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Qualzuchten

Echte Hundefreunde unterstützen durch ihren Kauf keine Qualzuchten, egal wie sehr die äußere Erscheinung ihrem Idealbild entspricht. Foto: Ursula Bauer
Nacktkatze
Viele Tierliebhaber wissen einfach nicht, was sie mit dem Kauf eines bestimmten Rassetieres anrichten. Foto: ronymichaud / CC0 1.0 Universell CC0 1.0
 
 

Von Ursula Bauer, Januar 2015. Viele Menschen geben sich bei der Wahl ihres tierischen Mitbewohners nicht mehr mit einer Promenadenmischung oder einer Nullachtfünfzehn- Katze zufrieden. Wie Kleidung, Autos und Möbel unterliegen auch Haustiere regelrechten Modetrends. Dabei steht bedauerlicherweise das besondere, neuartige Aussehen im Vordergrund und nicht die Gesundheit des Tieres. Was herauskommt, wenn Züchter sehr bereitwillig die Nachfrage nach einem skurrilen, auffälligen Haustier befriedigen, ist im schlimmsten Falle eine Qualzucht. Englische Widderkaninchen mit bis zu 30 cm langen, am Boden schleifenden Schlappohren, Kängurukatzen mit verkürzten Vorderbeinen, Chinesische Nackthunde, haarlose Sphinx-Katzen, chinesische Faltenhunde und kurznasige Bulldoggen sind nur einige Beispiele für Züchtungen, die den betroffenen Tieren meist von Geburt an Schmerzen und Leiden verursachen wie beispielsweise chronische Atemnot, Gelenkschmerzen, Blind- und Taubheit, Fehlbildungen des Gebisses, Immunschwäche und Missbildungen der Schädeldecke. Leiden für die Schönheit? Welchem Schönheitsideal entsprechen Tiere, die aussehen wie Gruselmonster, Comicfiguren oder Gestalten aus einem Science-Fiction-Film? Die röchelnd um jeden Atemzug kämpfen, während die blutunterlaufenen Augen tränen und Sabber in Fäden von den tiefergelegten Lefzen tropft. Diese Form der Tierquälerei ist nicht billig – Züchter und Tierärzte können sich die Hände reiben. Den höchsten Preis zahlen jedoch die gequälten Kreaturen. Mit ihrer Gesundheit und oft auch mit ihrem Leben.

Gemäß § 11b Tierschutzgesetz (Qualzuchtparagraph) ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Im Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) vom Juni 1999 zur Auslegung des Qualzuchtparagraphen werden konkrete Qualzuchtformen benannt.

Leider hat dieses Gutachten keinen Gesetzescharakter, ist also für Züchter nicht unmittelbar rechtsverbindlich, so dass die Anwendung des § 11b TierSchG weiterhin problematisch ist, da in der Praxis viele Züchter und Zuchtverbände ihre Zuchtstandards noch nicht tierschutzrelevant korrigiert haben oder grundsätzlich nicht dazu bereit sind, sich von bestimmten Rassen abzukehren. Dies wäre anders, wenn die Bundesregierung endlich ein Haltungs-, Züchtungs- und Ausstellungsverbot für Wirbeltiere aus Qualzüchtungen im Rahmen einer Verordnung erlassen würde. Derzeit gilt: wo kein Kläger, da kein Richter. Wird allerdings ein Züchter angezeigt, kann der zuständige Amtstierarzt durchaus die Zucht auf der Grundlage des Qualzuchtgutachtens gemäß § 11 Tierschutzgesetz verbieten, falls die Merkmale seiner Meinung nach einer Qualzuchtform entsprechen.

Im September 2015 erregte ein Fall von Qualzucht bundesweit besondere Aufmerksamkeit, als das Verwaltungsgericht Berlin einer Züchterin untersagte, weiterhin Canadian-Sphynx-Katzen heranzuziehen.

Französische Bulldogge. Foto: © Ursula Bauer

Die Französische Bulldogge

Beispiel Hund

Zumindest die optischen Spuren des Vorfahren Wolf haben Züchter bei den Französischen Bulldoggen gründlich entfernt. Charakteristisch für diese Hunderasse ist das fast kugelrunde Köpfchen mit den leicht hervorquellenden Augen, den riesigen Fledermausohren und der zu einem Stummelchen reduzierten Nase. Während der Anblick dieser kleinen Bullys bei Tierschützern meist Mitleid und Kopfschütteln hervorruft reagieren vielen Menschen dagegen mit purem Entzücken. Die Tauglichkeit als hilfsbedürftiges Ersatzbaby oder modisches Accessoire zählt anscheinend mehr als Eigenschaften wie Gesundheit und Lebenstauglichkeit.

Im Moment gelten Französische Bulldoggen als regelrechter Modehund. Entsprechend groß ist die Nachfrage, die von geldgierigen Hundehändlern und skrupellosen Züchtern nur allzu gerne bedient wird.

Dabei sind Französische Bulldoggen vor allem aufgrund der stark verkürzten Nase schon von Geburt an behindert, ringen förmlich nach Luft, geben beim Atmen seltsame Röchelgeräusche von sich und schnarchen unglaublich laut. Oft müssen die Atemwege operativ vergrößert werden, damit die Hunde besser atmen können.

Wegen der verkrümmten und verkürzten Kiefer können Französische Bulldoggen auch nur schwer Nahrung aufnehmen und insgesamt schlecht zubeißen. Viele Vertreter dieser Rasse haben außerdem eine verkürzte Schwanzwirbelsäule (Stummelschwanz) mit oder ohne Verkrüppelung des Schwanzes (Knick-, Korkenzieherschwanz). Diese Fehlbildungen treten häufig zusammen mit Missbildungen an weiteren Abschnitten der Wirbelsäule auf. Folgen dieser Verkrümmungen können Störungen der Bewegungsabläufe der Hintergliedmaßen sein, die bis zur Lähmung führen können. Auch Harn- und Kot-Inkontinenz sind auf diese rassebedingten Missbildungen zurück zu führen. Bei zwergwüchsigen Französischen Bulldoggen sind auch die langen Röhrenknochen und somit die Beine stark verkürzt. In der Konsequenz kommen bei diesen Hunde häufig frühzeitige Fehlbildungen der Zwischenwirbelscheiben vor, was zu Bandscheibenvorfällen führen kann.

Aufgrund dieser vielfältigen körperlichen Behinderungen werden Französische Bulldoggen selten einmal 12 Jahre alt. Zum Vergleich - ein robuster Mischling kann bis zu 18 Jahre alt werden. 

US-Perserkatzentyp. Foto: © Ursula Bauer

Extrem kurtznaseige Perserkatzen

Beispiel Katze

Zu den Qualzuchten zählt ein extrem gezüchteter Perserkatzen-Typ mit sehr kurzer Nase, rundem Kurzkopf (Brachyzephalie), eingedrücktem Gesicht, kleinen Ohren und kurzen, stämmigen Beinen. Diese Peke-Face- oder auch Pekinesengesicht- Züchtungen haben massive gesundheitliche Probleme wie Schwergeburten, hohe Totgeburtenrate, Verengung der oberen Atemwege und des Tränenkanals, Einwärtsdrehen des Augenlidrandes sowie Vorbiss, Überbiss und Schiefbiss, was unter anderem die Nahrungsaufnahme extrem erschweren kann.

Gemäß § 11b Tierschutzgesetz (Qualzuchtparagraph) ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

Aus dem Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) vom Juni 1999 zur Auslegung des geht klar hervor, dass extrem kurznasige Perserkatzen mit dem so genannten Kurzkopf (Brachycephalie), bei denen der obere Rand des Nasenspiegels über dem unteren Augenlidrand liegt, den Tatbestand der Qualzucht gemäß § 11b Tierschutzgesetz erfüllen. Den zuständigen Behörden wird empfohlen, diese Tiere von Ausstellungen auszuschließen und ihre Zucht zu verbieten. Letzteres gilt auch für brachycephale Perser, bei denen 2 mal Geburtsprobleme auftraten und/oder Atemschwierigkeiten durch eine Verengung der oberen Atemwege (Nasenstenose) bestehen und/oder eine Verengung des Tränennasenkanals vorliegt.