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Erst mal erkannt, ist die Gefahr gebanntMorbus Cushing beim Pferd

Pferde auf der Weide
Weiß man erst einmal, woran der Vierbeiner leidet, ist die Therapie relativ einfach. Foto: WolfBlur / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

Von Dr. Hölscher, Dezember 2016. Morbus Cushing, in Fachkreisen auch ECS (Equine Cushing Syndrom) genannt, ist eine häufig auftretende Hormonerkrankung des älteren Pferdes oder Ponys. Meist trifft es Tiere ab dem 15. Lebensjahr. Experten schätzen, dass in Deutschland knapp 50.000 Tiere betroffen sind. Es fällt auf, dass hierbei die so genannten Robustrassen wie Isländer und Haflinger besonders stark vertreten sind. Cushing ist leider nicht heilbar. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die unbehandelt stetig weiter fortschreitet. Erkennt man sie aber frühzeitig, kann man sie zwar nicht ausmerzen, aber wenigstens aufhalten. Doch leider wird sie im Anfangsstadium oft nicht richtig diagnostiziert. Das wäre jedoch extrem wichtig. Je früher Cushing erkannt wird, umso besser sind die Aussichten für das erkrankte Pferd. Dazu wollen wir hier beitragen. Denn steht die Diagnose und ist das Tier dann mit den richtigen Medikamenten versorgt, kann ein an Cushing erkranktes Pferd ein nahezu beschwerdefreies Leben führen. Unbehandelt hingegen führt Cushing letztendlich zum Tod des Tieres.

Was ist Cushing überhaupt?

Die Ursache dieser Erkrankung liegt in einer Fehlsteuerung der Hypophyse, also einer Drüse im Gehirn. Sie produziert zu viel eines Hormons, welches wiederum dafür sorgt, dass in der Nebennierenrinde zu viel Cortisol ausgeschieden wird. Letztere Substanz hat Einfluss auf etliche Vorgänge im Körper. Sie beeinflusst beispielsweise den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Das Immunsystem unterliegt ebenfalls dem Einfluss der im Übermaß vorhandenen Cortisolmenge. Insgesamt verfällt der betroffene Tierkörper durch den Überschuss in eine katabole Stoffwechsellage. Also genau das Gegenteil von der anabolen Situation, in der sich beispielsweise aktive Bodybuilder befinden. Die Muskulatur wird bei unseren kranken Pferden abgebaut, im Gegensatz dazu wächst der Anteil der Körperfette.

Symptome bei Morbus Cushing

Am offensichtlichsten und augenscheinlichsten sind beim Pferd die Probleme beim Fellwechsel vom Winter- zum Sommerfell. Die langen Haare fallen einfach nicht aus, das Haarkleid bleibt dicht. Oft wird es etwas lockig. Hinzu kommt oben erwähnter Schwund der Muskulatur bei gleichbleibender Bewegung. Viele Pferde, die an Morbus Cushing erkrankt sind, leiden gleichzeitig an immer wiederkehrenden Reheschüben. Deshalb ist es auch ganz wichtig bei einem Pferd, das offensichtlich an Hufrehe erkrankt ist, immer auch an Morbus Cushing als Ursache für den Reheschub zu denken! Manche Tiere trinken vermehrt und setzen größere Mengen Urin ab als sonst. Andere Pferde wirken schwach und lethargisch. Gelegentlich treten Sehstörungen auf. Es kann zu starken Schwitzattacken kommen, die gerne auch mal nachts auftreten. Das Immunsystem betroffener Pferde ist geschwächt. Typisch sind auch die sich entwickelnden Fettpölsterchen. Bevorzugt wachsen sie über den Augen, auf der Kruppe und am Mähnenkamm. Das Bild komplettiert ein sich entwickelnder Senkrücken. Es müssen nicht immer alle der erwähnten Krankheitsanzeichen gleichzeitig auftreten, doch einige davon sind bei Cushing stets zu finden.

Diagnose

Nicht jedes Pferd mit dichtem Haarkleid hat Cushing. Wie kann der Tierarzt also zweifelsfrei feststellen, ob das Tier wirklich diese spezielle Krankheit hat? Ganz einfach. Es muss ein Bluttest gemacht werden. Hier gibt es verschiedene Varianten zur Durchführung dieses Tests. Manchmal müssen mehrere Blutproben entnommen werden. Dann sind Ergebnisse in der Regel eindeutig. Wichtig ist die Abgrenzung zu einer Erkrankung, die ähnliche Symptome aufweisen kann, dem EMS (Equines Metabolisches Syndrom). Auch hier sind in erster Linie ältere Pferde betroffen, die zur Verfettung neigen. Mittels der Laborwerte lassen sich beide Krankheiten aber gut voneinander abgrenzen.

Therapie

Weiß man erst einmal, woran der Vierbeiner leidet, ist die Therapie relativ einfach. Das Pferd muss jeden Tag lebenslang eine Tablette einnehmen. Nachteil – die Medikation ist nicht billig. In Deutschland gibt es nur ein einziges zugelassenes Medikament für die Therapie des Cushing Syndroms. Es handelt sich um ein Präparat mit dem Wirkstoff Pergolid-Mesilat. Je schwerer der Patient ist, umso teurer wird es. Doch leider gibt es dazu keine Alternative. Homöopathie oder andere alternativmedizinische Methoden helfen hier nicht. Innerhalb weniger Wochen nach Beginn der Tabletteneinnahme geht es dem Patienten deutlich besser. Am leichtesten erkennt man dies wiederum an der Normalisierung der Fellqualität. Neben der Medikation ist auf eine eher kohlenhydratarme Fütterung mit Heu von besonders guter Qualität und gleichmäßige Bewegung zu achten, die das kranke Tier gleichzeitig aber nicht überfordern darf. Richtig eingestellt erfreuen sich auch Cushing- Patienten an noch vielen schönen Lebensjahren.