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Kropfentzündung beim Vogel

Wellensittiche
Vögel sind keine Einzelgänger. Die Haltung in Gesellschaft sowie abwechslungsreiches Futter vermeidet Krankheiten. Foto: webandi / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

Von Dr. Tina Hölscher, Juni 2016. Leider gibt es viele Erkrankungen, die durch nicht artgerechte Tierhaltung überhaupt erst entstehen. Hierzu gehört definitiv die Kropfentzündung beim Vogel. Doch fangen wir von vorne an, damit auch Leute, die mit Vögeln bisher nichts am Hut hatten, verstehen wovon wir sprechen.

Wozu braucht ein Vogel einen Kropf?

Der Kropf ist eine sackartige Ausstülpung auf Höhe des Halses beim Vogel. Schluckt der Vogel Futter ab, landet dies erst mal im Kropf. Er gehört neben dem Schnabel und der Mundhöhle zum oberen Verdauungsapparat des Vogels und stellt sozusagen den Anfang der Speiseröhre dar. Hier bleiben die Futterpartikel für einige Zeit liegen. Es werden dort nun erste Verdauungsprozesse eingeleitet. Das Futter wird quasi eingeweicht. Von da geht es dann fast immer abwärts in den Magen. Fast immer heißt aber eben nicht immer. Lebt unser Vogel nämlich – wie es sein sollte – mit einem Partnertier zusammen oder hat er gar Nachwuchs, wird das Futter aus dem Kropf wieder hoch gewürgt und an die Liebsten verfüttert. Was sich für uns Menschen ekelig anhört, ist in der Vogelwelt völlig normal. So werden Jungtiere groß gezogen und der Partnervogel umgarnt und verwöhnt. Beobachtet ein Vogelhalter bei seinen gefiederten Schützlingen derartiges Verhalten während der Balzzeit oder der Jungtieraufzucht, darf er sich also freuen. Alles ist ganz normal.

Und wodurch wird der Kropf krank?

Doch wird ein Vogel entgegen seiner Natur alleine gehalten, beginnt das Drama. Um ihm sein tristes Dasein zu verschönern, statten viele Tierhalter den Käfig mit Spiegeln oder Plastikvögeln aus. Diese Einrichtungsgegenstände sollen den Partner ersetzen. Nicht nur, dass dies natürlich nicht mal ansatzweise gelingt. Nein, derartige Ersatzgegenstände machen unseren einsamen Vogel erst recht krank! Folgendes passiert: Unser armer Kämpfer versucht ständig sein Spiegelbild oder den Plastikvogel mit hochgewürgtem Futter aus seinem Kropf zu versorgen, in der Hoffnung dem vermeintlichen Partnertier etwas Gutes zu tun. Doch der angebotene Futterbrei kann vom Spiegelbild oder dem Plastikvogel aus China natürlich nicht entgegen genommen werden. Wie in einem Hamsterrad beginnt jetzt eine Endlosschleife aus Hochwürgen und Abschlucken des Futters. Verzweifelt versucht unser Vogel immer und immer wieder seine Kropfnahrung loszuwerden. Dies führt langfristig dazu, dass die Schleimhaut auf der Innenseite seines Kropfes wund wird.

In diesem Zusammenhang werden häufig auch Plastikgegenstände im Käfig aus Langeweile angenagt. Gelangen jetzt auch noch scharfkantige, kleine PVC-Teile in den Kropf, verschlimmern diese die Situation zusätzlich. Die Schleimhaut wird noch mehr verletzt, Krankheitserreger haben ein leichtes Spiel. Der Kropf entzündet sich. Er ist in diesem Zustand anfällig für Bakterien, Pilze und Einzeller. Der Vogel ist durch die Einsamkeit und die Schmerzen zudem gestresst. Es dauert nicht lange und das Tier wird richtig krank. Er leidet nun unter einer chronischen Kropfentzündung, die sich zu einem lebensbedrohlichen Zustand ausweiten kann. Wenn der Vogel jetzt nicht das Glück hat, einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt zu werden, ist das sein Ende.

Was kann man tun, damit das nicht passiert?

Also, was lernen wir daraus? Ganz einfach – wir müssen unsere Vögel, soweit das geht, artgerecht unterbringen. Dann bleiben sie gesund. Befolgen Vogelfreunde folgende Tipps, ist die Entstehung einer Kropfentzündung nahezu ausgeschlossen.

  • Vögel sollten nicht einzeln gehalten werden! Die Einzelhaft entspricht nicht dem Naturell der Tiere und sie werden langfristig krank. Entweder psychisch oder physisch oder gar beides.
  • Plastikvögel und -spielzeug sowie Spiegel haben im Vogelkäfig nichts zu suchen. Viel besser sind Äste ungespritzer Obstbäume unterschiedlicher Dicke, die die Vögel benagen oder als Sitzstange nutzen können.
  • Der Käfig sollte regelmäßig gereinigt werden, damit sich Bakterien, Pilze und Einzeller nicht hemmungslos vermehren können.
  • Trinkwasser ist täglich zu erneuern.
  • Täglicher Freiflug stärkt das Immunsystem und hält die Vogel gesund.
  • Wenig Körnerfutter verfüttern, dafür lieber täglich Gemüse und Obst.
  • Zusätzlich ein Mineralstoff- und Vitamingemisch anbieten.
Foto: PublicDomainPictures / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

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