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Von ägyptischen Gottheiten

Von Judith Brettmeister. Ihre Vorfahren streiften sowohl durch die Highlands in Schottland, durch die Buschlandschaften und Steppen Afrikas und durch die steinigen Landschaften Kleinasiens. Sie alle waren in ihrer Art unterschiedlich: die Waldkatze, die Falbkatze und die Steppenkatze und sie sahen jeweils auch anders aus, aber alle drei waren die Vorfahren unserer Hauskatze. Die eine kräftig gebaut, mit kurzen Ohren und einem dicken, buschigen Schwanz. Die andere mit großen Ohren, hochbeinig und schlank und die Dritte untersetzt und mit einem noch kräftigeren Körperbau. Die Wendigkeit, die Geschmeidigkeit, die Kraft und die Zähigkeit dieser Tiere ist der Grund, dass diese Wildkatzen kaum natürliche Feinde besaßen. Als Hauptstammform unserer Hauskatzen gilt dabei die Falbkatze, die hochbeinig und schlank durch die Landschaften in Afrika streifte. Sie war die am wenigsten aggressive Art und lebte auch nicht so zurückgezogen wie die anderen zwei Arten. 

Ein Nebeneinander von Katzen und Menschen entwickelte sich, als die Menschen begannen, zumindest teilweise sesshaft zu werden. Die Katzen betätigten sich als „Abfallvertilger“ an den Rändern der menschlichen Siedlungen und die Menschen nutzten diese Nähe aus, um ebenfalls bequem zu einer Beute zu kommen. Herleiten kann man dies aus den Knochenfunden aus einer Zeit von vor bereits 9 000 Jahren, wo man menschliche Knochen und Knochen kleinerer Katzen an einem Ort zusammen ausgegraben hatte. Eine erste wirkliche Domestizierung der Katze fand wohl vor ca. 6 000 Jahren im alten Ägypten statt. Nachweise eines friedlichen Zusammenlebens von Mensch und Katze findet man anhand von Wandzeichnungen in Ägypten. So entdeckte man die sehr gut erhaltene Darstellung einer Katze mit Halsband in einem Grabmal der fünften Dynastie, in der südlich von Kairo Zehntausende von Arbeitern am Ufer des Nils bei Abusir die königliche Nekropole (Grabstätte) errichteten. Die domestizierten Katzen in Ägypten dienten dabei nicht (nur) als „Schmusekatzen“, sondern wurden von ihren Besitzern sowohl zur Mäusejagd als auch (an langen Leinen angebunden) zur Vogeljagd hergenommen.

In der Zeit der Pharaonen „Tut- Ench-Amun“ und „Ramses“ wurde die Katze kultisch verehrt. „Bastet“ (in Gestalt einer Katze), die Gemahlin des Sonnengottes „Re“, Mutter des Löwengottes „Mahes“ wird als die Göttin der Liebe, der Zeugungskraft, der Stärke und des Guten bezeichnet. Ihre Aufgabe war es, bei Nacht die Sonne vor der Schlange der Finsternis, der Todfeindin der Sonne, zu bewachen. Anfangs wurde Bastet oft mit einem Löwenkopf dargestellt – später dann wurde die Katze zum heiligen Tier der Bastet erklärt und sie selbst wurde jetzt mit einem Katzenkopf dargestellt. Nach Bubastis, der Hauptkulturstadt Bastets, strömten viele Pilger und opferten Tausende mumifizierte Katzen. Hier befand sich auch ein riesiger Katzenfriedhof, auf dem die meisten Katzen bestattet wurden. Obwohl die Ausfuhr von Katzen aus Ägypten unter Strafe gestellt war, kam die domestizierte Katze auf Schmuggelwegen nach Italien, Gallien und Britannien. Die Ausnahmestellung, die die Katze innerhalb eines langen Zeitraums in der ägyptischen Kultur einnahm, konnte nirgendwo anders mehr festgestellt werden. Die Stellung der Katze als liebevoll umsorgtes und zugleich nützliches Haustier war aber in vielen anderen Kulturen gefestigt.

In der Antike gehörten Katzen zum festen Bestandteil einer „Mannschaft“ an Bord der Schiffe. Noch heute ist der Begriff „Katzensteg“ für eine schmale, Land und Schiff verbindende Holzplanke gebräuchlich. Die Qualität der Katze als Beutefängerin wurde auch in Japan geschätzt, wo sie anfänglich die Aufgabe hatte, die Schriften in den Bibliotheken vor den Zähnen der Mäuse zu schützen. Sowohl in China als auch in Japan wurde die Katze auch zum Schutz der Seidenraupe gehalten, um die Seide als das wichtigste Handelsgut dieser Länder abzusichern.

Mythologie, Aberglaube und Kultur

In Zeiten, in denen der Aberglaube Hochkonjunktur hatte, wie z.B. zu Beginn der Inquisition Anfang des 13. Jahrhunderts, wurde die Katze zum dämonischen und unglückbringenden Wesen stigmatisiert. Besonders schwarze Katzen, die man auch als Begleiter von Hexen und als Hilfsgeister der Teufel ansah, wurden gejagt und zum Teil bestialisch getötet. Selbst in unseren Kulturkreisen wird das Auftauchen einer schwarzen Katze, welche die Straße von links nach rechts überquert, als unglückbringend angesehen. Wieso es zu diesem Katzenhass kommt, lässt sich nur vermuten. Vielleicht war es das „Doppelleben“ der Katzen: tagsüber Schmusetier und nachts Raubtier. Vielleicht lag es aber auch daran, dass man seit Hunderten von Jahren eine innige Beziehung zwischen Frauen und Katzen feststellte, und es vor allem Frauen waren, die zu Zeiten der Hexenverfolgung von verschiedenen christlichen Würdenträgern verfolgt wurden. Vielleicht war es auch die Erinnerung an die überlieferten Mythologien der Ägypter, wonach die Katze in einem engen Kontakt mit dem Mond und der Unterwelt stand. Die Verbindung des Frauenbildes mit dem der Katze wirkte noch lange nach. So war es üblich, Ehebrecherinnen in einem Sack zu ertränken in dem auch eine Katze als Symbol aller Frauenattribute und fleischlicher Lust mit eingebunden war. Eine solche Hinrichtung wurde zuletzt noch 1715 in Dresden vollzogen.

Später wurde die Katze wieder als Mäuse- und Rattenjägerin in den Haushalten der Menschen gehalten und geschätzt. Es wurden sogar Gesetze gegen die Tötung der Katzen erlassen. Erst mit der beginnenden industriellen Revolution und der langsamen Verbesserung der hygienischen Verhältnisse, kam die Katze zu ihrem Status als Haustier, welches um seiner selbst willen im Haushalt aufgenommen wurde. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts und der speziell im Bürgertum vorhandenen Sehnsucht nach einem harmonischen Familienleben, passte die Katze als Mitglied des Hauses hervorragend dazu. Mit dieser Aufwertung der Katze, sogar als Statussymbol, erfolgte auch der Wunsch nach „edleren“ Tieren, was immer man darunter verstanden wissen wollte, und damit auch der Beginn der Katzenzucht. Im Jahr 1871 wurde in England die weltweit erste Katzenausstellung ausgerichtet.

Zu einem völligen Stimmungsumschwung kam es dann aber wieder in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg, als es durch eine übertriebene Singvogelschutzbewegung zu einem Töten nicht nur der Wildkatzen, sondern auch der Hauskatzen kam. Die heimische Wildkatze wurde dabei fast völlig ausgerottet. Es war wiederum die Zunahme von Ratten und Mäusen in den zertrümmerten Städten, welche die Nützlichkeit der Katzen am Ende des Weltkriegs wieder in den Vordergrund rücken ließ. Aus diesem reinen Nutzdenken entwickelte sich im Laufe der Jahre eine neue Hinwendung zu der Katze, mit der man einfach nur zusammenleben wollte. In den 90er Jahren ist die Katze zum beliebtesten Haustier weltweit geworden.

Aber selbst das bereits positiv vorhandene Bild der Katze hinderte die Menschen nicht, das Erscheinungsbild der Katze zu verändern. Der erste deutsche Katzenzuchtverein wurde 1922 gegründet. Auswüchse in der Zucht, die man schon als Tierquälerei bezeichnen muss, sind die sogenannten Qualzuchten, wie Nacktkatzen, gänzlich ohne Fell oder Perserkatzen mit deformierten Nasen- und Mundpartien, die deswegen Atemprobleme und Mühe bei der Futteraufnahme haben. Wir möchten daher alle Katzenliebhaber und solchen, die es noch werden wollen, raten, bitte keine Überzüchtungen durch den Kauf dieser Tiere zu fördern. In den Tierheimen in Ihrer Region warten viele Katzen auf eine zweite Chance.