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Meerschweinchen (Cavia aperea porcellus)

Meerschweinchen
Meerschweinchen dürfen nei allein gehalten werden. Foto: Ursula Bauer
Meerschweinchen in einem viel zu kleinen Käfig
Meerschweinchen in einem viel zu kleinen Käfig. Foto: Ursula Bauer
Meerschweinchengruppe in großem Freigehege
Meerschweinchengruppe in großem Freigehege. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Meerschweinchen bei der Paarung
Meerschweinchen bei der Paarung. Foto: Ursula Bauer
Junges Meerschweinchen
Junges Meerschweinchen. Foto: aktion tier e.V./Bauer
Aus dem Ruder gelaufene Meerschweinchen-Massenhaltung
Aus dem Ruder gelaufene Meerschweinchen-Massenhaltung. Foto: aktion tier e.V./Bauer
 
 

Meerschweinchen (Caviidae) sind Säugetiere und bilden eine Familie innerhalb der Ordnung der Nagetiere. Unsere Hausmeerschweinchen (Cavia aperea porcellus) stammen von wildlebenden Meerschweinchen aus der Unterfamilie der `Eigentlichen Meerschweinchen` (Caviindae) ab, die in Südamerika vorkommen und in Rudeln in selbst gegrabenen Erdhöhlen wohnen. Vor allem in Peru, Ecuador, Bolivien und Chile werden Meerschweinchen seit Langem als Nutztiere gehalten und, wie bei uns die Mastkaninchen, zubereitet und gegessen. Im 16ten Jahrhundert wurden Hausmeerschweinchen nach Amerika und Europa gebracht, wo sie schnell zu beliebten Haustieren wurden.

Lebenserwartung und Fortpflanzung

Unsere Hausmeerschweinchen können ca. 6-10 Jahre alt werden. Sie sind bereits im Alter von 1 bis 2 Monaten geschlechtsreif. Nach einer Tragzeit von etwa 65 Tagen bringt das Meerschweinweibchen 1 bis 4 Junge zur Welt, die 3 Wochen lang gesäugt werden. Meerschweinchen können bis zu 5 mal pro Jahr werfen. Daher sollten die Tiere in der Privathaltung unbedingt kastriert oder nach Geschlechtern getrennt gehalten werden, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.

Rassen

Durch Züchtung entstanden aus den wildfarbenen Vorfahren der Meerschweinchen zahlreiche Rassen mit unterschiedlichem Fell. So gibt es einfarbige und bunte Rassen sowie Züchtungen mit langem und kurzem, krausem oder glattem Fell. Extreme Züchtungen wie beispielsweise Peruaner-Meerschweinchen mit bis zu 12 cm langen Haaren sollten auf keinen Fall gekauft werden, da diese Extremrassen unter dem abnorm langen Fell leiden und tägliches Bürsten über sich ergehen lassen müssen.

Haltung in der Wohnung

Meerschweine sind Gruppentiere, eine Einzelhaltung ist nicht artgerecht! Es sollten immer mindestens 2 bis 3 Tiere gemeinsam gehalten werden. Zur Gruppenhaltung eignen sich am besten 2 Weibchen mit einem kastrierten Männchen. Hinsichtlich der Größe des Käfigs gilt: je größer desto besser. Die meisten im Handel erhältlichen Käfige sind viel zu klein. Ideal wäre, wenn den Tieren mehrere Quadratmeter zur Verfügung stünden. Ein Käfig für ein Meerschweinchen-Pärchen sollte mindestens 120 cm lang, 70 cm breit und möglichst hoch sein, damit mit Hilfe eines Brettes eine zweite Etage mit Rampe und Häuschen eingerichtet werden kann, um die nutzbare Fläche zu vergrößern. Als Fluchttiere und Höhlenbewohner müssen sich Meerschweinchen jederzeit zurückziehen können. Daher sind mehrere Unterschlüpfe (Holzhäuschen, Korkrindenstücke, Tonröhren, Wurzeln) im Käfig unerlässlich. Aus hygienischen Gründen sollte der Käfigboden als Kunststoff bestehen. Als Einstreu eignen sich Rindenschnitzel oder Strohhäcksel. Sie sollte immer sauber und trocken sein und der gesamte Meerschweinchenkäfig muss mindestens alle paar Tage sorgfältig gereinigt werden. Der Käfig sollte an einem hellen und ruhigen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung stehen. Wenn die Tiere freien Auslauf in der Wohnung erhalten muß darauf geachtet werden, dass keine giftigen Zimmerpflanzen in erreichbarer Nähe sind und keine Stromkabel auf dem Boden herumliegen. Letztere werden von Meerschweinchen gerne zum Spielen und Beknabbern missbraucht. Zum einen können sich die Tiere im Kabelgewirr verfangen, sich verletzen oder sogar strangulieren. Und wenn bei Elektrokabeln die Isolierung einmal bis zum blanken Metall abgenagt wurde, ist die Gefahr eines für Tiere tödlichen Stromschlags sehr groß. Grundsätzlich kann alles Zernag- oder Fressbare für Haustiere tödliche Folgen haben und sollte daher weggeräumt werden.

Haltung im Freien

nie sollte der Käfig einfach ins Freie gestellt werden. Ideal ist ein großes Freigehege an einem geschützten Platz im Garten mit gut isolierten Unterschlüpfen. Im Sommer brauchen die Meerschweinchen unbedingt einen Sonnenschutz, da sie leicht einen Hitzschlag erleiden können.

Ernährung

Als Grundnahrungsmittel dient Heu. Es muss immer in ausreichender Menge und guter Qualität vorhanden sein und wird durch im Handel erhältliche Nager-Futtermischungen ergänzt. Da diese sehr energiereich sind sollte ein normalgewichtiges Meerschweinchen davon nicht mehr als 2 Löffel täglich erhalten. Frisches Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Damit die Tiere ihre Zähne abnutzen können, sollten frische Zweige von ungespritzten, ungiftigen Bäumen wie Hasel, Buche, Birke und Apfel angeboten werden. Ganz wichtig: Meerschweine haben einen hohen Bedarf an Vitamin C. Dieser sollte durch die Gabe von Vitamin C-Tropfen sichergestellt und durch tägliche Grünfuttergabe wie Löwenzahn, Äpfel und Karotten ergänzt werden. Im Handel angebotene `Nager- Leckereien` wie Joghurtdrops und Knabberstangen sowie Getreide und Nüsse sollten wegen des hohen Fett- und Energiegehaltes nicht verfüttert werden.

Kosten

Die Gesamtkosten pro Jahr und Meerschweinchen liegen bei etwa 600 Euro. Darin enthalten sind monatliche Futter- und Streukosten (ca. 40 Euro), die Erstausstattung (Käfig, Zubehör, Spielzeug etc. / ca. 150 Euro) und die jährlichen Tierarztkosten (ca. 30 Euro).

Für Kinder geeignet?

Meerschweinchen sind grundsätzlich eher ängstliche Fluchttiere. Sie eignen sich nicht als Kuscheltiere für Kinder zum Herumtragen und Knuddeln. Wenn Meerschweinchen Angst haben wehren sie sich nicht sondern bleiben regungslos sitzen. Dieses Verhalten wird häufig als besondere Zutraulichkeit oder als Genießen interpretiert. Dabei hat ein unbeweglich auf dem Schoß eines Kindes verharrendes Meerschweinchen einfach nur panische Angst. Daher sollten Kinder nie unbeaufsichtigt mit den Tieren umgehen. Meerschweinchen können sehr zutraulich werden, Futter aus der Hand nehmen und sich am Boden streicheln lassen. Unter Anleitung müssen Kinder lernen, das natürliche Verhalten dieser interessanten Tiere zu respektieren und sich behutsam deren Vertrauen und Zuneigung zu erarbeiten.