlen, Teile des Riechorgans zu entfernen, zum anderen die Entfernung einer bestimmten Muskelgruppe im Beckenbereich, die das Spritzen nach hinten möglich macht. Beide Methoden sind aus tierschützerischer Sicht strikt abzulehnen und sollten – wenn überhaupt – nur dann diskutiert werden, wenn ansonsten die Euthanasie die einzige Alternative ist, die in Frage kommt.