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Wenn der Hufstrahl sich auflöst…

Tägliche Hufpflege sollte selbstverständlich sein
Die tägliche Hufpflege und die regelmäßige Kontrolle durch einen Hufschmied sollten für jeden Pferdehalter selbstverständlich sein. Foto: Petri / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

Von Dr. Tina Hölscher, Dezember 2016. Viele Pferde leiden an Strahlfäule. Doch was setzt diesen Fäulnisprozess überhaupt in Gang? Und was kann man dagegen tun? Die Ursache der Strahlfäule ist eine bakterielle Besiedelung des Hufes. Diese beginnt vorzugsweise im Strahlbereich, also in der Mitte auf der Unterseite des Hufes. Dort finden sich tiefe Furchen, in die Bakterien eindringen können. Diese Krankheitserreger mögen es sauerstoffarm. Im anaeroben Milieu können sie sich gut vermehren. Außerdem lieben sie es feucht. Auch diese Klimakomponente finden sie bei suboptimalen Haltungsbedingungen vor. Herrschen die genannten Klimaverhältnisse nun mehrere Wochen, freuen sich die Keime. Sie breiten sich auf den kompletten Strahlbereich aus. Das ehemals harte Horn wird weich und neigt damit wiederum zu Einrissstellen und Vertiefungen. In diese Ritzen können die Bakterien nun noch tiefer eindringen als vorher und so den Huf in noch größerem Umfang befallen. Die Hufunterseite stinkt nun faulig. In fortgeschrittenen Fällen vergammelt und zersetzt sich in der Folge der gesamte Strahl. Es kommt zum Strahlschwund und damit zu Entzündungsprozessen im Huf, die von Lahmheit begleitet sind.

Doch wie können wir einem Vierbeiner, der unter Strahlfäule leidet, nun helfen? Wir müssen den Bakterien den Garaus machen. Das setzt eine tägliche Hufpflege voraus. Ein sorgfältiges Auskratzen der Hufe sollte ohnehin zum Standardprogramm der Pferdepflege gehören. Darüber hinaus müssen Strahlfäule- Patienten eine Sonderbehandlung erfahren. Im Kampf gegen die Keime können verschiedene Mittel zum Einsatz kommen, die alle ihre Berechtigung haben. Das Ziel der Therapeutika ist immer dasselbe, nämlich das Abtöten der Bakterien. Häufig kommen Präparate mit Jod, Wasserstoffperoxid oder Kupfersulfat zum Einsatz. In leichteren Fällen können auch Hausmittel wie Zahnpasta oder Zitronensaft verwendet werden. Zum zweiten bedarf es eines erfahrenen Hufschmids oder Hufpflegers, der sich der Situation annimmt. Es gilt, erkrankte Bereiche soweit es möglich ist, zu entfernen und eine Situation zu schaffen, die das Wachstum der Bakterien verhindert. Diese Aufgabe ist nicht einfach. Abzuwägen, wieviel geschnitten werden darf und welche Hornanteile belassen werden müssen, erfordert Fachkenntnis und Geschick. Der gesamte Heilungsprozess hängt aber vor allem auch von den Bodenverhältnissen ab, auf dem das jeweilige Pferd gehalten wird. Tiefe, matschige Böden wirken sich extrem ungünstig aus das Klima im Huf aus. Schlecht gemistete Boxen mit feuchter Einstreu sind ein Schlaraffenland für Strahlfäule-Erreger. Das heißt im Umkehrschluss, Tierhalter müssen für trockene Einstreu sorgen. Erkrankte Pferde sollten von nassen Wiesen und moorigen Untergründen ferngehalten werden.

Besser es kommt erst gar nicht soweit. Tägliches Reinigen der Hufe, Pflegen der Weiden, regelmäßiges Ausschneiden durch Schmid oder Hufpfleger und gründliches Misten der Boxen oder Freilaufställe sorgen für Verhältnisse, in denen Strahlfäule-Bakterien sich nicht vermehren können. Ein Lauftier wie das Pferd, dessen Wohlbefinden ganz essentiell von gesunden Hufen abhängig ist, wird diese Pflege seinem Tierhalter mit guter Gesundheit danken.