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Buntes Elend - Wenn Papageien sich rupfen

Papagei
Papageien in Käfighaltung zeigen oft Verhaltensstörungen. Foto: IPO

von Ingeborg Polaschek, Juni 2011. Ein buntes Elend: Nervtötendes, anhaltendes Schreien dringt aus einem Kellerraum. Wie schön, dass dort wenigstens ein kleines Fenster etwas Licht in das „Verlies“ bringt. Denn nichts anderes ist dieser Ort für den kleinen Papageien, den man dort abgestellt hatte. Er ist kein Einzelfall. Gäbe es keine aufmerksamen Nachbarn, würden noch viel mehr dieser bedauernswerten Vögel einsam und alleine irgendwo ihr Leben fristen. Vielleicht findet sich eine mitleidige Seele und übernimmt diesen Vogel. Er wird dort ebenfalls seinen Frust herausschreien, denn der Mensch kann einen Vogelpartner nicht ersetzen. Dieser Papagei wird bald zu jenen Vögeln gehören, die in ihrem Leben mehr als fünfmal den Besitzer wechseln.

Für Vögel, die sich selbst einen Partner wählen und diesem bedingungslos treu sind, bedeutet diese unnatürliche Vogelhaltung Frust ohne Ende. Auch für den Vogelhalter selbst, denn jener Papagei hatte nicht so „funktioniert“ wie man es von ihm erwartete. Er war nicht geneigt, Wörter nachzusprechen welche man ihm vorsagte. Vielleicht wird er sich zu einem Rupfer entwickeln, der sich nach und nach alle erreichbaren Federn ausreißt. Wenn diese Rupfer schließlich in kundige Hände gelangen, kann es dort sogar zwei Jahre dauern bis sie – wenn überhaupt – wieder alle Federn bekommen. Oft sind die Vögel fehlgeprägt. Sie küssen ihr Spiegelbild, würgen ihre halbverdauten Körner hoch zurück in den Schnabel und versuchen diesen Ersatzpartner zu füttern. Kommentar in einer Zoohandlung während einer Frage über Sittichhaltung: „Hängen Sie dem Wellensittich doch einen Spiegel rein oder ein Glöckchen, dann fühlt er sich nicht so alleine!“ Oft wird empfohlen, dem einsamen Elend ein Ende zu bereiten indem man dem Papagei einen Partner zugesellt. Fazit ist leider oft, dass künftig zwei Käfige nebeneinander stehen, denn die Vögel vertrugen sich nicht oder hatten sich einfach nichts zu sagen. Tristesse mal zwei. Papageien vom kleinsten ihrer Art bis zum Ara suchen sich ihre Lebenspartner aus wie sie möchten und wählen nicht gerade jene, die man ihnen sozusagen vor den Schnabel setzt. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass eine Zusammenführung auch günstig ausgehen kann. Aber es braucht Geduld und viel Einfühlungsvermögen seitens der Vogelhalter. Vielleicht hatte sich ein Papagei bereits in der Zoohandlung einem Partner angeschlossen, dann sollte man dieses Paar nicht trennen. Die Einzelhaltung von Papageien ist widernatürlich und daher nicht artgerecht. Zur großen Familie der Papageien gehören auch die beliebten Wellen- und Nymphensittiche sowie andere Sitticharten. Leider werden viele dieser intelligenten Vögel abgegeben, weil sie nicht hielten, was man sich von ihnen versprach. Eine große Tierquälerei ist es, wenn man einfach das Fenster öffnet und diese Vögel in die für sie meiste tödliche Freiheit entlässt. Da ist es begrüßenswert, dass es Papageienparks gibt, welche diese Vögel aufnehmen und ihnen ein artgerechtes Leben bieten. Wie wichtig solche Institutionen sind, lässt sich daraus erkennen, dass sie teilweise Hunderten dieser intelligenten Vögel eine Heimat bieten.

Was brauchen Papageien?

Dieses Rosenköpfchen hat sich fast alle erreichbaren Federn ausgerupft. Foto: © Ursula Bauer Foto: Ursula Bauer

Außer dem wichtigen Miteinander müssen sie ihren Spieltrieb und ihr Nagebedürfnis ausleben können. Äste zum Benagen, sowie Klettergelegenheiten wie Sisalseile zum Schaukeln und zum Trainieren ihrer Motorik und des Gleichgewichtssinns. Ein Vogelbad darf nicht fehlen. Eine Versorgung mit Obst und Gemüse und artgerechtem Futter ist lebensnotwendig. Hier hat sich der Fachhandel sehr auf die Bedürfnisse von Papageienvögeln eingestellt. Wenig zufriedenstellend sind die meist zu kleinen Vogelkäfige. Spielzeug ist kein Ersatz für Fläche. Ideal sind Zimmervolieren mit einer Rückendeckung an einem zugluftfreien Platz in einem gut durchlüfteten Raum. Für größere Papageienarten ist eine Freivoliere mit Schutzhaus angeraten. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die Vögel sehr stimmgewaltig sind und sich empfindliche Nachbarn gestört fühlen könnten. Selbst kleine Papageienarten wie die hübschen „Unzertrennlichen“ (Agaporniden) besitzen eine durchdringende Stimme. Man sollte bedenken, dass Papageien je nach Art ein Lebensalter bis zu 80 Jahren erreichen können und eine Dauerbeschäftigung und Zuwendung von mindestens acht Stunden täglich brauchen.

Die Freundschaft zwischen Mensch und Vogel hat eine lange Tradition. Im Laufe der Jahre jedoch haben besonders Papageien viel Elend erdulden müssen. Der Handel blühte und alleine schon durch die Transporte aus ihren Ursprungsländern erreichte umgerechnet nur ein Papagei von dreien lebend den Zielflughafen. Eng in Kisten verpackt haben sie kaum Überlebenschancen. So wurden etliche Arten an den Rand der Ausrottung gebracht und selbst Einfuhrverbote brachten nicht die erwünschten Erfolge. Aufgrund einträglicher Gewinnspannen gibt es immer wieder Versuche, seltene Exemplare durch den Zoll zu schmuggeln. Obwohl Wildvogelimporte in den letzten Jahren zurückgegangen sind, wird immer noch eine beträchtliche Anzahl auf die eine oder andere grässliche Weise eingeschmuggelt. Jene Bilder, die auf dem Transport verendete Papageien zeigen, sollte jeder potentielle Käufer vor Augen haben. Vogelfreunde können inzwischen ihre Wünsche zur Haltung dieser schönen Vögel durch inländische Nachzuchten erfüllen. Leider fehlt im Handel oft die Zeit für eine intensive Beratung. Der Kauf aber geschieht meist aus der Überlegung heraus, welche Vorteile der Mensch für sich selbst aus der Haltung von Papageienvögeln ziehen möchte. Hier steht meist allem voran die Frage: „Kann der auch sprechen?“.