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Unnötige SchmerzenSchenkelbrand beim Pferd

Pferd mit Schenkelbrand.
Obwohl der Bundesrat schon 2010 ein Verbot des Schenkelbrandes beschlossen hatte, bleibt der Schenkelbrand weiterhin erlaubt. Foto: © aktion tier e.V.

Von Jan Peifer, März 2012. Das Kennzeichnen von Pferden, seltener auch Rindern, mit dem Brandeisen hat eine lange Tradition. Mit einem Eisenstempel, welcher zum Glühen gebracht wird, wird dabei dem Tier eine Brandwunde zugefügt. (Eine seltenere Form ist der sogenannte Kaltbrand. Mittels Stickstoffkühlung wird der Stempel dabei auf bis zu -80° gefrostet, die durch das Aufdrücken entstehenden Verletzungen sind vergleichbar). Wenn diese verheilt, kann auf dem entstehenden Narbengewebe kein Fell mehr nachwachsen und das Pferd bleibt gekennzeichnet. So zumindest die Theorie der Reitervereinigungen und Pferdesportlobby, die ein Verbot des Brandeisens um jeden Preis verhindern wollen.

Wie mächtig die Pferdesportlobby ist, zeigt sich an den Fachabstimmungen im Bundestag: Obwohl der Bundesrat schon 2010 ein Verbot des Schenkelbrandes beschlossen hatte, wurden entsprechende Anträge im Bundestag bereits wiederholt abgelehnt. Zwar wird offiziell ein Verbot im zuständigen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vorbereitet. Doch wenn auch der zuständige Staatssekretär ein Verbot bis November 2012 in Aussicht stellte, bleibt weiter offen, wann und wie dieses wirklich durchgesetzt wird.

Der Schenkelbrand dient vor allem der Zurschaustellung der Zugehörigkeit eines Tieres – besonders auf Wettkämpfen, etwa zu einem Gestüt, einer Zuchtrasse oder einem Verband. Eine individuelle Kennzeichnung jedoch findet meist nicht statt. Bereits 2009 wurde daher eine EU-Verordnung zur Kennzeichnung aller nachgeborenen Fohlen mittels eines implantierten Transponder- Chips erlassen. Zusätzlich muss – ähnlich eines Personalausweises – für jedes Tier ein Equidenpass geführt werden. Zur Identifizierung des Tieres ist der Schenkelbrand also nicht erforderlich, Tierschützer setzen sich daher seit Jahren für die Aussetzung der Ausnahmegenehmigung ein, die ein Verbot durch das Tierschutzgesetz verhindert. Von der Kennzeichnung mit dem Transponder sind nur Tiere ausgenommen, die durch vergleichbare Verfahren gekennzeichnet werden – der Schenkelbrand gehört jedoch nicht dazu. Daher sprechen sich auch die Tierärztliche Vereinigung Tierschutz ebenso wie die Bundestierärztekammer und der Bundesverband der beamteten Tierärzte für ein Verbot des „Brandings“ aus.

Ein Brandzeichen verursacht Verbrennungen dritten Grades

In Dänemark wurde das Brandmarken von Tieren bereits verboten und steht unter Strafe, nachdem eine Studie der Universität Kopenhagen nahegelegt hat, dass die mit dem Einsetzen eines Chips verbundenen Schmerzen für das Tier deutlich geringer sind als beim Einbrennen eines oder mehrerer Siegel. Als erwiesen gilt auch, dass vor allem die Schmerzen in den Tagen nach der Brandmarkung in Form von deutlich messbarer Erhöhung der Hauttemperatur die Fohlen beeinträchtigen – die direkte Folge einer Verbrennung dritten Grades. Daher soll das Brandzeichen nun europaweit durch den Transponder ersetzt, der Schenkelbrand, bisher noch als (freiwillige) Ergänzung geduldet, soll verboten werden. Dennoch möchten vor allem Zuchtverbände und die Deutsche Reitervereinigung (FN) den Schenkelbrand beibehalten. In ihren Augen sei das Brennen der Tiere (trotz der dänischen Forschungsergebnisse) mit weniger Stress und Schmerzen verbunden als das Chippen, außerdem sei es sicherer und nicht zu manipulieren.

Von den 90 deutschen Brandsiegeln haben viele eine lange Geschichte und sind für die deutschen Reiter „Kulturgut“. Vorwürfe, die Brandmarkung diene lediglich dem Erhalt von Statussymbolen, weisen Vertreter der Reitsportlobby zwar zurück. Gleichzeitig aber weisen sie voller Stolz auf die Tatsache hin, dass bei internationalen Wettkämpfen bis zu einem Drittel der Tiere deutsche Brandzeichen tragen. Mit dem Ziel, die Tradition des Brandzeichens beibehalten zu dürfen, hatte die FN im letzten Jahr eine aufwändige Kampagne geführt, einen Imagefilm für das Brandzeichen erstellt und verbreitet und nach eigenen Angaben 35.000 Unterschriften von Befürwortern des Schenkelbrandes gesammelt, die der Bundesministerin im Herbst 2011 übergeben wurden.

Es bleibt zu wünschen, dass diese dennoch möglichst bald dafür sorgt, dass das höchstwahrscheinlich sehr schmerzhafte Einbrennen von Herkunfts-, Rasse-, Verbands- und sonstigen Zeichen durch Alternativmethoden und den Equidenpass vollständig abgelöst wird.