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Wellensittiche (Melopsittacus undulatus)

Freilebende Wellensittiche in Australien. Foto: Jim Bendon / CC BY-SA 2.0 CC BY-SA
Der Wellensittich etablierte sich in Deutschland als Haustier in den 60er Jahren. Foto: AnnaER / CC0 1.0 Universell CC0 1.0
Foto: cocoparisienne / CC0 1.0 Universell CC0 1.0
Das Mindestmaß eines Käfigs für zwei bis vier Vögel beträgt 100 (Länge) cm x 50 cm (Breite) x 80 cm (Höhe)! Foto: IPO
Aufgrund der bedrückenden Enge kam es unter den Vögeln zu häufigen Auseinandersetzungen, was zu teilweise schweren Verletzungen vor allem an den Köpfen führte. Foto: aktion tier e.V.
 
 

von Alexandra Diezemann. Seit über 200 Jahren trägt der gesellige Singvogel seinen Namen „Wellensittich“, den er vom englischen Naturkundler George Shaw erhielt. Er ordnete den Vogel zu den Arten der Papageienvögel zu und prägte den wissenschaftlichen Namen „Melopsittacus undulatus“, was übersetzt „gewellter Singpapagei“ bedeutet. Von diesem wurde der Deutsche Name „Wellensittich“ abgeleitet. Im Jahr 1805 entdeckte Shaw den farbenfrohen Sittich in Australien und war von den Mini-Papageien sofort fasziniert.

John Gould, Museumsforscher und Vogelkundler, brachte im Jahr 1840 erstmals lebende Wellensittiche nach England. Die Begeisterung für den ca. 18 cm großen Vogel und die zunehmende Bekanntheit bedeutete für ihn leider oft den Tod. Per Schiff, in engen Transportboxen eingepfercht, dauerte die Reise mehrere Monate. Da viele Wildfänge auch kurze Zeit später an den Folgeerscheinungen der erschöpfenden Reise oder durch falsche Ernährung starben, begannen Bemühungen, die Vögel in Europa, zunächst in England, nachzuzüchten. Nachzüchtungen gelangen 1855 auch in Deutschland. In Massen wurde der Schwarmvogel noch über viele Jahre nach Europa exportiert, bis die Australische Regierung 1894 ein Ausfuhrverbot erteilte, um den Bestand der Vögel zu schützen und ihn vor einer Ausrottung zu bewahren. Die heute in Deutschland vorkommenden Wellensittiche sind demnach alles Nachzuchten. Die vielen Farbschläge von Olivgrün, Blau, Gelb, gescheckt und Weiß sind Mutationen, die in freier Natur aufgrund ihrer Auffälligkeit kaum eine Überlebenschance hätten. In menschlicher Obhut gibt es keine Fressfeinde, so dass sich die Mutationen durchsetzen. Die ursprüngliche Wild-Farbe ist Grün mit gelb-schwarzem Wellenmuster. Auch die Größe der Vögel ist in der Natur mit ca. 18 cm Körperlänge wesentlich kleiner als der mittlerweile gezüchtete „Standard-Wellensittich“ mit rund 23 cm Körperlänge.

Koloniebrüter mit Australischer Heimat

Die weiten Steppen Australiens sind die ursprüngliche Heimat der Papageienvögel. Sie kommen auch heute noch überall auf dem Kontinent vor. Die scheuen Tiere sind Koloniebrüter und bevorzugen dabei kleine Höhlen oder aber Hohlräume in Bäumen. Mehrmals im Jahr brüten die Weibchen und bringen es auf bis zu 20 Nachkommen pro Brut. Die hohe Geburtenrate sichert den Artenbestand, da große Dürreperioden Tausende von Opfern fordern können. Wochenlang aber kommen sie in freier Wildbahn ohne Wasser aus. Sie begnügen sich mit Tautropfen, die sie in den Morgenstunden auf Pflanzen finden. Da die Weibchen für den Nestbau zuständig sind, können weibliche Tiere auch fester zubeißen als männliche. Das Männchen kümmert sich um die Nahrungsbeschaffung, während das Weibchen brütet. Gräser und Wildhirse stehen dabei bevorzugt auf dem Speiseplan. Das heiße Klima des Kontinents lässt die Wellensittiche in großen Schwärmen über das Land ziehen, bis ein Landstrich gefunden wird, wo es geregnet und das wenige Grün zum Sprießen gebracht hat. Bis zu 100 Kilometer können die Vögel zurücklegen und sind ein Nomadenleben gewöhnt.

Geselliger Vogel mit Charme

Der Wellensittich etablierte sich in Deutschland als Haustier in den 60er Jahren. Der charmante Kleinpapagei eroberte die Herzen der Menschen im Sturm. Mit seiner steten Neugierde und durch sein großes Sprachtalent war der Vogel so beliebt, dass in den 80er Jahren jedes Jahr rund 800.000 Wellensittiche in Deutschland als „Familienmitglied“ aufgenommen wurden. Vergessen hierbei wurde leider oft eine möglichst artgerechte Lebensweise. Die meisten Sittiche fristeten ein einsames Leben ohne Artgenossen und verbrachten den Großteil ihrer Zeit auf Plastikstangen in viel zu kleinen Käfigen. Die „Vermenschlichung“ der Vögel führt dann nicht selten dazu, dass die Tiere aus Langeweile verkümmern oder aber vor lauter Traurigkeit anfangen, sich die Federn auszurupfen (auch bei Großpapageien ein bekanntes Phänomen). Die „Hansis“ und „Bubis“ (damals die populärsten Namen) führten demnach oft kein schönes Leben. Auch wenn die Beliebtheit der Wellensittiche statistisch gesehen heute abgenommen hat, leben in Deutschland noch immer in ca. drei Millionen Haushalten „die kleinen Geier“, wie sie oft liebevoll von ihren Fans genannt werden. Mittlerweile ist den meisten Wellensittich-Liebhabern bekannt, dass die Einzelhaltung dieser Tiere Tierquälerei bedeutet. Dennoch werden viele Vögel falsch gehalten und viele Irrtümer sind noch im Umlauf.

Einzelhaltung und Spielzeug mit fatalen Folgen

Zoofachgeschäfte verkaufen leider noch immer bunt gestaltete Plastikvögel, die einem einzeln gehaltenen Wellensittich tatsächlich als Gesellschaft dienen sollen. An einer Stange angebracht soll er den Vogelkäfig zieren und als Kumpel fungieren. Ebenso werden noch immer kleine Spiegel verkauft, die, im Käfig aufgehängt, dem Vogel vorgaukeln, ein weiterer Vogel würde sich im Käfig bewegen. Die Folge eines solchen „Spielzeugs“ kann tödlich enden. Denn der allein gehaltene Vogel nimmt sich, in der Hoffnung auf Sozialkontakt, tatsächlich der „Plastikgenossen“ oder seines Spiegelbildes an und versucht verzweifelt diese zu füttern oder zu liebkosen. Dazu würgen sie Futter in ihren Kropf hoch und geben das Futter weiter. Wird das hochgewürgte Futter nicht aufgenommen (was bei Plastikvögeln logischerweise nicht passiert) kann es zu schlimmen Kropfentzündungen kommen. Die Tatsache, dass der Plastikvogel oder der Spiegel keine Reaktion zeigt, kann beim Vogel zu regelrechten Depressionen oder zu Aggressionsschüben führen. Eine Einzelhaltung ist aus diesem Grunde völlig abzulehnen. Die Beobachtung mehrerer Vögel schenkt viel Freude und den Vögeln die Möglichkeit zu schnäbeln, sich zu kraulen und in der Vogelsprache zu kommunizieren. Es spielt dabei übrigens keine Rolle, ob man Männchen und Weibchen oder ein gleichgeschlechtliches Paar hält. Auch der Glaube, dass mehrere gehaltene Wellensittiche nicht zutraulich werden ist falsch. Es kommt lediglich darauf an, wie viel Zeit man mit den Tieren verbringt und ihnen Vertrauen schenkt.

Freiflug, Käfig, Zubehör und artgerechtes Futter

Egal wie groß der Käfig Ihrer gefiederten Freunde auch ist, ermöglichen Sie Ihren Vögeln bitte täglich einen Freiflug. Ideal ist es natürlich, wenn der Käfig für mehrere Stunden am besten immer zur selben Uhrzeit) offen steht und die Vögel entscheiden können, ob sie raus möchten oder nicht. Das Mindestmaß eines Käfigs für zwei bis vier Vögel beträgt 100 (Länge) cm x 50 cm (Breite) x 80 cm (Höhe). Ein Käfig sollte keine runden Formen haben, da dies zu Orientierungsschwierigkeiten bei Vögeln führt. Innen sollten mehrere Kletter- und Sitzstangen aus Naturholz angebracht sein (Plastikstangen bei gekauften Käfigen entfernen und austauschen). Die Hölzer sollten unterschiedlich dick sein und die Vögel sollten sie nicht ganz umgreifen können. Außerhalb des Käfigs können Sie einen Vogelbaum oder einen Landeplatz für Vögel aufbauen.

Das richtige Futter erhalten Sie im Zoofachgeschäft. Von den Körnermischungen für Wellensittiche können Sie pro Vogel ca. 2-3 Teelöffel pro Tag kalkulieren. Die Gabe von täglich frischem Trinkwasser versteht sich von selbst. Täglich sollte Frischkost gereicht werden. Auf Kohlsorten ist zu verzichten (führt oft zu Blähungen). Kalkstein und Sepiaschale sollten nicht fehlen, um Mineralstoffe zu liefern und als „Wetzstein“ für den Schnabel zu dienen. Eine Vogelwanne mit frischem Wasser erfreut vor allem an heißen Tagen jeden Vogel. Kolbenhirse nicht täglich anbieten, da diese zu kalorienreich ist.